• 16.11.2011, 10:27:45
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Tag des frühgeborenen Kindes: Deutlich gesteigerte Überlebenschancen für Frühgeborene an der Universitätskinderklinik des AKH Wien

Weltweit ist jedes zehnte Kind ein Frühgeborenes

Wien (OTS) - Mit einer innovativen Behandlungsmethode bei der
Erstversorgung extrem unreifer Frühgeborener der
Schwangerschaftswochen 23-27 ist es an der Universitätsklinik für
Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien am AKH Wien gelungen, die
Überlebenschance selbst dieser unreifen Kinder auf über 80 Prozent
anzuheben. Diese Erfolgsbilanz präsentierten Angelika Berger und
Arnold Pollak von der Kinderklinik der MedUni Wien am Mittwoch
anlässlich des internationalen Tags des frühgeborenen Kindes am 17.
November. Weltweit ist jedes zehnte Kind ein Frühgeborenes.

In der der Abteilung für Neonatologie, Pädiatrische
Intensivmedizin und Neuropädiatrie der MedUniWien am AKH Wien wird
seit zwei Jahren ein in Köln entwickeltes Konzept für die
Erstversorgung extrem unreifer Frühgeborener eingesetzt, bei dem die
lebensnotwendige Substanz Surfactant ohne Notwendigkeit der
künstlichen Beatmung am spontan atmenden Kind verabreicht wird. Eine
ausreichende körpereigene Surfactantbildung beginnt erst etwa mit der
28. Schwangerschaftswoche, ab der 34. Woche wird die Substanz in den
meisten Fällen in ausreichenden Mengen produziert. Surfactant ist
eine emulgierende, oberflächenaktive Substanz, die hilft, die
Lungenbläschen (Alveolen) offen zu halten.

Bessere Überlebenschancen, weniger Folge-Komplikationen
Die Gabe von Surfactant erfolgt mit dieser Methode schonend über
eine dünne Sonde am spontan atmenden Kind. Bisher mussten die
unreifen Neugeborenen zur Verhinderung eines so genannten
Atemnotsyndroms (RDS), Folge eines Mangels an körpereigenem
Surfactant, intubiert und beatmet werden. "Die meisten selbst der
unreifsten Kinder schaffen es, nach dieser Surfactantgabe,
selbständig ausreichend zu atmen - ohne Notwendigkeit einer
künstlichen Beatmung", sagt Angelika Berger, interimistische Leiterin
der Abteilung für Neonatologie, Pädiatrische Intensivmedizin und
Neuropädiatrie, am Donnerstag im Rahmen der Pressekonferenz an der
MedUni Wien.

Durch den Einsatz der neuen Methode an der MedUni Wien ist die
Überlebensrate von Kindern, die 17 bis 13 Wochen vor dem geplanten
Geburtstermin geboren werden, auf über 80 Prozent angestiegen. Das
ist international betrachtet ein absoluter Spitzenwert, wie die
Statistik des "Vermont Oxford Networks", eines Netzwerk von hunderten
Neonatologien weltweit, zeigt. Einen positiven Zusatzeffekt betont
Arnold Pollak, Vorstand der Univ. Klinik f. Kinder- und
Jugendheilkunde: "Auch die aus der Beatmung resultierenden
Folgekomplikationen wie chronische Schäden an der Lunge oder im
Gehirn konnten mit der neuen Methode verringert werden".

Im Jahr 2010 wurden am AKH Wien 92 Kinder versorgt, die zwischen
der Schwangerschaftswoche 23 und 27 geboren wurden, also um bis zu 17
Wochen zu früh. Pollak: "Das ist eine sehr hohe Zahl. Im
deutschsprachigen Raum gibt es kein zweites Zentrum, das eine
derartige Anzahl extrem unreifer Frühgeborener versorgt." Groß ist
auch der Ressourceneinsatz bei der Frühgeborenen-Betreuung -
personell wie finanziell. Pollak: "Eine Investition, die sich lohnt,
wie man sieht."

Weltweit ist jedes zehnte Kind ein Frühgeborenes. In Österreich
liegt die Rate bei 11,1 Prozent, 1990 waren 8,1 Prozent vor der 37.
Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen. Die Anzahl der
Lebendgeborenen hat im selben Zeitraum jedoch von 90.454 auf 76.344
abgenommen. Rund 8.000 Babys werden also jährlich in Österreich vor
dem errechneten Termin geboren.

Nachsorge durch die öffentliche Hand gefordert
Zwar gibt es an der Universitätsklinik für Kinder- und
Jugendheilkunde an der MedUni Wien eines der umfangreichsten und
genauesten Nachsorgeprogramme, "aber es gibt kein Recht des
Frühgeborenen auf eine standardisierte Nachsorge, ähnlich den
Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen", betont Berger am Donnerstag. "Dabei
gibt es ein Konsenspapier der Österreichischen Gesellschaft für
Kinder- und Jugendheilkunde, in dem ganz exakt festgehalten ist, was
die Nachsorge leisten sollte. Derzeit hängt sehr viel vom
persönlichen Engagement der Klinikleitung ab - auch nach der
Entlassung des Kindes." Die Nachbetreuung dieser Kinder sei aber
teilweise bis ins Volksschulalter und darüber hinaus nötig, so die
Wissenschafterin. Derzeit befindet sich ein Elternverein in Gründung,
der als Anlaufstelle für Familien mit Frühgeborenen dienen soll.

"Die Probleme beginnen für Kinder und Mütter nach der Entlassung aus
der Klinik"
Eine der Initiatoren dieses Elternvereins ist Andrea Emberger,
selbst Mutter eines Frühgeborenen, einer jetzt zweieinhalbjährigen
Tochter: "Die Versorgung an der Kinderklinik war perfekt, sowohl
medizinisch wie psychologisch. Die Probleme beginnen danach, wenn die
Rehabilitation beginnt. Dann fehlen die Ressourcen."

Aber nicht nur die Kinder, auch die Mütter benötigen nach der
Entlassung aus der Obhut der ÄrztInnen weitere Betreuung, weiß
Emberger aus eigener Erfahrung. Eine Unterstützung, die es derzeit
nicht gibt: "Ich habe mir selbst die psychologische Nachbetreuung
bezahlt und privat Geld investiert, um meine seelische Gesundheit
wiederherzustellen." Bei Andrea Emberger hatte eine simple Infektion
zur Frühgeburt geführt. Ihre Forderung: "Bessere Aufklärung und
Information über die Risikofaktoren einer Frühgeburt schon während
der Schwangerschaft."

Info zur Initiative "Eltern für Frühgeborene":
www.eine-handvoll-leben.at

Medizinische Universität Wien - Kurzprofil
Die Medizinische Universität Wien (kurz: MedUni Wien) ist eine der
traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten
Europas. Mit fast 7.500 Studierenden ist sie heute die größte
medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit ihren
31 Universitätskliniken, 12 medizintheoretischen Zentren und
zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den
bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im
biomedizinischen Bereich. Für die klinische Forschung stehen über
48.000m2 Forschungsfläche zur Verfügung.

Rückfragehinweis:

Medizinische Universität Wien
   Mag. Johannes Angerer
   Leiter Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Fundraising 
   Tel.: +431 40160 - 11 501
   Mobil: +43 664 800 16 11 501
   mailto:[email protected]
   http://www.meduniwien.ac.at

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