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DER STANDARD-Kommentar: "Angekommen im eigenen Land" von Alexandra Föderl-Schmid

Die Ortstafellösung ist ein wichtiges Signal an die Slowenen, weitere Schritte fehlen // Ausgabe vom 17.08.2011

Wien (OTS) - In Kärnten wird die Ortstafellösung gefeiert, bei den
Salzburger Festspielen Peter Handkes Stück Immer noch Sturm. Bei
beiden Inszenierungen geht es um die Bedeutung der slowenischen
Minderheit in Österreich. Handke hat seine eigene Familiengeschichte,
das Kriegs- und Nachkriegsdrama der Kärntner Slowenen, zu Prosa
verdichtet. Im Familiennamen der Protagonisten Svinec hallt der
Mädchenname von Handkes Mutter Siutz/ Sivec nach. Die Familie Svinec,
stellvertretend für die Slowenen in Kärnten, ist für Handke nach dem
Zweiten Weltkrieg "verloren im eigenen Land".
Insofern sind die Kärntner Slowenen mit der Aufstellung
zweisprachiger Ortstafel im eigenen Land angekommen - endlich. Die
Schilder sind das Symbol dafür, dass ihnen in ihrer Sprache in ihrer
Heimat der Weg gewiesen wird. Endlich ist ihre Sprache als Teil der
österreichischen Identität offiziell angenommen werden - wie dies
auch auf die burgenländischen Kroaten oder Ungarn zutrifft.
Für Außenstehende war es ein unwürdiges Gefeilsche: Da ein paar
Ortstafeln mehr, dafür Abstriche bei der slowenischen Amtssprache -
als Drohmittel Fördergelder. Der 17,5-Prozent-Anteil der Slowenen an
der Bevölkerung eines Ortes erscheint willkürlich. In der Sprache
äußert sich Geisteshaltung: Die Rede war immer von Zugeständnissen -
vielmehr ist es so, dass sich Österreich 56 Jahre lang vor jenen
Verpflichtungen gedrückt hat, die im Staatsvertrag vereinbart worden
sind.
Weshalb sich die Mehrheit nicht großzügiger zeigt, ist nicht
beantwortet, zumal die Zehn-Prozent-Vorgabe des
Verfassungsgerichtshofs mit dieser Lösung nicht erfüllt ist.
Rechtsstaatlich ist die Entscheidung der Höchstrichter nicht
umgesetzt. Schon deshalb handelt es sich um keinen "Glücksfall", wie
Bundespräsident Heinz Fischer, immerhin ausgewiesener
Verfassungsjurist, jubelte.
Aber diese Lösung ist besser als keine. Man soll sie nicht schön- -
aber auch nicht kleinreden. Der Kärntner Landeshauptmann Gerhard
Dörfler hat sich aus dem Schatten Jörg Haiders bewegt, aber mit
seinen verbalen Einlassungen nach der (nicht rechtskräftigen)
Verurteilung von Uwe Scheuch wieder viel Reputation zunichte gemacht.
Mit Staatssekretär Josef Ostermayer hatte er einen an der Sache
orientierten Verhandlungspartner. Beide haben geschafft, woran Bruno
Kreisky, Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer gescheitert sind.
Dass der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor an den Feiern in
Kärnten teilnimmt, ist ein wichtiger symbolischer Akt für die
Anerkennung dieser Lösung über Österreich hinaus.
Es geht um das Hör- und Sichtbarmachen der Slowenen. "Dass niemand
mehr in der Bahn, im Bus, in den Ämtern die Stirn haben wird, unserer
Sprache wegen uns über den Mund zu fahren", wie Handkes Protagonist
sagt. "Ob Aich oder Dob, ob Lipa oder Lind, ob Pliberk oder Bleiburg,
ob Saualpe oder Svinjska planina ..."
Es fehlt immer noch die Anerkennung der Leistungen des Widerstands
der Kärntner Slowenen während der Nazizeit, der mehr als 600 Menschen
das Leben gekostet haben dürfte. Die früheren Partisanen wurden von
Jörg Haider als "Feinde Kärntens" beschimpft, ihnen wurden
Auszeichnungen verweigert, und es gibt bis heute kein Denkmal für
diese Widerstandskämpfer. Es ist noch einiges zu leisten, damit sich
die Kärntner Slowenen im eigenen Land angenommen fühlen.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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