• 07.09.2011, 12:15:42
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Caritas präsentiert Forderungsprogramm: "Gute Bildung. Bessere Zukunft für alle Kinder"

Caritaspräsident Küberl und Caritasdirektor Landau fordern einen "Pakt für Eltern, PädagogInnen und Kinder" sowie eine chancengerechte Bildungspolitik

Wien (OTS) - "In der täglichen Caritas-Arbeit wird immer wieder
deutlich: Mangelnde Bildung geht oft mit materieller - und in der
Folge auch seelischer - Not einher. Als Organisation, die an den
Brennpunkten der Gesellschaft tätig ist, spürt die Caritas deshalb
die Reformnotwendigkeit im heimischen Bildungssystem in einem hohen
Maße", sagt Caritaspräsident Franz Küberl bei der Präsentation des
"Forderungsprogramms für ein sozial nachhaltiges Bildungssystem" in
Wien. Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Leben insgesamt 6
Prozent der heimischen Bevölkerung in Armut, liegt dieser Anteil bei
PflichtschulabsolventInnen bei elf Prozent. Küberl: "Um im
Bildungsbereich für Chancengerechtigkeit zu sorgen, braucht es eine
umfassende und rasche Bildungsreform ohne Halbherzigkeiten und ohne
Scheuklappen."

Küberl: "Neue Qualität des Zusammenarbeitens"

Das derzeitige Schulsystem sei vom "Prinzip der Unübersichtlichkeit"
geprägt, kritisiert der Caritaspräsident und fordert eine Bündelung
der Kompetenzen beim Bund. Für die 10- bis 14-Jährigen möchte Küberl
eine gemeinsame Mittelstufe. Denn: "Das Schulsystem, das wir jetzt
haben, differenziert nach Herkunft, Bildungsstand und
Familieneinkommen. Das ist keine Differenzierung im Sinne der Kinder
und damit keine zukunftsfähige Lösung." Darüber hinaus macht sich
Küberl für eine neue Qualität des Zusammenarbeitens zwischen
PädagogInnen und Familien stark: "Wir brauchen einen Pakt zwischen
Eltern, Kindern und Kindergarten bzw. Schulen", so Küberl. Im
Kindergarten könnten hier die "Early Excellence Center" in
Großbritannien bzw. teilweise auch in Deutschland als Vorbild dienen:
"Der Kindergarten ist nicht nur die erste Bildungseinrichtung, er
muss auch zum ersten Familienbildungszentrum werden. Hier besteht die
ganz große Chance, auch Eltern auf die Bildungsreise mitzunehmen.
Schließlich ist ein förderliches Lernumfeld entscheidend für die
Bildungskarriere."

Landau: "Bildung braucht faire, gleiche Chancen"

"Jedes Kind ist gleich wichtig! Doch in unseren Schulen wird dieser
Grundsatz heute noch nicht gelebt", so Michael Landau,
Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. "Es ist an der Zeit, das Kind
und seine Zukunftsperspektiven in den Mittelpunkt einer echten
Bildungsreform zu stellen. Jedes Kind - egal welcher Herkunft - hat
ein Anrecht darauf, umfassend unterstützt zu werden. Bildung braucht
faire, gleiche Chancen. Doch die Fakten und Statistiken zeigen, dass
wir in Österreich davon noch weit entfernt sind", so Landau weiter.

Den Ausbau von ganzheitlichen und ganztägigen Schulangeboten sieht
Landau als einen Weg, den Begriff "Chancengerechtigkeit" mit Leben zu
erfüllen. Denn Bildungsarmut wird vielfach vererbt - und damit auch
Chancenarmut und ganz reale Not. Für ihn ist dieses Angebot keine
Frage der Ideologie: Der Ausbau dieser Schulformen ermöglicht den
Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie sind ein
wichtiges Angebot gerade für Kinder bildungsferner Eltern und für
Kinder in benachteiligenden Lebenssituationen. Ganztägige Schulformen
haben das Potenzial, Kinder umfassend in ihren Begabungen zu fördern
- wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen gegeben sind. Um soziale
Unterschiede ausgleichen zu können, muss eine chancengerechte Schule
kostenlose Förderangebote ausbauen. Zudem kann in ganzheitlichen
Schulangeboten ein vielfältiges künstlerisches, musikalisches,
sportliches Programm sowie qualitätsvolle Betreuung und Unterstützung
bei Schulaufgaben gewährleistet werden.

Mit einer Vielzahl von Bildungsinitiativen gibt die Caritas auch
selbst Menschen im In- und Ausland bessere Lebenschancen. So eröffnet
der Komensky Fond der ERSTE Stiftung seit dem Start 2006 pro Jahr
mehr als 400 Erwachsenen und etwa 1000 Kindern in Österreich sowie
Zentral- und Osteuropa durch maßgeschneiderte Bildungsangebote Wege
aus der Armut. Der Philips Schülerfonds der Caritas hat seit dem
Start im September 2003 bisher insgesamt über 13.900 Kinder mit
Schulmaterialien, Nachhilfestunden, Zuschüssen zu Schulschikursen
usw. unterstützt. Mit Unterstützung des
Integrationsstaatssekretariats wird derzeit das Angebot der
Caritas-Lerncafés auf ganz Österreich erweitert. Benachteiligte
Kinder mit und ohne Migrationshintergrund erhalten dort kostenlos
Hilfe beim Lernen. In Wien wurde 2010 mit dem Projekt "Lernen macht
Schule" in Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität und REWE ein
erfolgreiches Lernbuddy-System ins Leben gerufen, bei dem
StudentInnen benachteiligte SchülerInnen beim Lernen unterstützen.
Mit der jährlichen Schulstart-Aktion leisten die carlas konkrete
Hilfe für einkommensschwache Familien.

Caritas-Forderungsprogramm für ein sozial nachhaltiges Bildungssystem
zum Download unter: www.caritas.at

Rückfragehinweis:
Silke Ruprechtsberger, Caritas Österreich - Kommunikation
Tel: 01/488 31 - 417 bzw. 0664/826 69 09
Ulrike Fleschhut, Caritas der Erzdiözese Wien - Presse
Tel: 01/878 12 - 222 bzw. 0664/848 26 17

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