- 23.10.2011, 09:00:32
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Kinder- und Jugendpsychiatrie "auf Kasse" in Niederösterreich
ÖÄK-Wawrowsky: Hauptverband muss Boykott aufgeben
Wien (OTS) - Niederösterreichische Ärztekammer und
Gebietskrankenkasse (NÖGKK) haben sich auf fünf Kassenverträge für
Kinder- und Jugendpsychiater geeinigt. Positiv reagierte der Obmann
der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, in einer Aussendung am Sonntag.
Allerdings sei zu befürchten, dass der Hauptverband der
Österreichischen Sozialversicherung (HV) auch diesen längst
überfälligen Schritt blockieren werde, so Wawrowsky. Bekanntlich
weigert sich der HV weiterhin, der ersten bundesweiten Lösung
zuzustimmen, auf die sich ÖÄK schon im September mit der
Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau (VAEB) geeinigt hat.
Hauptverband handelt unsozial
"Es ist schön, dass Gesundheitsminister Stöger die Aufstockung der
ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie in Niederösterreich einen
Meilenstein nennt. Noch schöner wäre es, wenn wir endlich den zweiten
Meilenstein setzen könnten: Die erste österreichweite kinder- und
jugendpsychiatrische Versorgung haben Ärztekammer und VAEB fixfertig
ausverhandelt - nur der Hauptverband legt sich quer. Die
Sozialversicherung verhindert, dass Kinder weniger begüterter Eltern
eine erwiesenermaßen heilsame Behandlung erhalten", erklärte
Wawrowsky. Auch aus volkswirtschaftlichen Gründen sei der Boykott
"schlicht nicht nachvollziehbar". Mit psychischen Belastungen allein
gelassene Kinder und Jugendliche seien beispielsweise stärker
drogengefährdet oder aufgrund anderer Folgeschäden oft nur schwer in
den Arbeitsmarkt einzugliedern.
Jedes zehnte Kind braucht Hilfe
Dass eine niederschwellige Versorgung sinnvoll ist, belegt auch die
Evaluierung eines fünfjährigen Pilotprojekts in Niederösterreich:
Neun von zehn Eltern geben an, dass sich der Gesundheitszustand ihrer
Kinder durch die ambulante psychiatrische Betreuung bzw. Behandlung
verbessert hat. Die meisten europäischen Länder verfügen über eine
niederschwellige flächendeckende Versorgung. In Österreich bräuchte
jedes zehnte Kind psychiatrische Hilfe, so Wawrowsky, "doch die
Gesundheitspolitik ignoriert den Leidensdruck der Betroffenen", so
der Chef der niedergelassenen Ärzte. (ar)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Andrea Riedel
Tel.: 0664/320 76 87
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