Zu wenig Bewegung bringt Generation von chronisch Kranken

Ärztepräsident Dorner fordert Ganztagsschule mit Turnschwerpunkt - gesellschaftliches Problem

Wien (OTS) - Mit zwölf Jahren erreichen sie den Gipfel ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit. Dann geht es bergab. Bei Burschen stagniert die Fitness danach auf niedrigem Niveau, bei Mädchen sinkt sie sogar mit Einsetzen der Pubertät. Österreichs Jugendliche sind auf dem besten Weg, zu einer Generation von chronisch Kranken zu werden. Dies ist das Ergebnis einer in der Österreichischen Ärztezeitung vorgestellten Studie der Universität Salzburg und des Unterrichtsministeriums.

Vor diesem Hintergrund fordert der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner, eine rasche Umsetzung der Ganztagsschule mit doppelt so vielen Turnstunden sowie verpflichtender Ernährungs- und Gesundheitslehre. "Die Politik muss sofort handeln. Wie viele alarmierende Studien braucht es noch, damit sich Unterrichts- und Gesundheitsministerium endlich auf konkrete Maßnahmen einigen?", sagte der Ärztechef am Freitag in einer Aussendung.

Für Ärztepräsident Dorner ist der körperliche Zustand des österreichischen Nachwuchses ein alarmierendes Problem, mit dem sich die gesamte Gesellschaft befassen müsse. Eltern, Kindergärten, Schulen, Gebietskörperschaften, Medien seien aufgefordert, an einem umfassenden Programm zur "Remobilisation" der Kinder und Jugendlichen mitzuwirken. Dorner regt an: "Wenn die Kinder schon stundenlang fernsehen oder im Internet surfen, muss man sie auch dort abholen. Kindersendungen und Computerspiele sollten durch regelmäßige Inserts unterbrochen werden, die zum Mitturnen einladen."

Kinder werden früher sterben als Eltern

Die Studie "Klug & Fit" testete 67.000 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 15 Jahren auf jene motorischen Fähigkeiten, die in direktem Zusammenhang mit der Gesundheit stehen: Kraft (Knochen, Rückenbeschwerden), Koordinationsfähigkeit (Sturzprophylaxe) und Ausdauer (Herz-Kreislauf). Im Vergleich mit Referenzdaten aus den 1980er-Jahren habe sich die körperliche Leistungsfähigkeit "in sehr kurzer Zeit dramatisch verschlechtert". Chronische Erkrankungen wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose, aber auch psychische Leiden würden das weitere Leben der heute Jungen prägen, erklärt Studienleiter Univ.-Prof. Erich Müller vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg. "Es gibt Untersuchungen, denen zufolge diese Generation die erste sein wird, die durchschnittlich früher sterben wird als ihre Eltern", warnt der Experte.

Freude an Bewegung - mehr Lernerfolg

Weiteres Ergebnis der neuen Studie: Bewegung steigert die Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung sowie die Fähigkeit, sich rasch auf neue Anforderungen einzustellen. Schon 30 Minuten Bewegung in der Früh führten laut Sportmediziner Müller zu besseren Lernerfolgen - allerdings nur, wenn sich die Kinder gern und freiwillig bewegten. (ar/ms)

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