- 07.07.2011, 13:19:26
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Cortolezis-Schlager: Modernisierungsbestrebungen bringen neue Chancen der Zusammenarbeit
Forum "Austria Goes International": Gunst der Stunde nutzen und strategisch bedeutende Wissenschafts- und Forschungskooperationen mit Russland und Ukraine aufbauen

Wien (OTS/ÖVP-PK) - Im Rahmen der dritten Veranstaltung des Forums
"Austria Goes International" unterstrich die Initiatorin und
ÖVP-Wissenschaftssprecherin Abg. Mag. Katharina Cortolezis-Schlager
am Dienstag die Wichtigkeit einer koordinierten
Internationalisierungsstrategie für den tertiären Sektor: "Die
Modernisierungsbestrebungen Russlands bringen neue Chancen der
Kooperation. Für Österreich gibt es hier großes Potential für die
Intensivierung der Zusammenarbeit. In einem ersten Schritt ist das
Sichtbarmachen bestehender Einzelkooperationen und Initiativen
vonnöten, um strategische Leitlinien für Wissenschafts- und
Forschungskooperationen unter Berücksichtigung von regionalen und
thematischen Clustern zu definieren. Diese Leitlinien sollten in
einem nächsten Schritt auch Bestandteil der Leistungsvereinbarungen
und des Hochschulplans werden."
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Wissenschafts- und
Forschungsminister Dr. Karlheinz Töchterle, der in seiner Rede
betonte, dass sich Österreich abseits seiner gewachsenen Stärken in
den Bereichen Kunst, Kultur, Wirtschaft und Tourismus am Beginn des
21. Jahrhunderts vor allem in den Zukunftsfeldern Bildung und
Forschung weiterentwickeln müsse. "Umso mehr freut es mich, dass
durch die langjährige Zusammenarbeit Österreichs mit Russland und der
Ukraine eine grenzüberschreitende Wissensachse entstanden ist",
betonte der Wissenschaftsminister. Als motivierende Beispiele
bezeichnete Töchterle u.a. die erfolgreichen Sommerkollegs in Charkiv
und Lemberg sowie die erst jüngst erfolgte Unterzeichnung des
wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeitsvertrages zwischen
Russland und Österreich: "Dies ist ein klares Signal, dass die
Zusammenarbeit von beiden Seiten ausgebaut werden möchte."
Der Rektor der TU Wien, Prof. DI Dr. Peter Skalicky, unterstrich in
seinem Impulsreferat die gute Zusammenarbeit mit Russland in den
technischen Naturwissenschaft: "Man darf nicht den Fehler machen und
Russland unterschätzen, immerhin waren sie die ersten im Weltall. In
Bereichen wie Transport (inkl. Aeronautics) oder Nanotechnologie ist
Russland sehr stark. Die TU Wien hat seit den 90er-Jahren fruchtbare
Kooperationen u.a. mit dem Polytechnikum Lemberg, dem Polytechnikum
Tomsk oder der Moskau State University."
Der internationale Technologietransfer ist derzeit eines der
wichtigsten Instrumente im Bestreben der russischen Regierung, die
nationale Wirtschaft umfassend zu modernisieren. Präsident Medwedew
hat seine Amtszeit der umfassenden Modernisierung und
Umstrukturierung Russlands gewidmet. Den Universitäten und
Forschungsinstitutionen werden neue Möglichkeiten der Kooperation
eröffnet.
Verdoppelung der Universitätsstandorte seit 1990
Prof. Dr. Hubert Dürrstein, Geschäftsführer des Österreichischen
Austauschdienstes (OeAD), bestätigte, dass sich die
Universitätslandschaft in Russland in den letzten 25 Jahren stark
verändert hat: "Von 1990 bis 2005 hat sich die Zahl der Universitäten
in Russland verdoppelt, inzwischen sind es über 1.000 Standorte. Die
Studierendenzahlen haben sich in dieser Zeit verdreifacht. Russland
hat auch erkannt, dass die ursprünglich praktizierte Trennung von
Forschung und Lehre ein Umdenken erfordert. Dazu wurden ab 2005
gezielt Fördermaßnahmen gestartet, die führende Universitäten
zunehmend international wettbewerbsfähig machen sollen; dazu werden
auch Kooperationen mit der Wirtschaft (private public partnerships)
angestrebt. Österreichische Universitäten tragen zu dieser
Entwicklung in einer ganzen Reihe von TEMPUS-Projekten bei; darüber
hinaus gibt es auch erste Erasmus Mundus- Partnerschaften.
"Russland versucht, dem so genannten Brain-Drain, also der
Abwanderung von jungen Uni-Absolventinnen und Absolventen und
Spitzenforscherinnen und -forschern, mit millionenschweren
Prestigeprojekten entgegenzuwirken. Die Modernisierungsbestrebungen
der Forschungsstrukturen werden künftig die Zusammenarbeit
vereinfachen. Russland und Ukraine streben die Assoziierung zum
Rahmenprogramm der EU an. Den Universitäten und
Forschungsinstitutionen werden dadurch neue Möglichkeiten der
Kooperation und Zusammenarbeit eröffnet", so DI Peter Havlik,
stellvertretender Direktor des Wiener Instituts für Internationale
Vergleiche (wiiw).
Die sprachliche Barriere wird noch immer als wesentliches Problem der
Wirtschaft angesehen. Die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Wien,
Prof. Mag. Dr. Dagmar Hackl, gab zu bedenken, dass wenige junge
Menschen Russisch sprechen. "Sprachliche Barrieren können nicht von
heute auf morgen abgebaut werden. Man kann nicht erst in der fünften
Schulstufe für Russisch werben und lehren." Sie strich ein eben
beginnendes Projekt für Volksschulen über das internationale Büro des
Stadtschulrates in Wien hervor, dass auch auf Österreich ausgedehnt
werden soll. In diesem Projekt soll spielerisch ein Interesse an der
russischen Sprache hervorgerufen werden.
Russland und Ukraine mit großem Interesse an Forschungs- und
Technologiekooperationen mit der Europäischen Union
Ähnlich sieht es Dr. Heinz Walter, Regionalmanager für die
GUS-Staaten der Außenwirtschaft Österreich (AWO). "Zahlreiche
erfolgreiche Forschungskooperationen münden in der Wirtschaft - in
diesem Schulterschluss können wir langfristig wirtschaftliche
Interessen im Ausland ausbauen und sichern. Während in den letzten
Jahrzehnten die russische Forschung vor allem stark auf den
militärischen Sektor fokussiert und die Wirtschaft auf den
Rohstoffgewinn ausgerichtet war, eröffnen die derzeitigen
Modernisierungsabsichten neue Chancen der Zusammenarbeit. Das Export-
und Investitionspotenzial in der Relation GUS ist beachtlich.
Österreichische Unternehmen haben bereits zirka sechs Milliarden Euro
in Russland investiert, über 1.000 österreichische Firmen importieren
oder exportieren regelmäßig aus bzw. nach Russland."
"Russland und Ukraine zeigen großes Interesse an Forschungs- und
Technologiekooperationen mit der Europäischen Union. Für Österreich
gibt es hier großes Potential für die Intensivierung der
Zusammenarbeit. Wir müssen die Gunst der Stunde nutzen und gezielte,
strategisch bedeutende Wissenschafts- und Forschungskooperationen mit
beiden Ländern aufbauen und ausbauen. Dazu müssen wir aber Kräfte auf
nationaler Ebene stärker bündeln und Maßnahmen koordiniert setzen",
sagte Prof. DI Manfred Horvat von der Technischen Universität Wien.
In diesem Zusammenhang merkte der Experte für Internationale und
Europäische Forschungs- und Technologiekooperationen an, dass
Österreich durchaus selbstbewusst auftreten kann und fügte
dahingehend hinzu: "Seit 2008 gehört Österreich zu den sieben
europäischen Staaten, die die USA betreffend dem Citation Index,
sprich dem Maß für die Qualität wissenschaftlicher Publikationen,
überholt haben."
Einig waren sich sämtliche Expertinnen und Experten darüber, dass
eine stärker abgestimmte Internationalisierungsstrategie vonnöten
ist, um die Zusammenarbeit mit Russland und der Ukraine erfolgreich
zu intensivieren, resümierte Dr. Tessa Szyszkowitz die von ihr
geleitete Podiumsdiskussion.
(Schluss)
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
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Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel.: 01/40110/4436
http://www.oevpklub.at
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