- 23.09.2011, 09:17:17
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Die Welt am Ende: 27. September ist Overshoot Day
Öko-Schuldenkrise: Das Jahresbudget der Natur ist für heuer aufgebraucht
Wien. (OTS) - Heuer fällt der Welterschöpfungstag ("Global
Overshoot Day") auf Dienstag, den 27. September. Ab diesem Zeitpunkt
hat die Menschheit alle Ressourcen beansprucht, die für dieses Jahr
zur Verfügung stehen, wenn wir nachhaltig gewirtschaftet hätten.
"Nicht nur die Banken und Staaten befinden sich in einer
Schuldenkrise sondern auch die Menschheit als Ganzes hat ein
Schuldenproblem. Wir nehmen uns zu viel von der Natur und können
nicht zurückzahlen", warnen die Umweltorganisationen WWF, GLOBAL 2000
und Greenpeace.
Diese Warnung kommt von Wissenschaftlern des Global Footprint
Network, an dem auch der WWF und die Plattform Footprint beteiligt
sind. Für die Berechnungen wird die auf der Erde verfügbare
Biokapazität - das "Einkommen" aus natürlichen Ressourcen, die sich
jedes Jahr erneuern - mit dem ökologischen Fußabdruck, den "Ausgaben"
verglichen. Der ökologische Fußabdruck (Footprint) entspricht dem
Bedarf an natürlichen Ressourcen, die wir für unseren Lebensstil, für
die Produktion von Nahrung, Gütern und für den Ausgleich der
CO2-Emissionen beanspruchen.
Die Berechnungen zeigen, dass die CO2 Emissionen aus der Verbrennung
fossiler Energieträger bereits mehr als 50 Prozent zum globalen
Fußabdruck beitragen. Seit 1970 hat sich der Anteil des
Kohlenstoff-Fußabdrucks damit mehr als verdreifacht und ist das am
stärksten steigende Segment des globalen Fußabdrucks. Das von der
Wissenschaft geforderte und von der EU angestrebte Ziel von minus 80
bis 95 Prozent CO2 bis zum Jahr 2050 ist auch für die Reduktion des
Overshoots ein zentrales Element.
"Den Rest des Jahres werden wir heuer von der Substanz zehren und
weiter CO2 in der Atmosphäre anreichern. Das ist etwa so, als ob wir
unser Jahreseinkommen schon Ende September ausgegeben hätten und nur
mehr von den Ersparnissen leben, die unweigerlich zu Ende gehen!"
erklärt Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Networks.
"Im Raumschiff Erde ist nicht nur die Atmosphäre begrenzt", warnt
Lisa Kernegger von GLOBAL 2000. "Auch fruchtbarer Boden und
Wasserflächen sind endlich und bereits äußerst knapp und der
Footprint nimmt weiter zu!" Eine Trendwende wäre zwar längst möglich,
ist aber noch nicht in Sicht. Trotz wirtschaftlicher Stagnation in
den OECD-Staaten stieg der globale Ressourcenbedarf auch seit Oktober
2008 weiter an, wenn auch weniger stark als in dem Jahrzehnt davor.
In diesen Tagen wird der siebenmilliardste Erdenbürger das Licht der
Welt erblicken. "Mit der steigenden Weltbevölkerung steigt auch der
Energiehunger. Eine zentrale Anforderung für die Zukunft wird sein,
das gerecht zu verteilen, was der Planet Erde dauerhaft zu bieten
hat. Denn derzeit konsumiert ein Viertel der Weltbevölkerung drei
Viertel der Ressourcen", kritisiert Steffen Nichtenberger von
Greenpeace.
"Steigende Preise für Rohstoffe und vor allem Lebensmittel, dazu
geplünderte Meere und schwindende Wälder machen die Versorgung von
sieben Milliarden Menschen schwierig. Eine Erholung von den Finanz-
und Wirtschaftskrisen steht aber mit einer neuen verträglicheren
Lebensweise keineswegs im Widerspruch. "Wir brauchen den Abbau der
ökologischen Überschuldung - durch systematische Reduktion des
Ressourcenbedarfs unseres Wirtschaftens", fordert Franko Petri vom
WWF.
"Seit den 70er Jahren haben die ökologischen Beanspruchungen die
`ökologischen Einnahmen` jedes Jahr überstiegen. Heute verzeichnen
wir global etwa 40 Prozent ökologisches Defizit. Der österreichische
Overshoot wurde gar schon am 18. Mai erreicht", warnt Wolfgang Pekny
von der Plattform Footprint, "Wir leben über die Verhältnisse - nur
mehr auf Öko-Pump - und dabei längst gar nicht mehr so gut. Diese Art
der Verschuldung ist gefährlicher als jene von Firmen oder Staaten.
Schließlich möchte sich niemand den Bankrott der Natur ausmalen. Mit
einer grundsätzlich geänderten Lebensführung ist diese Schuldenkrise
leicht zu beheben -mehr Zeit nehmen, mehr Freunde, mehr Spaß, mehr
vom eigentlichen Leben - und das mit kleinerem Footprint."
Mehr Details und Hintergrund zu den Berechnungen unter
www.footprint.at/overshoot2011.html.
Factsheet mit einem Österreich-Vergleich zum Download auf
www.wwf.at/presse.
Rückfragehinweis:
Wolfgang Pekny, Plattform Footprint, Tel. 0664-1210761, [email protected].
Franko Petri, WWF, Tel. 01-48817-231 oder 0676-83488231, [email protected].
Simonne Baur, GLOBAL 2000, Tel. 0699-14200023, [email protected].
Melanie Beran, Greenpeace, Tel. 0664-6126718, [email protected].
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