- 30.09.2011, 09:58:41
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Ein Jahr Rotschlamm-Katastrophe: WWF warnt vor tickenden Zeitbomben
WWF fordert Aktionsplan für Sicherheit in Osteuropa
Wien/Budapest (OTS) - Ein Jahr nach der Rotschlammkatastrophe in
Ungarn hat sich nur wenig getan um weitere Katastrophen zu
verhindern, warnt die Umweltorganisation WWF. "Ungarn hat die
EU-Präsidentschaft ungenützt verstreichen lassen, um weitere tickende
Giftbomben in Osteuropa zu entschärfen", kritisiert Gábor Figeczky,
Geschäftsführer des WWF Ungarn. Der WWF rief die Europäische
Kommission auf einen Aktionsplan zur effektiven Umsetzung der
Europäischen Bergbaurichtlinie einzurichten. "Die EU-Richtlinie, die
2006 eingeführt wurde, ist prinzipiell sehr gut, aber sie muss jetzt
endlich konsequent und umfassend in den Ländern umgesetzt werden", so
Figeczky. "Alle Übergangsfristen für die Umsetzung der Richtlinie
sind bis Ende diesen Jahres verstrichen und die osteuropäischen
Regierungen haben keine Zeit mehr dies länger hinaus zu zögern." "Die
EU-Steuerzahler dürfen am Schluss nicht für die Fehler der Behörden
und der Bergbau-Unternehmen die Zeche bezahlen, wenn solche
Katastrophen wie in Ajka passieren", so Andreas Beckmann vom
WWF-Donau-Karpaten-Programm. Der WWF flog aus aktuellem Anlass über
das damalige Katastrophengebiet und dokumentierte den heutigen
Zustand mit Fotos und Videoaufnahmen aus der Luft. Dort sind die
Ausmaße der Katastrophe noch heute deutlich zu erkennen.
Der WWF weist besonders darauf hin, dass bis heute kein
verpflichtendes Versicherungssystem für ähnliche Giftmülldeponien aus
dem Bergbau eingeführt wurde. Auch fehlt bis heute ein ausreichendes
Kontrollsystem ähnlicher Dämme und Anlagen in ganz Osteuropa. "Ein
Jahr nach der Katastrophe in Ungarn und zehn Jahre nach dem Unfällen
in den rumänischen Orten Baia Mare und Baia Borsa wissen wir heute
noch immer nicht lückenlos, wie viele giftige Zeitbomben in Osteuropa
noch ticken", warnt Beckmann. Ein Teil der kürzlich Mitte September
2011 von der ungarischen Regierung gegenüber dem ungarischen
Aluminiumwerk MAL verhängten Strafe in Höhe von 470 Millionen Euro
sollte neben der Beseitigung der Schäden und der Kompensation der
Bevölkerung des Rotschlamms auch für die Erfassung dieser weiteren
Zeitbomben in Ungarn investiert werden. Die Regierung versprach zwar
eine entsprechende Untersuchung durchzuführen, aber es ist völlig
unklar, wann die Studie veröffentlicht wird. "Die ungarische
Bevölkerung hat ein Recht darauf zu wissen, mit welchen Risiken sie
aus dem Bergbau und seinen Altlasten weiterhin zu rechnen haben", so
Figeczky.
Der WWF schlägt einen Aktionsplan vor, der die Risikoplätze nicht nur
in Ungarn und den restlichen EU-Mitgliedstaaten in Osteuropa unter
die Lupe nimmt sondern auch in den Nachbarländern wie Kroatien,
Serbien, Moldawien und der Ukraine. Der Plan soll die Risiken für
Menschen und Umwelt von allen Bergbau-Lagerstätten genau untersuchen
und verbindliche Empfehlungen aussprechen und mit den Regierungen
vereinbaren, wie die Risiken beseitigt werden können. Dabei sollen
Giftstoffe, Schwermetalle und alle gefährlichen Substanzen lückenlos
erfasst werden. Auch sollen die aktuell gültigen nationalen
Gesetzgebungen nach eventuellen Lücken überprüft werden. Ein
eindeutiger Rechtsrahmen muss für die Umsetzung der EU
Bergbau-Richtlinie geschaffen werden und vor allem muss klar sein,
wer bei Unfällen und Katastrophen die Verantwortung übernimmt. Die EU
hat dafür ebenfalls bereits vor Jahren eindeutige rechtliche Vorgaben
gemacht.
Am 4. Oktober 2010 floss mehr als eine Million Kubikmeter Rotschlamm
aus einem gebrochenen Damm einer Aluminiumfabrik im westungarischen
Ajka. Die stark alkalischen und giftigen Fluten strömten durch die
Orte Kolontár, Devecser und Somlóvásárhely und dann über die Bäche
und Flüsse Torna, Marcal und die unter Naturschutz stehende Raba
schließlich in die Donau. Zehn Menschen starben und 150 Menschen
wurden damals verletzt. Das Unglück zerstörte mehrere Ortschaften und
verseuchte die Zuflüsse der Donau. Boden, Flüsse und Pflanzen sind
bis heute mit Schwermetallen aus dem Rotschlamm kontaminiert.
Aktuelle Fotos des Katastrophengebietes in Ungarn auf
www.wwf.at/presse. Aktuelles Filmmaterial auf Anfrage.
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri, Pressesprecher WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, E-Mail: [email protected].
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