• 15.11.2011, 14:13:42
  • /
  • OTS0264 OTW0264

Intelligente Bau - Lösungen

Innovationen beim Kolloquium Forschung & Entwicklung für Zement und Beton

Wien (OTS) - Wissenschaftliche Forschungsinstitute sowie
Unternehmen der österreichischen und internationalen Bauwirtschaft
präsentierten am 9. November wertvolle Inputs für den noch besseren
und effizienteren Einsatz von Zement und Beton. Das diesjährige
Kolloquium Forschung & Entwicklung für Zement und Beton stand vor
allem im Zeichen der Infrastruktur. 23 nationale und internationale
Experten referierten über bahnbrechende Entwicklungen in der
Betontechnologie und Baupraxis, erstmalig gelungene Versuche wie auch
ökologische, nachhaltige Lösungen für Oberflächen und Tragwerke, vor
rund 350 Teilnehmern. VÖZ-Geschäftsführer DI Felix Friembichler über
die massiv gestiegene Bedeutung von Beton: "Selbst in Bereichen wie
Lärmschutz ist Beton nicht mehr wegzudenken. Mit dem Baustoff Beton
können die hohen Anforderungen an die Bauwirtschaft in puncto
Nachhaltigkeit bestens erfüllt werden."

Für Johannes Steigenberger vom Forschungsinstitut der Vereinigung
der österreichischen Zementindustrie (VÖZfi) eine Bestätigung über
die richtige Richtung der Forscher rund um das Thema Zement und
Beton: "Das Innovationspotential in der Anwendung von Zement und
Beton ist gewaltig und so hat sich das Kolloquium als Branchentreff
zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Anwendern etabliert. Der hohe
internationale Anteil der Besucher wie auch die Teilnahme vieler
internationaler, hochkarätiger Referenten zeigen uns, dass der
Austausch untereinander wichtig ist, Innovationen vorantreibt und
auch aktiv gesucht wird."

Megaschalen ohne herkömmliche Bewehrung

Einen guten Einstieg in ungeahnte Möglichkeiten in puncto
Tragfähigkeit und Effizienzsteigerung mit Beton gab Professor Dr.
Christoph Gehlen von der TU München. Gehlen stellte sich mit seinem
Forschungsvorhaben den Problemstellungen bei der Errichtung von
monolithischen Ortbetonschalen. Er überprüfte die Möglichkeiten,
Betonfertigbauteile zu verwenden und fand heraus, dass es das Ziel
sein muss, Fertigteile ohne Betonstahlbewehrung herzustellen und die
gesamte Zugfähigkeit eines Brückenbauwerks zum Beispiel nur über das
Hinzufügen von Stahlfasern gewährleisten zu können.

Lärmschutz ohne Stahlbeton

DI Alexander Barnas, Kirchdorfer Fertigteilholding GmbH,
Wöllersdorf, präsentierte den Phonobloc, ein neuartiger Porenbeton
für ökologisch-nachhaltige Lärmschutzsysteme. Barnas lüftete das
Erfolgsgeheimnis: "Bis dato wurde Stahlbeton mit einer
Absorptionsschicht verwendet. Phonobloc benötigt keinen Stahlbeton
als Tragkonstruktion, denn er ist aufgrund seiner Eigenschaften
stabil genug. Der Porenbeton absorbiert Schall, dämmt den Luftschall
und ist zugleich gegen Frost und Tausalz beständig." Die
Anwendungsgebiete reichen von Paneelen bis zu eigenständigen Wänden.
Der neue Porenbeton ist zu 100 Prozent wiederverwertbar, da er
gänzlich aus mineralischem Gestein besteht.

Prüfverfahren nach Prinzip Induktion

Dipl.-Min. Vera D. Rohrdantz von Matenco Europe in Göttingen
verwies auf die nach wie vor bestehenden Unsicherheiten in puncto der
Zusammensetzung von Stahlfaserbeton: "Vor allem der Stahlfasergehalt
sowie auch die Orientierung der Fasern bzw. die Möglichkeit der
Berücksichtigung als Bewehrungsverstärkung führen häufig zu
Diskussionen." Rohrdantz arbeitete intensiv an Mess- und Prüfmethoden
für Stahlfaser- und Massenbeton, um mit Unsicherheiten aufzuräumen.
Das Messprinzip beruht auf der magnetischen Induktion
ferromagnetischer Materialien. Mit dem von ihr entwickelten Prüfgerät
können nun der Fasergehalt als auch die Orientierung im Festbeton mit
einer hohen Genauigkeit festgestellt werden.
Dies eröffnet neue Möglichkeiten, denn Untersuchungen von Lieferbeton
ergaben, dass in den verschiedenen Lieferungen unterschiedliche
Mengen an Fasern vorhanden sind - das bedeutet höchste Unsicherheit
bei den Prüfungsergebnissen. Bei den Versuchen stellte Rohrdantz
fest, dass für die Qualität und Stabilität des Betons die Art und
Weise wie auch der Zeitpunkt der Zugabe der Fasern entscheidend ist.

Neue Richtlinie bringt Materialeinsparung

Ing. Martin Schramböck, Kirchdorfer Fertigholding GmbH, erläuterte
Details zur neuen Richtlinie des Verbandes österreichischer Beton-
und Fertigteilwerke (VÖB), die eine erste internationale Grundlage
für wasserundurchlässige Betonbauwerke in Fertigteilbauweise
darstellt. Die bis dato verwendete Richtlinie der Österreichischen
Vereinigung für Beton- und Bautechnik, ÖVBB, behandelt Weiße Wannen -
allerdings ohne die technologische Möglichkeit, Fertigteile zu
verwenden. Die neue VÖB-Richtlinie gilt für Stahlbetonbauwerke und
Bauteile in Fertigteilbauweise. Mit der Anwendung der Richtlinie
können erhebliche Materialeinsparungen erzielt werden.

Mit Physik und Optik Fahrbahnschäden rechtzeitig erkennen

Das VÖZfi entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Hochbau und Technologie, TU Wien, das sogenannte stereoskopische
Verfahren - zur Ermittlung der Struktur von Oberflächen. Dabei
bedient sich das Forscherteam einer Methode aus der Physik und Optik:
die Wiedergabe von Bildern mit einem räumlichen Eindruck von Tiefe.
"Unser Prinzip basiert darauf, dass wir zwei Bilder erstellen, die
mit Hilfe einer speziellen Software zu einem dreidimensionalen
Oberflächenbild zusammengefügt werden. Der Vorteil ist, dass wir
kleine Untersuchungen durchführen können, direkt vor Ort und auch
ohne Bohrkerne zu entnehmen", erklärt Steigenberger. Mit der Methode
kann die Rauigkeit festgestellt werden wie auch Schäden und einige
andere Parameter der Oberflächen.

Wiener Graben mit Pflasterdrainbeton

Ing. Peter Nowotny, Pflasterermeister und Sachverständiger, warnte
vor den Konsequenzen durch die dramatisch gestiegene
Verkehrsbelastung und präsentierte eine innovative Lösung für
Pflasterstein-Straßen: "Vor allem der steigende Schwerverkehrsanteil
führt zu einer frühen Ermüdung von Pflasterflächen. Als klare
Schadensverursacher haben wir die geringe Wasserdurchlässigkeit wie
auch die zu geringe Verformungssteifigkeit des Materials
festgestellt. Wir suchten nach einem nachhaltigeren Material und
fanden die perfekte Lösung im Pflasterdrainbeton." Prominentes
Versuchsobjekt war die Höhenstraße, bei der ein Teil mit
Pflasterdrainbeton ausgeführt wurde und ein Teil mit herkömmlichen
Pflastersteinen. "Nach kurzer Zeit zeigten sich bei der
konventionellen Methode bereits Spurrinnen - bei der
Pflasterdrainbeton-Strecke konnten wir keine wesentlichen
Verformungen feststellen." Die Neuentwicklung wurde beim Neubau der
Fußgängerzone Graben und Kärnterstraße in der Wiener Innenstadt
erfolgreich installiert.

Regenbewirtschaftung

Jakob Socher, BWL Betonwerk Linden Pflastersteinwerk in
Deutschland, beschäftigte sich wiederum mit der Versickerung von
Niederschlägen bei Betonpflasterbelägen und entwickelte ein
wasserdurchlässiges System mit einem speziellen Betonpflasterstein.
Das Flächensystem lässt aufgrund der speziell entwickelten Fuge
Schadstoffe wie Öl oder gelöste Schwermetalle nicht durch.

Sicherheitsoffensive für Tunnel

DI Martin Peyerl, VÖZfi und Ing. Herwig Steiner, Asfinag, widmeten
sich einem Sicherheitsthema aus dem Tunnelbau: Die Griffigkeit der
Fahrbahndecke. "Erweisen sich Waschbetonoberflächen auf Freistrecken
über lange Zeiträume in der Griffigkeit konstant, haben wir im Tunnel
mit dem Erhalt der Griffigkeit immer wieder zu kämpfen", führte
Martin Peyerl aus. Die beiden Forscher führten topografische und
chemische Analysen der Fahrbahnoberflächen durch. Dazu wurden drei
neugebaute Tunnel und drei bereits länger in Betrieb befindliche
Tunnel untersucht. Peyerl verrät das erste Ergebnis - das
Forschungsprojekt wird erst im Dezember 2011 abgeschlossen: "Wir
haben in den Tunnelbereichen eine deutlich erhöhte Konzentration an
Kohlenstoffverbindungen festgestellt. Der Zusammenhang zwischen dem
Anteil an Kohlenstoffverbindungen bezogen auf das Gestein und die
Fahrbahngriffigkeit ist somit eindeutig." Die beiden Forscher liefern
eine völlig neue Grundlage zur Verbesserung und Erhöhung der
Griffigkeit in Tunneln.

Gläserne Überwachung für Bogenbrücke in Wild

Ultrahochleistungsbetone, UHPC, ermöglichen neue Erfolge für die
Fertigteilindustrie - die Material- und Kosteneffizienz überzeugen
öffentliche wie private Bauherren. Ein prominentes Beispiel ist die
Bogenbrücke Wild in Völkermarkt, die von PhD. Marian Ralbovsky,
Austrian Institute of Technology, zurzeit beobachtet wird. Die
Einzigartigkeit der Brücke liegt darin, dass für die Bögen
ausschließlich UHPC verwendet wurde. Um die Genialität der
Konstruktion wissenschaftlich belegen zu können, wird das
Bogenbauwerk mit einem Monitoringsystem überwacht. Als zusätzlicher
Aspekt könnten dabei auch eine unerwartete Abnahme der Steifigkeit
oder eine Rissbildung sofort entdeckt werden.

Ultrahochleistungsbetone mit Ausgangsstoffen aus der Region

Das Team der Fachhochschule Kärnten, Studienbereich
Bauingenieurwesen, berichtete über ihr Forschungsprojekt "High
Performance Composites". Dabei werden neue Rezepte für faserbewehrte
Ultrahochleistungsbetone entwickelt und auf ihre
Anwendungsmöglichkeiten getestet. Das Ziel ist ein stabiles,
weitgehend selbstverdichtendes Frischbetongefüge mit sehr hohen
Festigkeiten - zum Einsatz sollen nur vorwiegend in der Region
vorhandene Ausgangsstoffe kommen.

Felix Friembichler und Johannes Steigenberger zeigten sich von dem
starken Interesse der Teilnehmer des Kolloquiums begeistert: "Für uns
einmal mehr eine Bestätigung unserer Bemühungen für Zement und Beton.
Der Werkstoff ist einer der nachhaltigsten Baustoffe, die wir zur
Verfügung haben und deren vielfältige Verwendungsmöglichkeiten unsere
Branche nicht müde wird weiter zu erforschen und an
zukunftsorientieren Lösungen zu arbeiten."

Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)

Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie versteht sich
als Partner der Bauindustrie, der Behörden, aber auch als Service-
und Anlaufstelle für den Endverbraucher. Die VÖZ bietet praktische
Hilfestellung bei Fragen der fachgerechten Verarbeitung von Zement
und Beton. Darüber hinaus beobachtet die VÖZ laufend die aktuellen
internationalen Entwicklungen und ist maßgeblich daran beteiligt, den
jeweils neuesten Stand der Technik in der österreichischen
Bauwirtschaft zu verankern.

Infos und Download unter: www.zement.at

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Zementindustrie, Andrea Baidinger
andrea.baidinger bauen wohnen immobilien Kommunikationsberatung GmbH
Tel +43 1 904 21 55 0, email: [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | BWO

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel