Papst Benedikt spaltet mehr als er eint

Wenn es um die Bewahrung der Institution katholische Kirche geht, wurde dessen Oberhaupt in den vergangenen Tagen sehr deutlich.

Innsbruck (OTS/Tiroler Tageszeitung) - Von Gabriele Starck
Die Erwartungen in den Pontifex bayerischer Abstammung anlässlich seines viertägigen Besuchs in Deutschland waren groß. Erfüllt hat sie Benedikt XVI. nicht. Der Papst machte mehr als deutlich, dass es alles andere als seine Aufgabe ist, die Hoffnungen von irgendjemandem zu erfüllen - weder die der Gegner noch die der Gläubigen.
Seine Rede im Bundestag eignete sich nicht dazu, die Zuhörer zu erregen und war somit nicht angreifbar. Dementgegen glichen seine Botschaften an die Gläubigen, die von ihm Reformsignale erhofft hatten, eher Ohrfeigen. Deutliche Absagen in Verbindung mit Maßregelungen waren es allemal.
Und so ist die Enttäuschung der Protestanten über das harsche Nein zu einer Annäherung der Konfessionen, die Enttäuschung der Missbrauchsopfer über die lauen Worte des Bedauerns und die Enttäuschung der Reformwilligen über den diesbezüglichen päpstlichen Unwillen ebenso groß wie die Begeisterung der rund 300.000 Teilnehmer an den Messen in Berlin, Erfurt und Freiburg.
Benedikt XVI. mahnte zu Gehorsam und Rom-Treue und machte deutlich:
Eine Modernisierung der Kirche kommt für ihn nicht in Frage - im Gegenteil. Die Kirche müsse mehr auf Distanz zur Gesellschaft gehen. Klar wurde damit auch: Selbst eine Abkehr kritischer Stimmen von der katholischen Kirche, eine Abspaltung würde Benedikt nicht erschüttern - und wie er meint, schon gar nicht die Kirche selbst.
Zum Abschied rief der Papst einmal mehr dazu auf, zum "wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren". Dagegen kann kein Katholik sein. Doch ist es Kern der Frohbotschaft Christi, Frauen von maßgeblichen kirchlichen Ämtern auszuschließen, das Fest der Eucharistie nur im engsten Kreise feiern zu dürfen oder Priestern die Heirat zu verwehren? Gewiss nicht.
Wenn der Papst den reinen Glauben einmahnt, seine Rettung aber vorrangig in der Bewahrung verkrusteter Kirchenstrukturen sieht, ist die Enttäuschung über seinen Besuch berechtigt. Nicht der Glaube steckt in einer Krise, sondern die Institution Kirche. Und Kritik an dieser heißt nicht, seinen Glauben an die Frohbotschaft zu verraten. Die Worte des Papstes haben daher einer drohenden Kirchenspaltung eher den Boden bereitet, als ihn ihr zu entziehen.

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