- 02.10.2011, 16:54:11
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"Die Presse" Leitartikel: 21 Universitäten sind zu viel, von Christoph Schwarz
Ausgabe vom 03.10.2011
Wien (OTS/Die Presse) - Hochschulpolitiker und Rektoren haben
viele Ideen, wie der Uni-Sektor effizienter gestaltet werden kann.
Jetzt muss sich nur noch jemand trauen, sie umzusetzen.
Jetzt also die Med-Uni Innsbruck: Wie andere kleine Hochschulen vor
ihr ist nun auch sie Teil der aufkeimenden Debatte um einen
schlankeren und effizienteren Uni-Sektor geworden. Der konkrete
Vorschlag: die Fusion (genauer: die Wiederzusammenführung) mit der
Universität Innsbruck, von der sich die Tiroler Med-Uni erst vor acht
Jahren als eigenständige Hochschule abgespaltet hat.
Die Med-Uni ist damit in bester Gesellschaft. Denn die Liste der
kolportierten Kandidaten für Uni-Fusionen ist lang. Sie reicht von
den (tendenziell kleinen) Kunst-Unis, derer es in Wien gleich drei
gibt, bis zur Veterinärmedizinischen Universität, die so mancher gern
unter einem Dach mit der Universität für Bodenkultur sähe. Auch der
Wortmeldungen gibt und gab es viele: so etwa jene des scheidenden
Rektorenchefs Hans Sünkel, der die Debatte im "Presse"-Interview im
Vorjahr ("21 Unis in einem so kleinen Land, das ist verdammt viel")
überhaupt erst anstieß. Viele Rektorenkollegen taten es ihm seither
gleich - wie auch so mancher Politiker. Zuletzt war es
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, der bekundete, den Unis
diesbezüglich keine Steine in den Weg legen zu wollen.
Diskussionswürdig wäre die Idee, den stark fragmentierten
Hochschulsektor administrativ zu verschlanken, jedenfalls. Und zwar
nicht nur aus Kostengründen. Vielmehr geht es darum, die Unis fit für
den internationalen Standortwettbewerb zu machen, in dem immer
stärker auch die "kritische Masse" zählt, um überhaupt noch
wahrgenommen zu werden. Kooperationen und Partnerschaften, wie sie
manche heimische Unis bereits eingegangen sind, können ein erster
Schritt sein. Mehr aber nicht. Dass Uni-Fusionen funktionieren
können, zeigt nicht zuletzt der Blick ins europäische Ausland.
Und dennoch. Passiert ist in Österreich trotz vieler Worte bisher
nichts. Warum, ist leider relativ leicht zu beantworten. Denn in der
Debatte ist ein einfaches, immer wiederkehrendes Muster zu erkennen:
Sooft Uni-Rektoren vom Ende von Studienrichtungen oder ganzen Unis
sprechen, meinen sie konsequenterweise nie die eigene Institution.
Einfacher ist es, den Kollegen (gern via Medien) auszurichten, was
(am besten in einer anderen Stadt) nicht mehr benötigt werde. Auch
echte Konzepte, wie eine Fusion inhaltlich ausgestaltet sein könnte,
scheint niemand zu haben. Die meisten Vorschläge klingen eher wie
bloße Drohgebärden im Budgetstreit mit der Politik.
Die Politiker wiederum, die sich des Themas annehmen, argumentieren -
zumindest bei genauerem Hinsehen - ganz ähnlich: Man befürworte zwar
Fusionen, "oktroyieren" wolle man den Unis aber nichts, so die
Sprachregelung. Schließlich seien die Universitäten autonom. Der
Hinweis auf die Autonomie ist zwar in der Sache richtig, aber dennoch
scheinheilig. Ist er aus dem Mund heimischer Politiker (Uni-Minister
Karlheinz Töchterle, immerhin Exrektor, vielleicht ausgenommen) doch
meist nur zu vernehmen, wenn es gilt, unangenehme Entscheidungen
abzuschieben.
Der gemeinsame Nenner: Niemand will die Verantwortung übernehmen. Der
Grund dafür: Die Fusion von Hochschulen wäre im Kern nichts anderes
als eine Verwaltungsreform. Und an eine solche traut sich in
Österreich - siehe Schulverwaltung - schon per se niemand heran.
Immerhin brächte die Reform neben finanziellen Einsparungen auch
schmerzhafte Einschnitte, Kürzungen und Umstellungen mit sich. Und
das führt zu Widerständen, die man sich lieber erspart.
Und dennoch - die Zeit ist reif für Restrukturierungen. Nicht zuletzt
arbeitet Töchterle gerade jetzt an jenem "Hochschulplan", der die
Profile und das Wirken der einzelnen Institutionen besser abstimmen
soll. Gefordert ist aber - im Sinne der wertvollen Autonomie - nicht
der Minister allein. Sondern die neue "Hochschulkonferenz", deren
Gründung er erst in der Vorwoche fixiert hat. Darin sitzen Vertreter
von Universitäten, FH und Ministerium - alle relevanten Akteure sind
damit vertreten. Sie täten nun gut daran, nicht die übliche
Arbeitskreismentalität an den Tag zu legen und Konzepte für den
Papierkorb zu produzieren, sondern endlich mit mutigen und
umsetzbaren Konzepten aufzuzeigen.
Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
mailto:[email protected]
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