Starker Anstieg bei Fahrradunfällen - Ärztekammer fordert Maßnahmen

ÖÄK-Präsident Dorner: Positive Aspekte des Radfahrens nicht aufs Spiel setzen

Wien (OTS) - Wien (OTS).---- Alle zwei Stunden wird in Österreich ein Radfahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt. Zwischen Jänner und Mai dieses Jahres verunfallten 1780 Radfahrer, das sind laut Innenministerium um fast fünfzig Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zumindest keine Verschlechterung gab es bei den tödlichen Unfällen. Doch auch heuer kamen bis Mai bereits zwanzig Radfahrer ums Leben. Als Unterzeichnerin der Europäischen Charta für Straßenverkehrssicherheit fordert die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK): "Radfahren muss sicherer werden!"

ÖÄK-Präsident Walter Dorner: "Aus ärztlicher Sicht ist es absolut zu begrüßen, dass immer mehr Leute in die Pedale treten. Aber es kann nicht sein, dass am Ende der Kardiologe nichts mehr zu tun hat, aber dafür die Unfallchirurgie übergeht." Je intensiver diese gesundheitsfördernde, ökologische Variante der Mobilität genutzt werde, desto dringender brauche es koordinierende Maßnahmen. Nur so sei die Sicherheit der Radfahrer selbst und auch die anderer Verkehrsteilnehmer, speziell der Fußgänger, zu gewährleisten. Die Ärztekammer spricht sich daher neuerlich für ein "Rad-Zulassungspickerl" aus: "Eine Zulassungsnummer macht den Radbesitzer identifizierbar. Ich bin überzeugt, dass sich damit das Verantwortungsbewusstsein erhöht. Außerdem lassen sich Fahrraddiebstähle so leichter aufklären."

Er erlebe die meisten Radfahrer als "durchaus fair und umweltbewusst", so Dorner, aber "der Wind wird eindeutig rauer". Aggressives Fahrverhalten und Selbstüberschätzung ortet der oberste Stellvertreter der Ärzteschaft als wichtige Unfallursachen. Dass es auf bestimmten Routen, wie etwa am Wiener Ring-Radweg, regelmäßig zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern kommt, liegt für den ÖÄK-Präsidenten allerdings auch an der unübersichtlichen Wegführung:
"Konfuse Kreuzungen, speziell mit Fußwegen, gehören endlich entwirrt. Das empfiehlt auch die EU-Kommission. Stattdessen überlegt man bei uns ernsthaft, die Radwegebenützungspflicht abzuschaffen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar."

"Absurd" sei auch, dass Radfahrer gegen viele Einbahnen fahren dürfen. Dieses Radfahrerprivileg ist laut Dorner "eine unverantwortliche Verletzung des Vertrauensgrundsatzes: Egal, ob im Auto, als Radler oder per pedes: An einer Einbahnkreuzung muss ich mich darauf verlassen können, dass jedweder Verkehr nur aus der einen angezeigten Richtung kommt." Einschlägige Bodenmarkierungen seien meist durch parkende Autos schlecht erkennbar und zusätzliche Schilder fielen im "österreichischen Schilderdschungel" kaum mehr auf.

Dass es in Wien demnächst einen Radverkehrsbeauftragten geben soll, begrüßt die Ärztekammer. Man hoffe, dass dieser neben infrastrukturellen Verbesserungen auch auf die Bewusstseinsbildung setzen werde. Der ÖÄK-Präsident fordert - neben einem Ausbau des Radkursangebots für Kinder - vor allem auch Erwachsene zu freiwilligen Auffrischungstrainings auf, bei denen neben Fahrtechnik auch Konfliktvermeidung im Zentrum steht. Radfahrer müssten ihre Vorbildfunktion gegenüber Kindern besonders ernst nehmen. Dorner appelliert: "Setzen wir die positiven Effekte des Radfahrbooms nicht aufs Spiel! Ökologische Sensibilität muss mit einem zivilisierten Umgang im Straßenverkehr einhergehen." (ar)

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