- 19.07.2011, 16:06:06
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Ostermayer: "Opfer des Austrofaschismus sollen rehabilitiert werden"
Staatssekretär zeichnet Funktionäre des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen aus
Wien (OTS) - Staatssekretär Dr. Josef Ostermayer überreichte
heute, Dienstag, im Bundeskanzleramt Auszeichnungen für Verdienste um
die Republik Österreich. Prof. Dr. Jonny Moser erhielt das
Bundes-Ehrenzeichen, an Prof. Hugo Pepper wurde das Goldene
Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen,
Landtagsabgeordnete a. D. Gertrude Spieß und Peter Weidner erhielten
das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
"Wir ehren heute vier Menschen, die einerseits einen aktiven Beitrag
im Kampf gegen die NS-Diktatur geleistet haben und die sich
andererseits als Funktionäre des Bundes Sozialdemokratischer
Freiheitskämpfer/innen, Opfer des Faschismus und aktiver
Antifaschist/inn/en Verdienste erworben haben. Als Vortragende und
durch ihre publizistische und organisatorische Tätigkeit leisten sie
einen wertvollen Beitrag im Dialog mit den jüngeren Generationen",
sagte Staatssekretär Ostermayer, der die Verleihung in Vertretung von
Bundeskanzler Werner Faymann vornahm.
Der Staatssekretär betonte in seiner Rede, wie viel Mut und
Altruismus es bedürfe, um in besonders schwierigen Zeiten
rechtsstaatliche Werte sichtbar zu machen und auch jungen Menschen zu
zeigen, welchen Wert Demokratie und Frieden haben. "Es geht vor allem
darum, die Erinnerung wach zu halten und an erlittenes Unrecht zu
erinnern. Die Erfahrungen von unsäglicher Entbehrung und von
unermesslicher Gewalt sollen und dürfen nicht verschüttet werden. All
das muss der gegenwärtigen und den künftigen Generationen sichtbar
gemacht werden. Wer eine solche Aufgabe zu seinem Lebensinhalt macht,
der muss geehrt werden", sagte Ostermayer.
Nachdem Österreich die Opfer des Faschismus nach 1938 rehabilitiert
habe, solle nun auch den Opfern des Austrofaschismus Gerechtigkeit
zuteil werden. "Wir werden im Herbst ein entsprechendes Gesetz
einbringen. Wir wollen also den bestehenden Mangel noch in diesem
Jahr beheben", so der Staatssekretär.
Prof. Jonny Moser ist als Mitglied des Bundesvorstandes des Bundes
Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen sowie als Zeitzeuge ein
in ganz Österreich gefragter Vortragender im Rahmen von
Aufklärungsaktivitäten in Schulen und Jugendorganisationen. Er ist
unter anderem Mitglied des Vorstandes des Dokumentationsarchivs des
österreichischen Widerstandes. Moser hat seine Jugenderinnerungen
während der NS-Zwangsdeportation in Budapest in dem Buch "Wallenbergs
Laufbursche" verarbeitet. Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg
rettete während des Zweiten Weltkrieges rund 50.000 Jüdinnen und
Juden in Ungarn das Leben, indem er ihnen "Schutzpässe" des
schwedischen Staates ausstellte. Der damals 19-jährige Moser war als
Bote für ihn tätig.
"Hugo Pepper hat sich als Funktionär und von 1992 bis 1995 als
Vorsitzender des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen
stets für Demokratie und Freiheit eingesetzt", so der Staatssekretär.
Sein Engagement im militärischen Widerstand gegen das NS-Regime wurde
vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes
aufgearbeitet. Erst jüngst wurden seine Verdienste in einem Film mit
dem Titel "Denken auf eigene Gefahr" gewürdigt. Der heute 91-jährige
Professor Pepper hielt auch im Namen der Geehrten die Dankesrede:
"Der Antifaschismus ist der Grundkonsens der 2. Republik. Dies sollte
immer in Erinnerung gebracht werden. Wir sind damals gegen den
Nationalsozialismus angetreten, weil wir es im Einklang mit unserem
Gewissen als das Richtige erachtet haben. In dieser für uns so
feierlichen Stunde gedenken wir aber auch all jener, die nicht
ausgezeichnet wurden. Ihnen gebührt unser Respekt."
Gertrude Spieß war bis 2000 Abgeordnete zum Burgenländischen Landtag.
Sie ist Vorsitzende des Landesverbandes Burgenland des Bundes
Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen und Mitglied im
Kuratorium des Burgenländischen Landtages für die Opfer des Krieges
und des Faschismus. "Als Tochter eines Holocaust-Überlebenden galt
ihr Engagement von Jugend an der politischen Tätigkeit sowie der
Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Faschismus. Auch
in ihrer beruflichen Tätigkeit bildeten diese Themen einen
wesentlichen Schwerpunkt ihrer Arbeit", so Ostermayer.
Peter Weidner ist seit 2005 Vorsitzender des Landesverbandes
Oberösterreich des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen
und Mitglied der Opferfürsorgekommission im Sozialministerium. "In
seiner langjährigen Tätigkeit hat er die Opfer des
Nationalsozialismus stets in hervorragender Weise betreut und sich
für deren Interessen in bewundernswerter Weise eingesetzt", so
Staatssekretär Ostermayer abschließend.
Bilder zu dieser Veranstaltung sind über das Fotoservice des
Bundespressedienstes, http://fotoservice.bundeskanzleramt.at,
kostenfrei abrufbar.
Rückfragehinweis:
Mag. Leo Szemeliker
Pressesprecher des Bundeskanzlers
Tel.: (01) 531 15 - 2090, 0664/282 25 00
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