- 16.11.2011, 13:49:49
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FPÖ-Podgorschek: Freiwilligenarmeen in Europa gescheitert
Darabos-Konzept ist bereits vor der Umsetzung überholt
Wien (OTS) - "Wie die Erfahrungen anderer europäischer Staaten
zeigen, gibt es große Probleme bei den neuen Freiwilligenarmeen. Vor
allem die Rekrutierung von Nachwuchs kann nicht zufriedenstellend
durchgeführt werden", erklärt der freiheitliche NR Abgeordnete Elmar
Podgorschek, Mitglied des Landesverteidigungsauschusses.
Vor allem Schweden, das im Juli 2010 die Wehrpflicht abschaffte,
wurde von Verteidigungsminister Norbert Darabos immer wieder als
Vorbild genannt. Die dortige Situation erwies sich als äußerst
ernüchternd: Die schwedischen Streitkräfte wollten 2010 5.300
Rekruten anwerben, erreichten mit 2.400 neuen Soldaten aber nur die
Hälfte des Ziels. Ein ähnliches Bild biete die Bundesrepublik
Deutschland, wo sich bis Ende Februar 2011 nur 306 Freiwillige
gemeldet hätten, obwohl für das erste Quartal 2011 3.077 neue
Soldaten benötigt worden wären. Noch erschreckender sei die
Aussteigerquote. Im Juli 2011 hatten von 780 der 3.459 neuen Rekruten
ihren Dienst bereits wieder quittiert, was einer Aussteigerquote von
22,5 Prozent entspreche. Podgorschek verweist in diesem Zusammenhang
auf die ähnliche Bevölkerungsstruktur Österreichs und Deutschlands.
"Es fällt den Freiwilligenarmeen aber nicht nur schwer, eine
ausreichende Anzahl an Bewerbern zu rekrutieren. Auch die
Qualifikation der Bewerber lässt zu wünschen übrig", meint
Podgorschek. Die Bundeswehr musste inzwischen ankündigen, sich
besonders um Minderqualifizierte und Schulabbrecher zu bemühen. Dies
stehe in direktem Gegensatz zu dem, von Verfechtern einer
Freiwilligenarmee vorgebrachten Argument, die Professionalität und
Qualifikation sei höher als bei einer Truppe mit Wehrpflichtigen. Als
letzte verzweifelte Maßnahme werde jetzt die Zulassung von Ausländern
zum Dienst an der Waffe erwogen. "Das kann doch nicht der Weg sein,
den wir einschlagen wollen: Zu wenige Rekruten, die dabei oftmals
nicht ausreichend qualifiziert sind", kritisiert Podgorschek Minister
Darabos, der die Warnzeichen aus dem Ausland offensichtlich bewusst
übersehe.
Derartige Missstände seien in den größeren Armeen der Welt bereits
Gang und Gebe. Sowohl die US Armee als auch die britischen
Streitkräfte rekrutierten bereits massiv im Ausland oder in
Gefängnissen, die Spanier mussten die geistigen Anforderung an die
Bewerber stark absenken, in Belgien sei das Heer völlig überaltert.
"Das Konzept der Freiwilligenarmee ist, wie diese Beispiele zeigen,
de facto bereits überholt", resümiert Podgorschek.
"Rund um Europa gibt es neue Konfliktherde, die Rüstung steigt
weltweit stark an. Auch in Europa selbst gibt es durchaus
Konfliktzonen, in denen kriegerische Auseinandersetzungen stattfinden
könnten. Die letzten Kriege auf dem Balkan sind nur knapp über zehn
Jahre her. Neben der Landesverteidigung ist das Bundesheer auch für
den Katastrophenschutz unverzichtbar. In einer solchen Situation ein
so problembehaftetes Modell wie die Freiwilligenarmee einzuführen,
halte ich für grob fahrlässig", schließt Podgorschek.
Rückfragehinweis:
Freiheitlicher Parlamentsklub Tel.: 01/ 40 110 - 7012 mailto:[email protected] http://www.fpoe-parlamentsklub.at http://www.fpoe.at
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