- 25.09.2011, 22:11:54
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Papst Benedikt spaltet mehr als er eint
Wenn es um die Bewahrung der Institution katholische Kirche geht, wurde dessen Oberhaupt in den vergangenen Tagen sehr deutlich.
Innsbruck (OTS/Tiroler Tageszeitung) - Von Gabriele Starck
Die Erwartungen in den Pontifex bayerischer Abstammung anlässlich
seines viertägigen Besuchs in Deutschland waren groß. Erfüllt hat sie
Benedikt XVI. nicht. Der Papst machte mehr als deutlich, dass es
alles andere als seine Aufgabe ist, die Hoffnungen von irgendjemandem
zu erfüllen - weder die der Gegner noch die der Gläubigen.
Seine Rede im Bundestag eignete sich nicht dazu, die Zuhörer zu
erregen und war somit nicht angreifbar. Dementgegen glichen seine
Botschaften an die Gläubigen, die von ihm Reformsignale erhofft
hatten, eher Ohrfeigen. Deutliche Absagen in Verbindung mit
Maßregelungen waren es allemal.
Und so ist die Enttäuschung der Protestanten über das harsche Nein zu
einer Annäherung der Konfessionen, die Enttäuschung der
Missbrauchsopfer über die lauen Worte des Bedauerns und die
Enttäuschung der Reformwilligen über den diesbezüglichen päpstlichen
Unwillen ebenso groß wie die Begeisterung der rund 300.000 Teilnehmer
an den Messen in Berlin, Erfurt und Freiburg.
Benedikt XVI. mahnte zu Gehorsam und Rom-Treue und machte deutlich:
Eine Modernisierung der Kirche kommt für ihn nicht in Frage - im
Gegenteil. Die Kirche müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen.
Klar wurde damit auch: Selbst eine Abkehr kritischer Stimmen von der
katholischen Kirche, eine Abspaltung würde Benedikt nicht erschüttern
- und wie er meint, schon gar nicht die Kirche selbst.
Zum Abschied rief der Papst einmal mehr dazu auf, zum "wesentlichen
Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren". Dagegen kann kein
Katholik sein. Doch ist es Kern der Frohbotschaft Christi, Frauen von
maßgeblichen kirchlichen Ämtern auszuschließen, das Fest der
Eucharistie nur im engsten Kreise feiern zu dürfen oder Priestern die
Heirat zu verwehren? Gewiss nicht.
Wenn der Papst den reinen Glauben einmahnt, seine Rettung aber
vorrangig in der Bewahrung verkrusteter Kirchenstrukturen sieht, ist
die Enttäuschung über seinen Besuch berechtigt. Nicht der Glaube
steckt in einer Krise, sondern die Institution Kirche. Und Kritik an
dieser heißt nicht, seinen Glauben an die Frohbotschaft zu verraten.
Die Worte des Papstes haben daher einer drohenden Kirchenspaltung
eher den Boden bereitet, als ihn ihr zu entziehen.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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