- 08.08.2011, 11:28:05
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"WALTER PICHLER. Skulpturen Modelle Zeichnungen" im MAK - BILD

Wien (OTS) - Nur selten schickt Walter Pichler (* 1936), einer der
bedeutendsten visionären Künstler der Gegenwart, seine Skulpturen auf
Reisen. In einem alten Gehöft im burgenländischen St. Martin hat
Pichler, ein Grenzgänger zwischen Skulptur, Architektur und Zeichnung
eine Skulpturenanlage geschaffen, in der jede der Plastiken ihren
eigenen individuellen Raum besitzt. Eine der seltenen Gelegenheiten
zur Auseinandersetzung mit Pichlers wesentlichen Werkgruppen bietet
sich ab 27. September 2011 in der Ausstellung "Künstler im Fokus #11.
Walter Pichler. Skulpturen, Modelle, Zeichnungen" im MAK.
Walter Pichler begreift Kunst als Programm. Er entzieht sich der
Dynamik der aktuellen Kunstproduktion und arbeitet sehr langsam, oft
viele Jahre an einer Skulptur, wobei er immer wieder Themen erneut
aufgreift. Ausgangspunkt aller Arbeiten ist die Zeichnung, die - für
sich eigenständig - gemeinsam mit der Skulptur und der Architektur
ein narratives Netzwerk umspannt. Das immanente Spannungsverhältnis
von Skulptur und Architektur ist prägend für sein Gesamtwerk.
Ende der 1950er Jahre entstanden Pichlers erste plastische
Arbeiten, anschließend entwickelte er utopische Architekturmodelle zu
Stadtplanungen und Bauten. 1963 veröffentlichte er, im Zuge einer
gemeinsamen Ausstellung mit Hans Hollein in der Galerie nächst St.
Stephan in Wien, sein legendäres Manifest "Architektur". Seine
architektonischen Objekte und Environments im Grenzbereich von
Skulptur und Design spiegeln in ihrer Konzeption gesellschaftliche
Szenarien wider. In der Produktion seiner Werke suchte er immer
wieder innovative Wege, entnahm Anleihen aus der Auto- und
Raumfahrtindustrie und setzte neuartige Materialien wie Kunststoffe,
Aluminium oder pneumatische Elemente ein. Die meisten seiner Objekte
sind zur Benützung gedacht, wobei der menschliche Körper als
Parameter der Gestaltung fungiert.
Walter Pichlers Formfindungen fanden hohe Resonanz in Architektur
und Kunst. Beispielsweise schuf er mit den "Prototypen" (1966/67)
oder dem "Fingerspanner" (1967) bahnbrechende Werke, die den
menschlichen Körper prothesenhaft erweitern.
Walter Pichlers Hang zum Gesamtkunstwerk manifestiert sich in
seinem erweiterten Atelier in St. Martin, das er 1972 zum Schauplatz
erklärte. Einerseits präsentiert sich die Anlage als eine Art
"Akropolis" der Skulptur mit "Laboratoriumscharakter", wo er den
größten Teil seiner Plastik aufbewahrt. Andererseits setzt er hier
seine gemeinsam mit Hans Hollein und Raimund Abraham begonnene
architektonische Grundlagenforschung fort. Für die Präsentation
seiner Skulpturen entwirft Pichler - neben Adaptionen bestehender
Gebäude - eigene Baukörper, die Innen- und Außenraum in Beziehung
setzen, wobei Skulptur und Architektur ein temporäres, in sich
geschlossenes Referenzsystem bilden.
Eigens für die MAK-Ausstellung entwickelt Walter Pichler eine
Zusammenschau, die in einem dichten Szenario die figurative Plastik,
entstanden in St. Martin seit den 1970er Jahren bis heute, in den
Mittelpunkt stellt. Essentielle skulpturale Arbeiten wie die beiden
Torsi "Rumpf" (1982) und "Kleiner Rumpf" (1993) oder die "Bewegliche
Figur (1984), seine erste menschliche Proportionen imitierende
Ganzfigur, werden durch Modelle und Zeichnungen in
ineinandergreifenden und symmetrisch angelegten Präsentationsfeldern
ergänzt.
Beleuchtet wird die menschliche Figur als Fragment und als
Gesamtkomposition, als Modell, mit Kleidung, in den Haltungen
stehend, sitzend und liegend, oder als Zeichen einer Freundschaft wie
die Skulptur "Zusammengesetzte Figur (Kopf von Dieter Roth)" (1999).
Hier erschließt sich das Moment (auto)biografischer, oft
psychologisierender Referenz, das generell in Pichlers Werk
einfließt, wie etwa auch in der umfassenden Werkgruppe von
Skulpturenbetten (1971-2011).
Gleichzeitig den Anfang und das Ende der Ausstellung markiert das
Skulpturenensemble "Schwebender Stab" (1997) und "Drei Stäbe" (1998),
das auf ein aktuelles, sich in Planung befindliches
Architekturprojekt (Fertigstellung 2011) verweist, eine in die
Landschaft integrierte, unterirdisch angelegte Kunstkammer.
In seiner Arbeit als Bildhauer und Architekt bleibt Walter Pichler
bis heute minimalistischen Gestaltungskriterien treu. Die Objekte
sind axial und streng frontal aufgebaut, wobei einzelne Elemente
archaische Formen aufgreifen. Pichler behandelt die Skulptur als
kultisches Objekt, eingebettet in ein flexibles Rezeptionssystem. Der
Aufbau des Ateliers in St. Martin hatte nicht nur maßgeblichen
Einfluss auf Pichlers ausgewählte Materialikonografie, wie die
Verwendung von gefundenen Hölzern, Lehm, Stein oder Knochen, oder das
enge Zusammenspiel von Produktion und Präsentation. Einzigartig ist
auch die Art und Weise, wie Pichler die Skulptur in seiner
Kunstanlage kontextualisiert und seit Jahrzehnten etappenweise,
jeweils im Rahmen öffentlicher Ausstellungen, in neue allegorische
Zusammenhänge stellt.
Walter Pichler wurde 1936 in Deutschnofen, Südtirol geboren. Er
lebt und arbeitet in Wien sowie in St. Martin (Burgenland), wo er
1972 ein ehemaliges Gehöft erwarb. Mit dem MAK verbindet Pichler eine
kontinuierliche künstlerische Auseinandersetzung. So gestaltete er
1990 das "Tor in den Garten" als künstlerische Intervention, die den
Ausstellungstrakt des Museums mit dem Außenraum verbindet, und
entwickelte die Präsentation "Walter Pichler. Skulptur". In der
MAK-Sammlung ist Pichler mit zahlreichen Arbeiten - Modellen,
Skizzen, Zeichnungen, Objekten und Fotografien - vertreten.
Mit "Walter Pichler. Skulpturen, Modelle, Zeichnungen" finalisiert
das MAK die Ausstellungsreihe "Künstler im Fokus", die seit 2006
Positionen aus der MAK-Sammlung Gegenwartskunst an der Schnittstelle
von bildender Kunst, Architektur, angewandter Kunst und Design
vorstellt. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Realisierung
notwendiger Ankäufe durch Sponsoren, Mäzene und Förderer zur
Ergänzung wesentlicher Teile der Sammlung.
Pressefotos zur Ausstellung stehen unter MAK.at/presse zum Download
bereit.
Press Preview: Dienstag, 27. September 2011, 10.30 Uhr
Ausstellungsort: MAK-Schausammlung Gegenwartskunst, MAK, Stubenring
5, Wien 1
Ausstellungsdauer: 27. September 2011 - 26. Februar 2012
Kuratorin: Bärbel Vischer
Publikation: WALTER PICHLER. Skulpturen Modelle Zeichnungen,
herausgegeben von MAK, deutsch/englisch, ca. 112 Seiten, mit ca. 90
meist farbigen Abbildungen, MAK Wien / Jung und Jung Verlag, 2011,
Euro 35,- / Sfr 47,90.
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Presse MAK
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung), Olivia Harrer, Sandra Hell-Ghignone, Christiane Vogl
Tel.: T: (++43-1)711 36-233, 229
mailto:[email protected]
MAK.at
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