- 20.09.2011, 09:00:32
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Lohnstückkostenposition 2010 konjunkturbedingt verbessert
Wien (OTS/WIFO) - Die relative Lohnstückkostenposition gegenüber
den Handelspartnern ist ein wichtiger Indikator für die
internationale Wettbewerbsfähigkeit der Sachgütererzeugung. Nach dem
konjunkturbedingten Anstieg im Zuge der Finanzmarkt- und
Wirtschaftskrise verringerten sich die Lohnstückkosten 2010 gegenüber
2009 in Österreich wieder (-5,5%). Damit verbesserte sich die
relative Lohnstückkostenposition gegenüber allen Handelspartnern
(-0,7%). Gegenüber den EU-Handelspartnern (+0,4%) und Deutschland
(+2,6%) ergab sich aber eine kleine Verschlechterung.
Lohnstückkosten sind eine wichtige Determinante für die preisliche
Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft. Die Gegenüberstellung von
Produktivität und Lohnkosten bildet indirekt auch qualitative
Wettbewerbsfaktoren wie etwa die Innovationsfähigkeit ab. In den
letzten Jahren war die relative Lohnstückkostenposition Österreichs
gegenüber den Handelspartnern aber weniger durch Strukturfaktoren (z.
B. Spezialisierungsmuster und Innovationsfähigkeit), sondern vor
allem durch den Konjunktureinbruch infolge der Finanzmarkt- und
Wirtschaftskrise bestimmt. Darunter litt insbesondere die
Produktivität (2009 -10,1% gegenüber dem Vorjahr), weil die
Unternehmen in der Sachgütererzeugung ihren Personalstand nicht
vollständig an den Absatzrückgang anpassten. Im Zuge der
Konjunkturerholung nahm die Produktivität 2010 wieder deutlich zu,
und die Lohnstückkosten sanken.
In Österreich waren die Lohnstückkosten der Sachgütererzeugung
2010 um 5,5% niedriger als im Vorjahr. In Deutschland und den
EU-Handelspartnern verlief die Entwicklung ähnlich. Allein in
Griechenland (+11,4%), Kanada (+19,1%), Norwegen (+8,2%), den USA
(+0,8%), Großbritannien (+3,9%) und Japan (+1,1%) stiegen die
Lohnstückkosten 2010. Den höchsten Rückgang verzeichneten Estland
(-18,5%), Irland (-14,1%), Lettland (-12,7%) und Luxemburg (-11,0%).
Für Österreich ergab sich 2010 insgesamt eine Verbesserung der
relativen Lohnstückkostenposition gegenüber allen Handelspartnern um
0,7%, während sich die Position gegenüber den EU-Handelspartnern
(+0,4%) und Deutschland (+2,6%) leicht verschlechterte.
Aufgrund der unterschiedlichen Lohnentwicklung und
wirtschaftspolitischer Maßnahmen gibt der kurzfristige Verlauf der
Lohnstückkosten allerdings nur wenig Anhaltspunkte für die
Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit. Langfristige Vergleiche sind
aussagekräftiger. Im Zeitraum 2005 bis 2010 verbesserte sich die
österreichische Lohnstückkostenposition, weil die Produktivität
schneller stieg als die Arbeitskosten. Die Lohnstückkosten nahmen in
der österreichischen Sachgütererzeugung jährlich um 0,5% zu, während
Deutschland (+1,6%) und die EU-Handelspartner (+1,2%) höhere
Steigerungsraten aufwiesen. Die Wettbewerbsfähigkeit der
österreichischen Sachgütererzeugung verbesserte sich dadurch
beträchtlich. Die relativen Lohnstückkosten sanken im Zeitraum
2005/2010 sowohl gegenüber den EU-Handelspartnern (durchschnittlich
jährlich -0,8%) als auch gegenüber Deutschland merklich (-1,1%).
Anhand der Lohnstückkosten kann auch die langfristige Entwicklung
der Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften des Euro-Raumes
nachgezeichnet werden. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede:
Zwischen 2000 und 2010 gingen die Lohnstückkosten der
Sachgütererzeugung in Irland und Finnland zurück, in Deutschland,
Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Belgien war ein mäßiger
Anstieg zu verzeichnen. Hingegen stiegen die Lohnstückkosten der
Sachgütererzeugung in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal
deutlich. Diese Entwicklung brachte eine drastische Verschiebung der
Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Euro-Ländern mit sich. In einem
gemeinsamen Währungsraum fällt der Ausgleichsmechanismus über die
Änderung der Wechselkurse weg. Die unterschiedliche Entwicklung der
Lohnstückkosten kann daher nicht durch Wechselkursanpassungen
ausgeglichen werden, sondern muss über relative
Produktivitätssteigerungen oder Lohnanpassungen kompensiert werden.
Die Verschiebung der Wettbewerbsfähigkeit erzeugt Wachstums- und
Leistungsbilanzungleichgewichte, welche nicht nur negative Wirkungen
auf die Konjunktur haben, sondern auch die Währungsunion als solche
destabilisieren können.
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht
9/2011 ( http://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/42533 ).
Rückfragehinweis:
Dr. Stefan Ederer, Dr. Werner Hölzl
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-464 bzw. 472 * Fax. +43 1 798 93 86
[email protected], [email protected]
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