• 05.09.2011, 13:37:00
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Gladiatorenschule in Carnuntum entdeckt

Neues Licht auf den Alltag der römischen Gladiatoren wirft eine sensationelle Entdeckung des LBI ArchPro, die durch den Einsatz von speziell entwickelten Bodenradargeräten möglich wurde.

Wien (OTS) - Ein weiterer Erfolg des Ludwig Boltzmann Instituts
für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI
ArchPro): nach der Entdeckung eines "Woodhenge" nahe des berühmten
Steinkreises von Stonehenge und dem Fund von Wikinger-Siedlungen in
Skandinavien, gelang nun die Sichtbarmachung der Überreste einer
römischen Gladiatorenschule in Carnuntum bei Wien.

Die jahrtausendelange Besiedelung hinterließ Spuren im Boden, die
mit Hilfe modernster Meßtechnik am Computerbildschirm sichtbar
gemacht werden kann. Das internationale Teams des LBI ArchPro,
bestehend aus Archäologen, Geophysikern und Computerexperten,
entwickelte Geräte, die höchst effizient zur Auffindung
archäologischer Überreste eingesetzt werden und Bilder des
Untergrunds bis in mehrerer Meter Bodentiefe in erstaunlicher
Präzision liefern können.

Ein neues motorisiertes Multikanal-Bodenradargerät wurde nun auch
in einem verdächtigen Bereich in Carnuntum in enger Zusammenarbeit
mit dem Land Niederösterreich und der Zentralanstalt für Meteorologie
und Geodynamik in Einsatz gebracht. Dabei ist in der größten
archäologischen Landschaft Österreichs eine sensationelle Entdeckung
westlich des Amphitheaters in Petronell geglückt.

Das Amphitheater wurde in der ersten Hälfte des zweiten
Jahrhunderts außerhalb der Zivilstadt von Carnuntum erbaut. Es nahm
bis zu 13.000 Zuschauer auf und wurde in römischer Zeit intensiv für
Gladiatorenspiele genützt. Über das Umfeld des Amphitheaters gaben
bisher nur Luftbilder nähere Hinweise. Entlang der Ostseite der
römischen Straße, die aus der antiken Stadt zur Arena führte, konnten
einige Gebäude dokumentiert werden, die entlang der Straße
Verkaufsräume und Tavernen aufgewiesen haben dürften.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite konnte bisher jedoch keine
entsprechende Bebauung nachgewiesen werden. Erste Hinweise aus
Luftbildern deuteten auf ein größeres freistehendes Gebäude westlich
des Amphitheaters hin, welche nun mit Bodenradarmessungen überprüft
wurden. In wenigen Stunden Meßeinsatz wurden nun die Reste einer in
ihrer Vollständigkeit und Größe international einzigartigen
Gladiatorenschule entdeckt.

Die Gladiatorenschule (lat. ludus) von Carnuntum, ein
abgeschlossener Gebäudekomplex mit einem Ausmaß von 2800 m2, liegt in
einer 11.000 m2 umfassenden, mit einer Mauer umgebenen Parzelle. Die
Gebäudeteile sind um einen großen Innenhof angelegt, in dem die
Radarmessungen eine kreisrunde Trainingsarena mit einem Durchmesser
von 19 m mit hölzernen Zuschauertribünen aufgedeckt haben. In den
detailreichen Radarbildern lassen sich deutlich die Fundamente einer
100 m2 großen beheizbaren Trainingshalle, einer ausgedehnten
Badeanlage, des 300 m2 umfassenden Verwaltungstrakts bzw. des
Wohnbereichs des Besitzers der Gladiatorenschule und die
durchschnittlich 5 m2 großen Wohnzellen der Gladiatoren erkennen.

Aber auch die notwendige Infrastruktur wie Wasserleitungen,
Fußbodenheizungen und Abwasserkanäle sowie Zugangswege zum
Amphitheater, Portale oder die Fundamente von Memorials sind deutlich
in den hochauflösenden Radardaten erkennbar. Die Archäologen vermuten
direkt hinter der Gladiatorenschule auch das zugehörige Gräberfeld
mit einzelnen großen Grabmonumenten, steinernen Sarkophagen und
verschiedenen einfacheren Grablegungen gefunden zu haben.

An Deutlichkeit der erfassten Baustrukturen ist Carnuntum derzeit
nur mit der größten Gladiatorenschule, dem ludus magnus neben dem
Kolosseum in Rom zu vergleichen. In seiner Vollständigkeit und
Dimension ist dieser sensationelle archäologische Befund anhand
modernster, zerstörungsfreier Methoden derzeit weltweit einzigartig
und wurde als virtuelles Modell rekonstruiert ohne in den Boden
einzugreifen.

Rückfragehinweis:
PD Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Neubauer
Ludwig Boltzmann Institut Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie
Hohe Warte 38, A-1190 Wien
http://archpro.lbg.ac.at
Tel: +43 1 360263001

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | LBG

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