• 20.06.2011, 15:54:57
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Psychotherapeutische Versorgung mangelhaft

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie fordert zielführende Maßnahmen vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger

Wien (OTS) - Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie
(ÖBVP) fordert seit Jahren effiziente Verhandlungsgespräche mit dem
Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVB) bezüglich eines
Gesamtkassenvertrags zur psychotherapeutischen Versorgung der
Bevölkerung. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Gesundheit
Österreich GmbH/Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen
(GÖG/ÖBIG) und einer eigenen Erhebung der Sozialversicherung zeigen,
dass der Appell des ÖBVP brisanter ist denn je: Das
Versorgungsangebot in Österreich ist nicht ausreichend. Rund 65.000
Personen haben im Jahr 2009 Psychotherapie in Anspruch genommen. Der
Bedarf liegt wesentlich darüber: zwischen 2 und 5 Prozent der
Bevölkerung, das sind 168.000 und 400.000 Personen.

Der Versorgungsgrad mittels Psychotherapie liegt nun gerade einmal
bei 0,8 Prozent. Die nach wie vor größten Hürden für PatientInnen
sind laut GÖG/ÖBIG lange Wartezeiten auf Kassenplätze. Das hat zur
Folge, dass sich etwa 35.000 aller Psychotherapie-PatientInnen an
niedergelassene PsychotherapeutInnen wenden, die keine
kassenvollfinanzierten Psychotherapien anbieten können. Die
Versicherungsträger finanzieren dazu zwar einen Kostenzuschuss,
dieser deckt in der Regel jedoch nur ein Viertel der
Behandlungskosten. Viele Betroffene können keine Psychotherapie in
Anspruch nehmen, da sie keine Kassenplätze finden oder sich eine
großteils selbst zu zahlende Psychotherapie nicht leisten können. Der
ÖBVP sieht, ebenso wie GÖG/ÖBIG, in der Einführung der
kassenfinanzierten Psychotherapie einen Meilenstein im
Gesundheitssystem. "Wir haben unsere Versorgungskonzepte sowohl dem
Gesundheitsminister als auch dem Hauptverband vorgelegt. Wir hoffen
nun, aufgrund der alarmierenden Zahlen, auf eine ernsthafte
Gesprächsbereitschaft von Seiten des Hauptverbandes", so Dr.in Eva
Mückstein, Präsidentin des ÖBVP.

Das langjährig verfolgte Ziel des ÖBVP, die durchgängige
Kassenfinanzierung der Psychotherapie, ist auch aus Sicht der
GÖG/ÖBIG ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der
psychotherapeutischen Versorgungslage. Das meinen GÖG/ÖBIG dazu:

- Psychotherapie-Angebot erweitern und Verbesserung der
Zugangsmöglichkeiten sichern,
- Kontingentierung der kassenfinanzierten Psychotherapie-Einheiten
aufheben,
- Psychotherapeutische Versorgung vereinheitlichen und der
medizinischen Versorgung gleichstellen,
- Gesamtvertrag für Psychotherapie (zwischen Kassen und ÖBVP) ist
ein probater Weg zur Verbesserung der Versorgungslage,
- Nachfrageorientierung zur Qualitätssicherung fehlt aufgrund der
Kontingentierung,
- Datenlage zur psychotherapeutischen Versorgung muss wesentlich
verbessert werden.

Psychische Erkrankungen verursachen Langzeitkrankenstände und
Frühberentungen

900.000 Menschen in Österreich nahmen laut Hauptverbandsstudie im
Jahr 2009 das Gesundheitssystem wegen psychischer Erkrankungen in
Anspruch, die Kosten dafür liegen bei 750 Millionen Euro. Alarmierend
ist vor allem die Tendenz zum Anstieg psychischer Erkrankungen:
Krankenstände wegen psychischer Diagnosen steigen doppelt so stark an
wie jene mit körperlichen Ursachen. Von 2007 auf 2009 ist ein Anstieg
um 22 Prozent zu verzeichnen, während bei körperlichen Erkrankungen
ein Anstieg um nur 10 Prozent festzustellen ist. Psychische
Erkrankungen sind mittlerweile auch bereits die häufigste Ursache für
die Inanspruchnahme von Frühpensionen, jede dritte Frühberentung geht
auf psychische Diagnosen zurück.

Rückfragehinweis:
Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin ÖBVP
T: 0676/600 46 76, E: [email protected]
Mag.a Barbara Zsivkovits, Presse & PR ÖBVP
T: 01/512 70 90.23, E: [email protected] www.psychotherapie.at

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