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"Die Presse am Sonntag" - Leitartikel: Bitte ein Generationenwechsel!, von Rainer Nowak
Ausgabe vom 09.10.2011
Wien (OTS) - In Vorarlberg tritt Herbert Sausgruber als
Landeshauptmann ab, weil er nicht mehr rund um die Uhr arbeiten kann
und will. Das verdient Anerkennung, die wir auch Häupl, Pröll und
Niessl zollen würden.
In Vorarlberg fällt ein Landeshauptmann um. Die Meldung ging auch
wegen der Berichte über Werner Faymanns Inseratengeschäfte und den
internen Meeting-Aktivitäten der Ernst-Strasser-Gardisten aus dem
Innenressort am Freitag fast unter. Herbert Sausgruber (65),
Landeshauptmann von Vorarlberg, tritt im Dezember zurück. Er hat
natürlich seine Nachfolge bereits geregelt, wie sich das in einem
Fürstentum geziemt. Bei dem ersten Abschied vor den Medien sprach er
vom Vorbild Vorarlberg. Der Mann hat recht: Wäre Österreich wie
Vorarlberg, wäre das gesamte Land konservativer und auch - die Leser
jenseits und diesseits des Arlbergs mögen verzeihen - kauziger, aber
besser organisiert, wirtschaftlich erfolgreicher, sparsamer,
aufgeräumter und möglicherweise eine Spur zufriedener.
Sausgruber, dessen Strenge und Genauigkeit auch Journalisten zu
spüren bekamen, gab einen ehrlichen und genau genommen alarmierenden
Einblick in das Politikerleben: Er habe zuletzt nicht mehr seine
volle Leistung geben können, sondern auf "nur" 50 Stunden pro Woche
zurückschrauben müssen. Es gibt wenige Berufsgruppen, die einen
derartigen Einsatz leisten müssen: Wochenenden kennen sie kaum,
Abende sind nicht für die Familie, sondern nur für mehr oder weniger
politische Veranstaltungen reserviert. Politiker der ersten Reihe mit
Erfolg bei Wahlen haben kein Privatleben.
Schon deswegen sollte man dieser Entscheidung zum Rücktritt, die zwar
in dieser Legislaturperiode erwartet, aber nun doch überraschend kam,
Tribut zollen. Vielleicht könnten auch zwei, drei andere
Landeshauptleute Sausgruber zum Vorbild nehmen, ihren Hof zügig
bestellen und den Platz ganz vorn räumen. Da wäre Wiens Michael Häupl
(62), der am Zenit steht. Die vergangenen Wahlen hat er zwar trotz
Millionenaufwand nicht gewonnen, aber dank grünen Thinktanks in der
Stadtregierung sowie dank Werner Faymann als SP-internen Vergleich
kann er entspannt abtreten. Ersteres gilt auch für Oberösterreichs
Josef Pühringer (62).
Häupl würde nicht nur einen politisch-stilistischen Neuanfang
ermöglichen, sondern sich möglicherweise einiges ersparen. Etwa
erleben zu müssen, wie das mit öffentlichen Mitteln gefütterte
Netzwerk für Geld, Jobs und verbundene mediale Publicity in der
Wiener Szene transparent gemacht wird und zerreißt. Auch sein
Amtskollege im vielleicht am meisten unterschätzten Bundesland -
manche meinen: dem Kuba Österreichs -, Hans Niessl (60), könnte sich
nach den Anstrengungen erholen. Immerhin hat er viel Geld aus Brüssel
- einen Teil haben wir zuvor dorthin überwiesen - geholt und ein
perfekt SPÖ-beherrschtes Land geführt. Dass dies die ÖVP auch kann,
vergisst man angesichts der schwarzen Regierungsmannschaft zwar
mitunter, aber Erwin Pröll (64) würde in Moskau oder etwa Texas nicht
als Bedenkenträger auffallen.
Wenn sie alle ihre Jobs beenden, könnte in die Bundespolitik Bewegung
kommen. Oder die Herren übernehmen endlich selbst die Geschäfte auf
dem Ballhausplatz. Und schaffen sofort einmal die sinnlose
Hackler-Pensionsregelung - 45 Jahre sind genug - ab.
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