Sozialpartner und IV: Bildungsdialog mit Minsterin Schmied, Minister Töchterle zu Hochschulbildung

Zweiter Teil der Beratungen mit zuständigen Ministerien für rasche Bildungsreformen

Wien (OTS) - (ÖGB) Am 2. Februar 2011 fand der erste "Bildungsdialog" der Sozialpartner einschließlich der Industriellenvereinigung mit den damals zuständigen Bundesministerinnen Claudia Schmied und Beatrix Karl statt. Sozialpartner und IV hatten dabei ein Konzept für einen intensiven "Bildungsdialog" präsentiert, in dem sie ihre gemeinsamen Positionen zu aktuellen bildungspolitischen Vorhaben formulierten und Pläne der Unterrichts- und Wissenschaftsministerinnen unterstützten. Beim gestrigen zweiten Teil des Bildungsdialogs ging es um die Positionen von Sozialpartnern und IV zum Thema Hochschulen.++++

Die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs hängt in hohem Ausmaß auch davon ab, ob ausreichend hochqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Der Wissens- und Innovationstransfer von den Hochschulen zur Arbeitswelt wird in Zukunft nicht allein über die derzeitigen HochschulabsolventInnenzahlen erfolgen können. Im Sinne wachsender Herausforderungen an Wirtschaft und Gesellschaft müssen daher mehr Personen als bisher die Chance zur Höherqualifizierung auf Hochschulniveau erhalten und die Studienangebote auf Basis europäischer Entwicklungen im weitaus stärkerem Umfang als bisher entsprechend den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfordernissen konzipiert sein.

ÖGB-Präsident Foglar: Lehr- und Lernbedingungen an Universitäten verbessern
"Die Qualität der Lehre ist ein wesentlicher Maßstab für den Stellenwert und die Reputation unserer Universitäten im In- und auch im Ausland", sagte ÖGB-Präsident Erich Foglar. "Es ist dringend nötig, Lehr- und Lernbedingungen an den Universitäten zu schaffen, die den Bedarf der Studierenden nach den bestqualifizierten Vortragenden erfüllen, und die den Fokus der Tätigkeit der Lehrenden von der Forschung wieder mehr in die Hörsäle verlagert."

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die nötige Steigerung der Akzeptanz von Bachelorabschlüssen: "Das Ziel der Bolognastrategie, Masterabschlüsse berufsbegleitend zu absolvieren, geht in der Realität nicht auf", kritisiert Foglar. "Grund dafür ist, dass die eigentliche Struktur der Studien oft nicht geändert wurde, sondern nur der Inhalt vom zwei- auf das dreigliedrige System verteilt wurde. Das hat zur Folge, dass mit dem Bachelorabschluss in der Arbeitswelt nur sehr schwierig Fuß gefasst werden kann und dass daher fast zwangsläufig ein Masterstudium angeschlossen werden muss."

WKÖ-Präsident Leitl: Fachkräftemangel ist Grund zur Sorge
Neben der Anpassung der Studienangebote an wirtschaftliche Erfordernisse gelte es, auch die Studienwahlorientierung und Information für die angehenden Studierenden zu intensivieren, betonte WKÖ-Präsident Christoph Leitl: "Gerade technische und naturwissenschaftliche Studienrichtungen sollen verstärkt in den Fokus - insbesondere auch von Studienanfängerinnen - rücken." In diesem Zusammenhang wäre eine verbindliche Berufs- und Studieninformation noch vor dem Eintritt in ein Hochschulsystem in der Sekundarstufe II ein wichtiger erster Schritt. Neben Reformschritten auf dem Hochschulsektor müsse aber auch die duale Ausbildung attraktiver gemacht werden. Leitl: "Der schon bestehende Fachkräftemangel macht nicht nur den Unternehmen, sondern auch uns Sozialpartnern Sorge."

AK-Präsident Tumpel: Bessere Studienchancen für Berufstätige AK-Präsident Herbert Tumpel setzte sich dafür ein, dass in Österreich mehr junge Menschen als derzeit ein Studium anfangen und auch abschließen können. "Wenn hier nichts geschieht, verlieren wir den Anschluss an die anderen Industrieländer", warnte Tumpel. Er verwies auf die niedrige Hochschulabschlussquote in Österreich: 25 Prozent der betroffenen Altersgruppe - statt mindestens 38 Prozent wie im Schnitt der Länder in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Vor allem Berufstätigen müssten mehr und bessere Studienchancen geboten werden. "Es ist untragbar, dass bereits fast zwei Drittel unserer Studierenden ganzjährig neben dem Studium arbeiten müssen", so der AK Präsident.

Die Sozialpartner seien sich einig, dass jede Universität mindestens zwei berufsbegleitende Pilotstudienprojekte einrichten solle, für die es ausreichend Mittel geben müsse. "An den Fachhochschulen können derzeit mehr als ein Drittel ein berufsbegleitendes Studienangebot nutzen. An den Unis sind solche Angebote selten", sagte Tumpel. Die Sozialpartner wollen übrigens, dass der Anteil der berufsbegleitend Studierenden an den Fachhochschulen bis 2012 auf 40 Prozent erhöht wird.

LKÖ-Präsident Wlodkowski: Bildungsangebot im ländlichen Raum erweitern
Im ländlichen Raum würden die Anforderungen an das Bildungssystem ständig zunehmen, das sei eine große Herausforderung für das gesamte Bildungssystem, sagte LKÖ-Präsident Gerhard Wlodkowski. "Für den ländlichen Raum braucht es auf Sicht eine wesentlich verbesserte Infrastruktur im Bildungsbereich, sodass auch in Regionen abseits der Ballungszentren mehr Angebot und mehr Auswahl besteht. Und man muss auch im ländlichen Raum den Zugang zu höherer Bildung verbessern, die Durchlässigkeit der unterschiedlichen Bildungszweige erhöhen und die Finanzierung sicherstellen."

Wlodkowski ortete weiters beim Thema Berufsreifeprüfungen Verbesserungsbedarf: "Auch hier brauchen wir Erleichterungen, vor allem für berufstätige Menschen, diesen Bereich müssen wir verstärkt forcieren."

IV-Präsident Sorger: "Fachkräfte sind Überlebensfrage des Industriestandortes Österreich"
IV-Präsident Dr. Veit Sorger erklärte, Österreich verliere schleichend aber stetig hart erarbeitete Standortvorteile - das jüngst veröffentlichte Ranking des Schweizer Instituts IMD sei als "aktueller Weckruf" zu sehen, Österreich falle hier von Rang 14 auf 18 zurück. Gerade im Bildungs- und Ausbildungsbereich gebe es massiven Handlungsbedarf. "Acht von zehn Leitbetrieben in Österreich haben heute die Sorge, dass die Diskrepanz zwischen der Unternehmensnachfrage nach Qualifikation und dem Qualifikationsangebot des Bildungssystems zunimmt. Bereits heute haben bis zu drei Viertel der großen Industrieunternehmen Probleme, ausreichend Personal in Zukunftsbereichen (F&E, Technik, Produktion) zu finden. Ein zukunftsorientiertes Bildungssystem und eine ausreichende Zahl an motivierten MINT-Qualifizierten wird damit immer mehr zur Überlebensfrage des Industriestandortes Österreich", betonte Sorger. Die Industrie stelle daher an sich selbst die Anforderung, "uns bildungspolitisch zu engagieren, um für unsere Kinder die beste Bildung sicherzustellen", so der IV-Präsident, der in dem Zusammenhang Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle für dessen Pläne dankte, den Fachhochschulsektor stärker auszubauen. "Gerade in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sind Fachhochschulen verlässliche Partner der Industrie", sagte Sorger.

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Nani Kauer
Tel.: +43/1/53444-39261
www.oegb.at

Wirtschaftskammer Österreich
Rupert Haberson
Tel.: +43(0)590900-4362
www.wko.at

AK Wien Kommunikation
Peter Mitterhuber
Tel.: +43/1/50165-2347
http://wien.arbeiterkammer.at

Landwirtschaftskammer Österreich
Josef Siffert
Tel.: +43/1/53441-8521
www.lk-oe.at

Industriellenvereinigung
Raphael Draschtak
Telefon: +43/1/71135-2305
www.iv-net.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0001