- 06.07.2011, 13:02:00
- /
- OTS0181 OTW0181
Dorner: Burgstaller-Vorschlag ist Teilverstaatlichung
Negativbeispiel Großbritannien
Wien (OTS) - Für die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) ist der
Vorschlag der Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, in
Spitalsregionen auf niedergelassene Fachärzte zu verzichten,
patientenfeindlich und kontraproduktiv. "Die Konzentration der
fachärztlichen Versorgung in den Spitälern widerspricht allen
politischen Bekenntnissen zur Spitalsentlastung durch eine wirksame
Förderung und Forcierung des medizinischen Angebots durch
niedergelassene Ärzte und Gruppenpraxen", kritisierte ÖÄK-Präsident
Walter Dorner am Mittwoch in einer Aussendung.
Offensichtlich habe Burgstaller keine Ahnung von der österreichweiten
fachärztlichen Versorgungsrealität. Denn durch ihren Vorschlag müsste
in den Spitälern zusätzlich der größte Anteil von 30 Millionen
fachärztlicher Patientenkontakte im Jahr aufgefangen und versorgt
werden. "Dies entspricht der Versorgungsleistung von 4.200
Vertragsfachärzten mit Kassenverträgen", erklärte Dorner. Damit mache
Burgstaller einen Vorschlag, der weder von den freiberuflich tätigen
Kassenfachärzten und schon gar nicht von den Spitalsärzten akzeptiert
werden könne. Gerade letztere klagten seit Jahren über
österreichweite Missachtungen ihrer Arbeitszeithöchstgrenzen,
Überbelastung und Betreuung von Patienten, welche die teure
Spitalsstruktur nicht benötigten.
Obendrein scheine Burgstaller nicht zu wissen, dass es ca. 5.600
niedergelassene Fachärzte - viele davon unfreiwillig ohne
Kassenverträge - gebe; etliche hätten ihre Ordinationen an Standorten
von Spitälern. Deren freie Niederlassung und damit auch ihre
Versorgungsfunktion würden wohl auch nicht von Burgstaller in Frage
gestellt werden können, so der Ärztekammer-Präsident.
Dorner: "Wenn Burgstaller glaubt, in dünn besiedelten ländlichen
Regionen fachärztliche Zentren zu etablieren, muss sie auch eine
Erklärung über deren Finanzierung liefern, weil eben dort viel zu
geringe Patientenfrequenzen gegeben sind."
Eine Verbesserung der Situation könne es nur durch den Ausbau des
niedergelassenen Bereichs geben. Gruppenpraxen und Ärzte-GmbHs mit
erweiterten Öffnungszeiten seien eine Möglichkeit, das Angebot im
niedergelassenen Bereich zu verbessern und die Spitäler zu entlasten,
erklärte der Ärztechef. Dazu bedürfte es aber einer Vielzahl von
Kassenverträgen für Gruppenpraxen, zu denen der Hauptverband
überhaupt nicht gesprächsbereit ist, trotz mehrjähriger Urgenz der
Österreichischen Ärztekammer.
Wie wenig zielführend die Konzentration der fachärztlichen Versorgung
in Spitälern sei, zeige das Beispiel Großbritannien. Dort gebe es im
verstaatlichten Gesundheitssystem keine wohnortnahe Betreuung durch
niedergelassene Fachärzte. Dorner: "Das Ergebnis sind Warteschlangen
in den Spitalsambulanzen und medizinische Unterversorgung in den
Regionen."(sl)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAE






