- 21.07.2011, 11:36:42
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"Aktuelle Kriminalitätszahlen in Österreich zeigen stabile Entwicklung"
Bekämpfung der IT-Kriminalität und verstärkte Präventionsmaßnahmen im Bereich der Gewaltdelikte im Mittelpunkt
Wien (OTS) - Ein Vergleich der letzten 3,5 Jahre zeigt, dass sich
die Gesamtkriminalität in Österreich kontinuierlich rückläufig
entwickelt. Wurden im ersten Halbjahr 2008 noch über 278.000 Fälle
und im Vergleichszeitraum 2009 noch 290.685 Fälle angezeigt, so waren
es im ersten Halbjahr des heurigen Jahres 263.183. Das bedeutet einen
Rückgang um 5,3 bzw. 9,5 Prozentpunkte. Im Vergleich zum ersten
Halbjahr 2010 ist eine Steigerung um zwei Prozent zu beobachten -
dies bewegt sich im statistischen Schwankungsbereich.
Angezeigte Fälle in Österreich - siehe ANHANG.
Mehr geklärte Fälle
In Österreich wurden im ersten Halbjahr 2011 mehr Fälle geklärt: die
Zahl konnte gegenüber dem Vorjahresvergleich von 101.991 auf 113.629
Fälle und somit um 11,41 Prozent gesteigert werden - siehe ANHANG.
Aufklärungsquote steigt auf 43,2 Prozent im 1. Halbjahr 2011
Ein Vergleich der Halbjahreszahlen zeigt, dass die Aufklärungsquote
im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zu den Vorjahren von 38,6
Prozent im ersten Halbjahr 2008 auf 43,2 Prozent gestiegen ist -
siehe ANHANG.
Schwerpunkte der kriminalpolizeilichen Arbeit
IT-Kriminalität - die langfristig große Herausforderung
Der zunehmende Umgang mit dem Medium Internet stellt auch die Polizei
vor große Herausforderungen: denn mit der Nutzung des Internets
wächst weltweit auch die Internet-Kriminalität, die so genannte
Cyber-Crime. Diese umfasst Straftaten, die mit moderner Informations-
und Kommunikationstechnik oder gegen diese begangen werden.
Im ersten Halbjahr 2011 wurden in Österreich im Bereich der
IT-Kriminalität 2.229 Delikte zur Anzeige gebracht, im
Vergleichszeitraum 2010 waren es 2.020 angezeigte Vergehen. 2008
waren es im Vergleich dazu noch 1.188 Anzeigen.
Eine starke Zunahme hat es im Bereich des Hackings gegeben, das in
den letzten beiden Jahren um über 114 Prozent gestiegen ist: siehe
ANHANG.
"In absoluten Zahlen bewegen wir uns hier augenscheinlich auf sehr
niedrigem Terrain. Wir gehen hier einerseits von einem sehr hohen
Dunkelfeld aus, wissen aber andererseits, dass in diesem Bereich eine
Welle auf uns zukommen wird", so der Generaldirektor für die
öffentliche Sicherheit Dr. Herbert Anderl. "Der globale Trend zeigt
eindeutig, dass in den nächsten Monaten und Jahren verstärkt mit
Kriminalitätsdelikten im Bereich IT-Crime zu rechnen ist." Dies
unterlegen auch die laufend steigenden Zahlen über Computer- bzw.
Internutzung in Österreich: laut Statistik Austria verfügten im Jahr
2010 76,2 Prozent der österreichischen Haushalte - das sind in
absoluten Zahlen 2.502.8000 Haushalte - über einen Computer (PCs,
tragbare Computer und Handheld Computer). 77,8 Prozent der
Österreicherinnen und Österreicher haben in den letzten 12 Monaten
einen Computer bzw. 75,2 Prozent das Internet genutzt.
Das Bundesministerium für Inneres hat hier auf Auftrag von
Bundesministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner rechtzeitig gehandelt und
eine umfassende Cyber-Crime-Strategie verabschiedet. Diese sieht vor,
dass zukünftig in der gesamten Polizeistruktur die Bekämpfung der
Internetkriminalität einen Schwerpunkt einnimmt. Insgesamt sind 300
Polizistinnen und Polizisten für die Bekämpfung der IT-Kriminalität
zuständig. Auf Bundesebene wurde das Cyber-Crime-Competence-Center,
kurz "C4", als die zentrale Koordinierungs- und Meldestelle
installiert. Modernste Ausbildung und Ausstattung stehen dabei ebenso
im Mittelpunkt wie auch die enge Vernetzung mit Wirtschaft und
Wissenschaft. Bürgerinnen und Bürger können verdächtige Sachverhalte
im Internet an [email protected] melden. Seit der
Installierung dieser Stelle Mitte Mai 2011 sind 350 Meldungen beim
Bundeskriminalamt eingegangen.
"Durch diese genannten Maßnahmen seitens der Kriminalpolizei soll
der Anstieg im Bereich der Cyber-Crime gebremst bzw. eingedämmt
werden", so Generaldirektor Anderl. Neben der modernen und
professionellen Bekämpfung dieser Kriminalitätsformen auf nationaler
und internationaler Ebene nimmt auch die Prävention einen immer
wichtigeren Stellenwert ein. "Hier soll in den nächsten Monaten durch
entsprechende Aufklärungsarbeiten in allen Bereichen eine
entsprechende Sensibilisierung erzielt werden, damit sich neben den
privaten Usern auch Firmen entsprechend schützen können", so der
Generaldirektor.
Wirtschaftskriminalität - Anstieg sowohl der Delikte als auch der
Aufklärungsquote
In dem Bereich der Wirtschaftskriminalität konnte in den letzten
Monaten ein signifikanter Anstieg verzeichnet werden: so sind die
angezeigten Delikte beim Waren-Bestellbetrug von 890 im ersten
Halbjahr 2010 auf 1.092 um 22,7 Prozent angestiegen. Auch beim
Subventions- und Anlagebetrug sind die Zahlen steigend:
- Subventionsbetrug: 10 Anzeigen im ersten Halbjahr 2010 auf 80
Anzeigen im ersten Halbjahr 2011
- Anlagebetrug: 61 Anzeigen im ersten Halbjahr 2010 auf 126
Anzeigen im ersten Halbjahr 2011
Auch auf diesen Bereich wurde bereits vor Monaten reagiert: So
wurde im Bundeskriminalamt eine eigene Abteilung für
Wirtschaftskriminalität eingerichtet und zahlreiche neue Planstellen
für die Bekämpfung dieser Kriminalitätsform in diese Abteilung
verlegt. "Die nationale und internationale Zusammenarbeit mit allen
betroffenen Organisationen, wie unter anderem der Finanz und der
Justiz konnte im In- und Ausland intensiviert werden", so Mag. Rudolf
Unterköfler, Leiter der Abteilung Wirtschaftskriminalität im
Bundeskriminalamt.
Durch die getroffenen Maßnahmen konnte daher auch die
Aufklärungsquote in diesen Bereichen stark gesteigert werden: beim
Waren-Bestellbetrug um plus 700 Prozent, beim Subventionsbetrug um
plus 36,6 Prozent und beim Anlagebetrug um plus 120 Prozent.
Gewaltkriminalität - stagnierende Anzeigen, hohe Aufklärungsquote
Die Anzahl der Gewaltdelikte - sowohl bei den Morden und
Mordversuchen als auch bei Körperverletzungen - ist in Österreich
weiterhin stagnierend - siehe ANHANG.
Im ersten Halbjahr 2011 wurden insgesamt 78 Morde bzw.
Mordversuche zur Anzeige gebracht, davon wurden 33 Taten vollendet,
45 Taten blieben versucht. "Die Aufklärungsquote ist bei diesen
Delikten sehr hoch", so Dr. Ernst Geiger, Leiter der Abteilung
Ermittlungen und allgemeine und organisierte Kriminalität im
Bundeskriminalamt." Im ersten Halbjahr 2011 lag sie bei 91 Prozent."
Ein Vergleich zum Vorjahr: im ersten Halbjahr 2010 wurden 86 Taten
zur Anzeige gebracht, davon 31 Morde und 55 Mordversuche. Die
Aufklärungsquote lag bei 94 Prozent - siehe ANHANG.
Bei den im ersten Halbjahr 2011 begangenen Morden bzw.
Mordversuchen standen die Täter zu 88 Prozent in einer familiären
Beziehung, in einem Bekanntschaftsverhältnis oder einer
Zufallsbekanntschaft zum Opfer. In lediglich zwölf Prozent der Fälle
gab es keine Beziehung zwischen Täter und Opfer - siehe ANHANG.
"Wichtig ist es die Hintergründe von Gewalt, die schließlich zur
Gewaltausübung führen, zu erforschen und nachhaltig zu bekämpfen", so
Generaldirektor Anderl. "Aktive Sicherheitspolitik zur Prävention und
nachhaltigen Bekämpfung von Gewalt muss daher ressortübergreifend
angelegt sein und unter der Beteiligung aller Akteure betrieben
werden, um effektiv, effizient und erfolgreich zu sein. Genau hier
soll das interministerielle "Bündnis gegen Gewalt" ansetzen. Dieses
hat zum Ziel, alle österreichischen Akteure, die sich aktiv für
Gewaltprävention engagieren, noch besser als bisher zu vernetzen.
Dabei sollen polizeiliche, politisch-gesellschaftliche,
wirtschaftliche und wissenschaftliche Aspekte berücksichtigt und
gemeinsam Lösungsansätze entwickelt werden. Die verschiedenen Ebenen
der Planung, Beschlussfassung und Umsetzung, sowie die Aufgaben,
Instrumente und Mittel werden miteinander kombiniert.
Dazu wurde im Herbst 2010 im Bundeskriminalamt die
"Koordinierungsstelle gegen Gewalt" eingerichtet, die sämtliche
Maßnahmen koordiniert und unter deren Leitung die Fäden zentral
zusammenlaufen. Mit ihrer Initialisierung soll die Informationslücke
geschlossen und in weiterer Folge konkrete Vorhaben und Projekte
initialisiert und begleitet werden. Derzeit werden zehn
Best-Practice-Projekte mit besonderem Fokus auf Jugendliche, Frauen,
Personen mit Handicap, ältere Menschen und Familien gemeinsam
entwickelt und erarbeitet. Die Evaluierung erfolgt nach einem
Drei-Säulen-Modell: Exekutive, Praktiker und Wissenschaft arbeiten
eng zusammen. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben vom
Institut für Stressprophylaxe und Salutogenese (ISS), einem
Kooperationsprojekt der NÖ Landesakademie, unter der Leitung von
Univ. Prof. i. R. Dr. jur. Rotraud A. Perner und ihrem Team. Zurzeit
werden in Kooperation mit den Bundesministerien und den Bundesländern
alle Österreich weit bestehenden Projekte und Initiativen gesammelt,
katalogisiert und in weiterer Folge bewertet.
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