- 13.09.2011, 13:00:38
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Lebenshilfe: EU-Fachtagung fordert zum Umdenken in der Behindertenbegleitung auf
Experten aus Großbritannien präsentieren individuelle Hilfestellung für Menschen mit Behinderungen
Wien (OTS) - An die 100 Teilnehmer folgten heute der Einladung der
Lebenshilfe Österreich zur Abschlusstagung des EU-Projekts "Neue Wege
zur Inklusion" in das Raiffeisen-Forum in Wien. Experten aus
Großbritannien präsentierten das Konzept der "Persönlichen
Zukunftsplanung", das die Behindertenbegleitung zu einem radikalen
Umdenkprozess auffordert. Anders als bei konventionellen
Unterstützungsformen übernimmt hier die betroffene Person mit ihren
Wünschen, Stärken und Fähigkeiten eine aktive Rolle bei ihrer
Lebensplanung. "Menschen mit Lernschwierigkeiten gestalten den
Planungsprozess mit und übernehmen dadurch die Kontrolle über ihr
Leben", erklärte Mag. Albert Brandstätter, Bundesgeschäftsführer der
Lebenshilfe Österreich, in seinem Eröffnungsvortrag. Im Rahmen des
EU-Projektes absolvierten 21 TeilnehmerInnen den Pilotlehrgang zur
"Persönlichen Zukunftsplanung".
Selbstbestimmung statt Bevormundung
Bei der "Persönlichen Zukunftsplanung" denken Menschen mit
Behinderungen gemeinsam mit anderen über ihre Zukunft nach, setzen
sich Ziele und legen die Schritte zur Umsetzung fest. "Die Methode
nimmt die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten ernst. Es
geht um Selbstbestimmung statt Bevormundung" betonte Sozialexpertin
Helen Sanderson aus Großbritannien. Die Behindertenarbeit steht damit
vor einem Paradigmenwechsel: Innovation drückt sich darin aus, dass
Menschen mit Behinderungen weniger als Hilfeempfänger sondern als
Kunden wahrgenommen werden, die ihre Unterstützung aktiv steuern.
EU-Projekt als Sprungbrett zum selbstbestimmten Leben
Jürgen Vanek aus Wien ist einer von vier Menschen mit
Behinderungen, die den EU-Pilotlehrgang besucht haben. Die
Zukunftsplanung hat sein Leben grundlegend verändert. 15 Jahren lang
lebte er in betreuten Wohnheimen und arbeitete in Werkstätten. Jetzt
hat er mit 35 Jahren den Sprung in eine richtige Arbeit und eine
eigene Wohnung geschafft. "Ich kämpfe für ein selbstbestimmtes Leben
für mich und andere Menschen mit Behinderung", so Vanek.
Personenzentrierung als Qualitätskriterium
"Organisationen sollten für Menschen mit Lernschwierigkeiten
personenzentrierte Methoden einsetzen, Verwaltungen sollten budgetäre
Mittel dafür zur Verfügung stellen", appellierte Gastreferent Sam
Bennett an das Tagungspublikum. Als ehemaliger Regierungsberater war
er maßgeblich an der Etablierung des personenzentrierten Ansatzes im
britischen Strategieprogramm beteiligt. Daran anknüpfend wendet sich
die Lebenshilfe Österreich an die Vertreter der österreichischen
Verwaltung und Politik, personenzentrierte Dienstleistungen von
Behindertenorganisationen zu fördern. "Personenzentriertes Planen,
Denken und Handeln etabliert sich zunehmend zu einem zentralen
Qualitätskriterium in der Behindertenarbeit. Umso wichtiger sind
entsprechende Zuwendungen und Unterstützung durch die Politik!",
betonte Brandstätter abschließend.
EU-Projekt "Neue Wege zur Inklusion"
Im Rahmen des EU-Projekts "Neue Wege zur Inklusion" entwickelte
die Lebenshilfe Österreich gemeinsam mit 13 Projektpartnern einen
inklusiven Lehrgang zur "Persönlichen Zukunftsplanung". Der Lehrgang
steht Fachpersonal genauso wie Betroffenen und Angehörigen offen.
Weiteres Projektergebnis ist das erst kürzlich gegründete Netzwerk
zur Persönlichen Zukunftsplanung "PZP Netzwerk Österreich":
www.persoenliche-zukunftsplanung.at.
Rückfragehinweis:
Lebenshilfe Österreich
Eva Schrammel
Tel.: 01/812 26 42 - 79 oder 0664/88 43 1996
mailto:[email protected]
www.lebenshilfe.at
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