- 12.10.2011, 14:57:09
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BIO AUSTRIA: GAP-Reformvorschläge stellen ökologische Gesamtausrichtung nicht sicher
"Produktivität und Nachhaltigkeit müssen im Interesse von Landwirtschaft und Gesellschaft endlich zusammengeführt werden", fordert Obmann Vierbauch.
Brüssel/Wien (OTS) - BIO AUSTRIA Obmann Rudi Vierbauch sieht mit
den heute in Brüssel von EU-Kommissar Ciolos vorgestellten Entwürfen
für die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik die notwendige
ökologische Gesamtausrichtung nicht gesichert. "Der heute
präsentierte Vorschlag stellt eine Fülle von Instrumenten zur
Verfügung, es bedarf allerdings dringend einer ökologischen Auslese",
appelliert Vierbauch an die Mitgliedstaaten und das Europaparlament,
die jetzt am Zug sind. Ökologische Nachhaltigkeit ist ein
festgeschriebenes Ziel, das jedoch durch fehlende durchgehende
Verankerung in allen Maßnahmen, eine Stagnation bei der
Mindestdotierung für Umwelt-Maßnahmen oder die Fortschreibung der
historischen Referenzen für Direktzahlungen konterkariert wird.
"EU-Kommissar Ciolos wird es so nicht gelingen, Produktivität und
Nachhaltigkeit auf eine Linie zu bringen", urteilt Vierbauch. "Dass
die biologische Landwirtschaft bereits in den Gesetzestexten
verankert wird, werten wir positiv als Anerkennung der vielfältigen
Leistung der Bio-Landwirtschaft für die Gesellschaft. Es wird
wesentlich von den Mitgliedstaaten abhängen, wie sie die
Landwirtschaft mit Hilfe der GAP-Instrumente formen. Österreich soll
den eingeschlagenen Weg der Ökologisierung mit Bio als Speerspitze
konsequent fortsetzen", so Vierbauch.
Sicherstellung der Lebensmittelversorgung, Schutz der natürlichen
Ressourcen und territoriale Entwicklung sind die drei erklärten Ziele
der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Um diese zu
erreichen, müssen auch alle Instrumente der GAP kohärent darauf
abgestimmt werden. In den Legislativvorschlägen der EU-Kommission
gibt es eine Reihe von Maßnahmen mit klaren Umweltzielen.
Gleichzeitig müssen viele Maßnahmen mit hoher Umweltrelevanz nicht
automatisch auf Umweltziele ausgerichtet werden. So müssen bei
Investitionsförderungen für die Modernisierung landwirtschaftlicher
Betriebe Umwelt-Aspekte nicht automatisch berücksichtigt werden. Die
Mindestdotierung von Umweltmaßnahmen ist mit 25 Prozent nur auf dem
aktuellen Niveau festgeschrieben, während mit dem Risikomanagement
ein höchst fragwürdiges Instrument eingeführt werden soll. Mit der
vorgeschlagenen Übergangsfrist der historischen Referenzen für
Direktzahlungen bis 2019 wird die 2003 eingeführte systematische
Benachteiligung ökologisch wirtschaftender Betriebe um weitere fünf
Jahre ausgedehnt. "Diese Vorgehensweise birgt die Gefahr, dass sich
Produktionsmaximierung und Ökologisierung getrennt voneinander
entwickeln. Zur Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen ist es
aber unumgänglich, dass Produktivität und ökologische Nachhaltigkeit
auf eine Linie gebracht werden. Statt Maximierung muss Optimierung
der Standard werden", so Vierbauch.
Die biologische Landwirtschaft zeichnet sich durch eine
systemische Optimierung aus in deren Zentrum die Bodenfruchtbarkeit
steht. Durch Maximierung der Gesamtleistung werden die Ziele der
Produktion gesunder Lebensmittel, die wirtschaftliche Rentabilität
und die ökologische Nachhaltigkeit gleichermaßen erfüllt und der
Gesellschaft ein breites Spektrum öffentlicher Güter zur Verfügung
gestellt.
In Zukunft sollen laut EU-Kommission landwirtschaftliche Betriebe
ökologische Auflagen einhalten, um Direktzahlungen der sogenannten
ersten Säule der GAP in voller Höhe zu erhalten. Bio-Betriebe sollen
sich dafür automatisch qualifizieren, da durch die Einhaltung der
EU-Bio-Verordnung garantiert ist, dass es sich um einen auf hohem
Niveau nachhaltig wirtschaftenden Betrieb handelt. In der Ländlichen
Entwicklung, der sogenannten zweiten Säule, soll Bio im Gegensatz zu
bisher nicht als Teil der Agrar-Umweltmaßnahmen, sondern als eigene
Maßnahme verankert werden. "BIO AUSTRIA begrüßt diese Entwicklung.
Wenngleich damit noch keine ausreichende Abgeltung der Leistungen der
Biobäuerinnen und Biobauern auf nationaler Ebene sichergestellt ist,
so ist es doch ein positives Signal an die Mitgliedstaaten, die GAP
Instrumente zum Ausbau der Bio-Landwirtschaft zu nutzen".
Mit einem Flächenanteil von fast 20% ist Österreich EU-weit
Spitzenreiter in der biologischen Landbewirtschaftung. Wesentlich zu
diesem Erfolg haben die österreichischen Programme für Ländliche
Entwicklung beigetragen. "Mit dem von der EU-Kommission
vorgeschlagenen Rechtsrahmen steht Österreich ein Fülle von
Instrumenten zur Verfügung, um diesen erfolgreichen Weg weiter zu
gehen. Wir werden uns daher dafür einsetzen, dass in Österreich das
volle Potenzial der GAP genutzt wird, um eine nachhaltige und
flächendeckende Landwirtschaft über die biologische Wirtschaftsweise
sicher zu stellen", so Vierbauch. "Diesen Weg bestätigt auch der
Europäische Rechnungshof in seinem aktuellen Bericht, in dem eine
Stärkung der Ländlichen Entwicklung gefordert und Bio als
erfolgreiche Agrar-Umweltmaßnahme bestätigt wird."
Rückfragehinweis:
Eva Straka, Pressesprecherin BIO AUSTRIA
+43/676/842 214 214
E-Mail: eva.straka@bio-austria.at
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