- 13.09.2011, 15:19:39
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Welt-Alzheimer-Bericht: Ärztekammer warnt vor drohender Kostenexplosion
Mehr Verständnis für die Belastungen von betroffenen Familien eingemahnt - Initiative "Pflegende Angehörige" geplant
Wien (OTS) - Anlässlich des heute, Dienstag, veröffentlichten
Welt-Alzheimer-Berichts 2011 warnt die Ärztekammer vor einer
Betreuungs- und Kostenlawine auch in Österreich. Derzeit leiden in
etwa 100.000 Österreicher an einer demenziellen Erkrankung. Aufgrund
der demografischen Entwicklung wird diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf
etwa 230.000 Personen angestiegen sein. ****
Bereits jetzt würde in Österreich jährlich etwa eine Milliarde
Euro für die Versorgung demenzkranker Patienten ausgegeben, betonte
der Referent für Ethik und Palliativmedizin der Ärztekammer für Wien,
Michael Peintinger. Aufgrund der prognostizierten Inzidenz- sowie
Prävalenzzahlen sei aber zu befürchten, dass die für die Behandlung
und Betreuung dementer Patienten aufzuwendenden Kosten in den
nächsten Jahren und Jahrzehnten "geradezu explodieren" könnten.
Auch gäbe es in Österreich eine hohe Dunkelziffer sowie
Versäumnisse, denn: "Nicht nur die naturwissenschaftliche Diagnose
kommt oft zu spät, auch die Vorkehrungen, wenn man sich in das
Unvermeidliche schicken muss, werden häufig zu spät in Angriff
genommen", kritisiert der Medizinethiker.
Peintinger verweist in diesem Zusammenhang insbesondere auf die
rechtzeitige Beschäftigung mit der Patientenverfügung sowie
Vorsorgevollmachten: "Nur eine vertrauensvolle und vor allem
frühzeitige Kommunikation innerhalb der Familie, im Idealfall mit
Begleitung durch den betreuenden Arzt, können dazu führen, dass die
Selbstbestimmung von Patienten und insbesondere allfällige
Behandlungsablehnungen im therapeutischen Prozess besser
berücksichtigt werden."
Utl.: Schilderungen von Angehörigen ernst nehmen
Derzeit plant Peintinger eine Initiative "Pflegende Angehörige".
In Anlehnung an eine Initiative von Ärztinnen und Ärzten in
Deutschland soll dabei pflegenden Angehörigen in Wien von ihren
begleitenden und betreuenden Ärztinnen und Ärzten eine sogenannte
Notfallskarte ausgestellt werden. Diese Karte weist daraufhin, dass
die Personen Angehörige pflegen und daher möglichst schnell behandelt
werden sollten.
Peintinger hofft, dass sich in einem ersten Schritt alle Wiener
Ärztinnen und Ärzte bereit erklären, Patienten, die mit dieser
Notfallskarte ihre Ordinationen aufsuchen, bevorzugt zu behandeln und
ihnen gegebenenfalls über die konkrete Leistung hinaus Hilfe
anzubieten.
Pflegende Angehörige sind einer Vielzahl von Belastungen
ausgesetzt. Peintinger: "Sie leisten, neben ihrem keinesfalls hoch
genug zu bewertenden Dienst an ihren kranken Familienmitgliedern,
auch einen unschätzbaren Dienst für die Gesellschaft, den diese
aufgrund mangelnder personeller und finanzieller Ressourcen niemals
zu leisten imstande wäre." Seiner Meinung nach mangle es in der
Gesellschaft nach wie vor zum Teil an der Wertschätzung für die
Arbeit, die betreuende Familienmitglieder täglich erledigten.
Und er nimmt auch die Ärzteschaft nicht ganz aus der Pflicht: "Wir
Ärztinnen und Ärzte müssen zukünftig noch mehr Sensibilität für
Schilderungen von Angehörigen aufbringen, die oft sehr verschämt von
ersten kleinen 'Auffälligkeiten' berichten." Nur wenn der Arzt
frühzeitige Gespräche in der von ihm betreuten Familie initiiere,
könnten die oft auch bestehende "unheilsame Sprachlosigkeit"
innerhalb der Familie ("Tabuisierung") aufgebrochen und der Stress
für alle Beteiligte vermindert werden. (hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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