- 20.10.2011, 12:00:37
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Kosten-Nutzen-Analyse von Sanierungen
Studie zeigt Kosten-Nutzen-Relationen von Teilsanierungen und umfassenden Sanierungen in unterschiedlichen Gebäudetypologien und Bauperioden.
Wien (OTS) - Die Österreichische Energieagentur präsentierte heute
in der Wiener Wirtschaftskammer ihre aktuelle Kosten-Nutzen-Analyse
energetischer Gebäudesanierungen in Österreich.
Fazit: Teilsanierung erreichet hohe Einsparungen - an einem neuen
Heizsystem führt überwiegend kein Weg vorbei.
Bei einem Sanierungsvorhaben im Gebäudebereich ist die
Idealvorstellung die umfassende energetische Sanierung - die aber
baulich und finanziell nicht in jedem Fall realisierbar ist.
Welche Energie-Einsparungen man mit einer teilweisen Sanierung von
Gebäuden erreichen kann, ist eine zentrale Frage für Investoren und
auch für die Energiestrategie Österreich und den Klimaschutz. Die
Österreichische Energieagentur hat daher anhand von Gebäudetypologien
und verschieden weit greifenden Sanierungsmodellen Aufwand und Nutzen
der unterschiedlichen baulichen/technischen Maßnahmen analysiert.
Teilsanierungen erreichen dabei ein sehr gutes
Kosten-Nutzenverhältnis - wenn das Energiesystem auf effizientes
Niveau und adäquate Dimensionierung gebracht wird.
Auch bei umfassenden Sanierungen muss das energietechnische System
des Hauses auf jeden Fall berücksichtigt werden - ohne diese
Einbeziehung können erwartete Einsparungen nicht erzielt werden, da
sich die Heizlast um über 50 % verändern kann.
Ebenfalls ist eine Sanierung in Etappen - rund die Hälfte der
Sanierungen sind aktuell Teilsanierungen - nicht negativ zu
betrachten, vorausgesetzt, veraltete Heizungen werden dabei erneuert.
Beispiel: Ein Einfamilienhaus aus den 1980er Jahren mit einem
alten Kessel (> 20 Jahre) und großer Überdimensionierung - ohne
Erneuerung des energietechnischen Systems können nur 48 % anstelle
von 77 % der möglichen Energieeinsparung erzielt werden; eine
Teilsanierung mit Erneuerung des Energiesystems bringt in diesem Fall
bereits 44 % an Energieeinsparung.
Für die ausgewählten Sanierungsvarianten liegen die Kosten einer
umfassenden Sanierung um einen Faktor 3 - 4 Mal höher als die einer
Teilsanierung. Werden die Investitionskosten auf die
Energieeinsparungen bezogen, liegen die Kosten für Gebäude aus den
ersten beiden Bauperioden bei der Teilsanierung zwischen 10 % und 20
% niedriger als bei einer umfassenden Sanierung. In der zeitlich
jüngsten Bauperiode 3 erhöhen sich - aufgrund des bereits sehr guten
Bauzustands der Bestandsgebäude - die spezifischen Kosten für die
Energieeinsparungen beträchtlich.
Für volkswirtschaftliche Entscheidungen sind nicht nur die
Endenergieeinsparungen von Relevanz, sondern auch die
Primärenergieeinsparungen bzw. die Verringerung der CO2eq-Emissionen.
Abhängig vom Gebäudetyp in der jeweiligen Bauperiode liegen die
Kosten zwischen 100 und 750 Euro pro t CO2eq-Einsparung. Die Kosten
für Teilsanierungen sind dabei zwischen 10 % und 70 % je eingesparter
Tonne CO2eq niedriger als bei einer umfassenden Sanierung. Bei den
Einfamilienhäusern liegen die Unterschiede zugunsten der
Teilsanierung zwischen 10 % und 30 %, bei den Mehrfamilienhäusern und
mehrgeschossigen Wohnbauten an die 70 %.
Dr. Fritz Unterpertinger, Geschäftsführer der Österreichischen
Energieagentur: "Bereits Teilsanierungen können bei gleichzeitiger
Sanierung der Heizungsanlagen ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis
aufweisen. Stehen einer umfassenden Sanierung bautechnische
Hindernisse oder finanzielle Hemmnisse entgegen, sollte daher nicht
vor einer Teilsanierung zurückgeschreckt werden."
Der Altbestand an Heizungsanlagen in Österreich mit einem Alter
von 20 Jahren und älter liegt bei 31%.
Fritz Unterpertinger: "Die rund 600.000 veralteten Heizungen in
Österreich muss man als Energieschleudern bezeichnen. Eine sinnvolle
Teil- oder Vollsanierung muss die Gesamtenergieeffizienz - damit auch
die Heizung - miteinbeziehen."
Die aktuell beschlossene neue OIB Richtlinie 6 zum Energieausweis
integriert im Gegensatz zur bisherigen Rechtslage die
Gesamtenergieeffizienz und damit auch die technischen Einrichtungen
wie die Heizungsanlage.
Die Österreichische Energieagentur begrüßt diese Berücksichtigung
der Gesamtenergieeffizienz und empfiehlt eine rasche Umsetzung der
Richtlinie in den Landesgesetzgebungen.
Zusammenfassung der Empfehlungen der Österreichischen Energieagentur
aus der Studie:
- Umsetzung der neuen OIB Richtlinie 6, die am 6.10.2011 beschlossen
wurde. Damit wird sichergestellt, dass neben dem Heizwärmebedarf auch
der Endenergiebedarf und die Gesamtenergieeffizienz eines Gebäudes
berücksichtigt wird. Damit kann auch der Altbestand an nicht
effizienten Heizungssystemen in Angriff genommen werden.
- Bei einer umfassenden Sanierung sollte das energietechnische
System auf jeden Fall mitsaniert werden. Ohne Berücksichtigung des
energietechnischen Systems können erwartete Energieeinsparungen
zumeist nicht erzielt werden.
- Eine Teilsanierung, die für viele leichter finanzierbar ist,
erreicht im Vergleich zur Idealvorstellung der umfassenden Sanierung
ein sehr gutes, besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis unter der
Voraussetzung, dass das Energiesystem ebenfalls erneuert wird.
- Eine Sanierung in Etappen sollte daher nicht negativ zu betrachten
sein, sondern kann insgesamt das Sanierungsniveau im Gebäudebestand
verbessern sowie relevante Einsparungen und Emissionsreduktionen
erzielen. Vor allem im Hinblick auf den gegebenen, veralteten Bestand
von rund 600.000 Heizungsanlagen in Österreich, die älter als 20
Jahre und oftmals überdimensioniert sind.
- Aus Sicht der Energieagentur sollten die Fördersysteme diese
Zusammenhänge zukünftig mitberücksichtigen und die Aufarbeitung des
Altbestands an Heizungsanlagen im Kontext der Sanierungsentwicklung
vorantreiben.
Über die Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency:
Die Österreichische Energieagentur ist das nationale
Kompetenzzentrum für Energieeffizienz in Österreich. Sie berät auf
Basis ihrer vorwiegend wissenschaftlichen Tätigkeit
Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Ihre
Schwerpunkte liegen in der Forcierung von Energieeffizienz und
erneuerbaren Energieträgern im Spannungsfeld zwischen
Wettbewerbsfähigkeit, Klima- und Umweltschutz sowie
Versorgungssicherheit. Dazu realisiert die Österreichische
Energieagentur nationale und internationale Projekte und Programme,
führt gezielte Informations- und Öffentlichkeitsarbeit durch und
entwickelt Strategien für die nachhaltige und sichere
Energieversorgung. Die Österreichische Energieagentur setzt
klima:aktiv - die Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums -
operativ um und koordiniert die verschiedenen Maßnahmen in den
Themenbereichen Mobilität, Energiesparen, Bauen & Sanieren und
Erneuerbare Energie. Weitere Informationen für Mitglieder und
Interessenten unter www.energyagency.at.
Rückfragehinweis:
Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency
Mag. Heinrich Sigmund, MSc
Tel.: +43 (0) 1-586 15 24
E-Mail: [email protected]
Web: www.energyagency.at
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