Wawrowsky: Wer ELGA so umsetzt, nimmt Datenklau in Kauf

Ärztekammer fordert Abwägung von Risiko, Kosten und Nutzen - Freiwilligkeit wichtig

Wien (OTS) - Der jüngste Datenskandal rund um die Tiroler Gebietskrankenkasse ist für den Bundesobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Günther Wawrowsky, ein klares Indiz für die Missbrauchsanfälligkeit zentral gespeicherter Daten. "Wo Daten gehäuft werden, dort werden sie auch gestohlen und missbräuchlich verwendet. Das sagt uns der Hausverstand", erläuterte Wawrowsky Sonntag in einer Aussendung.

Als Konsequenz fordert er eine "objektive und seriöse Abwägung von Kosten, Nutzen und Gefahren des geplanten elektronischen Gesundheitsaktes". Wolle sich die Gesellschaft nach einem eingehenden Diskussionsprozess "das Projekt trotz bestehender Risken antun", so müsste die Teilnahme jedenfalls für alle freiwillig sein.

Wawrowsky kritisierte den in Österreich eingeschlagenen Weg der Entscheidungsfindung bei ELGA: "Es ist mir unverständlich, wieso solche Monsterprojekte nicht wie in anderen Ländern auf breiter, gesellschaftlicher Ebene diskutiert werden." Ähnliche öffentliche Vorhaben würden "in aller Welt" einer eingehenden Kosten-Nutzenanalyse unter Berücksichtigung aller möglichen Risken unterzogen. "Bei ELGA vermisse ich diese - ergebnisoffene - Sorgfalt der zuständigen Ministerien und öffentlichen Stellen einschließlich der Sozialversicherungen."

Man müsse sich bei Projekten wie ELGA bewusst sein, dass die Expertise, die zum Missbrauch führen könne, der Entwicklung im Bereich der Datensicherheit "immer einen Schritt voraus sein wird". Wer Realitätssinn und Ehrlichkeit habe, werde dies auch eingestehen und bei der Planung mit berücksichtigen, so der Bundeschef der niedergelassenen Ärzte. Für Wawrowsky bleibe daher die vitale Frage, "inwieweit man schwerwiegende Datenschutzprobleme in Kauf nehmen will, wenn der Nutzen von ELGA für Patienten gering ist. Und es muss uns bewusst sein, dass gleichzeitig die ärztliche Verschwiegenheitspflicht aufgebrochen wird", sagte der Bundesobmann abschließend. (ms)

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