• 07.07.2011, 13:31:37
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Ärztevertreter: Burgstaller-Vorschlag negiert Interessen der Patienten

Landesbudget nicht über Ambulanzen entlasten - Spitalsärzte bereits jetzt am Limit - Zwei-Klassen-Medizin droht

Wien (OTS) - Ein dreister Versuch, Geld vom niedergelassenen
Bereich in die Spitäler umzuschichten und ein Angriff auf die ohnehin
schon überlasteten Spitalsärzte sei der Vorschlag von Salzburgs
Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, die fachärztliche Betreuung in die
Spitäler zu verlagern. Das betonten der Obmann der Kurie
Niedergelassene Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK),
Günther Wawrowsky, und der Obmann der Kurie Angestellte Ärzte, Harald
Mayer, am Donnerstag in einer Aussendung.

Über die Ambulanzen solle offensichtlich Geld für die vielfach schwer
defizitären Krankenanstalten lukriert und damit gleichzeitig das
Landesbudget entlastet werden, kritisierte Wawrowsky: "Ich verstehe,
dass machtbewusste Landespolitikerinnen und -politiker
die Finanzierung in ihrem Einflussbereich zu halten versuchen anstatt
sie den selbstverwaltenden Krankenkassen zu überlassen. Ich kenne das
auch aus Niederösterreich." Das sei jedoch der falsche Weg, sind sich
Wawrowsky und Mayer einig. Internationale Vergleiche hätten gezeigt,
dass selbstverwaltende Systeme am besten funktionieren würden. In
dieser Hinsicht sei Burgstaller offensichtlich schlecht beraten und
das mündet in ein Informationsdefizit, was den Umfang medizinischer
Leistungen angehe. Wawrowsky: "Es geht nicht nur um Untersuchungen,
sondern auch um Informationen und Gespräche, also um
Zuwendungsmedizin, die von den Ambulanzen in ihrer jetzigen Form
nicht geleistet werden kann."
Die Spitäler müssten dazu mindestens ebenso viele Fachärzte
zusätzlich einstellen, wie derzeit mit Kassenvertrag in den
Niederlassungen tätig seien - nämlich ca. 4.200. Zudem würde
Burgstallers Vorschlag letzten Endes in eine Zwei-Klassen-Medizin
münden, da jene, die es sich leisten könnten, zum Privatarzt gehen
werden.

"Die Spitäler leiden bereits jetzt an Personalknappheit, die
Arbeitszeiten werden um ein Vielfaches überschritten. Mit dem
derzeitigen Personalstand wären die Patientenströme aus den
fachärztlichen Niederlassungen gar nicht zu bewältigen", ergänzte
Mayer. Es sei aber auch nicht damit getan, tausende zusätzliche
Fachärzte einzustellen und zu hoffen, dass diese mit knapp 30 Mio.
Patientenkontakten zusätzlich jährlich fertig würden - die
Infrastruktur der Spitäler müsste dafür entsprechend adaptiert bzw.
ausgebaut werden. Dabei stießen die Ambulanzen seit Jahren an ihre
Kapazitätsgrenzen. Mayer: "Wir verzeichnen jährlich schon mehr als 16
Millionen Patientenkontakte, allein in den vergangenen zehn Jahren
ist die Zahl der ambulant behandelten Fälle um 55 Prozent gestiegen."
Das zeige, dass die bisherigen Anstrengungen der Politik zur
Entlastung der Ambulanzen nicht von Erfolg gekrönt gewesen seien.
Zudem seien die hohen Frequenzen ein Indiz dafür, dass der
extramurale Bereich nachhaltig gestärkt werden müsse.

"Burgstaller sollte sich besser für die Gruppenpraxen stark machen
und sich an politische Bekenntnisse halten", waren sich Wawrowsky und
Mayer einig. Zudem habe eine aktuelle Umfrage ergeben, dass sich 82%
der Bevölkerung einen Ausbau des niedergelassenen Bereichs wünschen.
"Burgstaller würde mit ihrem Vorschlag die Interessen und Wünsche der
Patienten nicht respektieren", so die beiden Standesvertreter
abschließend. (zk/sl)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33

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