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"Die Presse"-Leitartikel: Wachsamkeit, nicht Angst vor Allahs Kriegern, von Andreas Wetz
Ausgabe vom 17. 06. 2011
Wien (OTS) - Die jüngsten Festnahmen von Terrorverdächtigen
zeigen, dass der Westen die Angriffe religiöser Eiferer ganz gut
unter Kontrolle hat - auf eigenem Territorium.
Es war an einem warmen Frühsommernachmittag, als die Falle auf dem
Flughafen Schwechat zuschnappte, ohne großes Aufsehen zu erregen.
Zwischen den Gates nahmen Beamte des österreichischen Staatsschutzes
zwei Männer und eine Frau fest. Ihr Reiseziel: Pakistan. Ihr Plan:
sich in einem Ausbildungslager für Terroristen zu Jüngern des
Heiligen Krieges gegen die Ungläubigen ausbilden zu lassen. In Wien
klopfte es zeitgleich an der Tür eines Helfers. Auch er wurde
festgenommen. Wie das zu deuten ist?
Ziemlich sicher anders, als es die Angstmacher der politischen
Scharfmacher und Boulevardmedien nun tun werden. Eine Welle der
Hysterie, wie sie in den Jahren nach den Anschlägen vom 11. September
2001 durch die westliche Welt schwappte, ist nicht angebracht. Der
Staat und seine Behörden brauchen auch keine neuen Befugnisse im
Kampf gegen den islamistisch geprägten Terror. Schon gar nicht
solche, die die Freiheiten der eigenen Bürger beschneiden. Wie man
sieht, sind die vorhandenen Mittel ausreichend und effizient.
Vielmehr zeigt der aktuelle Fall im Kontext vorangegangener Aktionen,
dass die sogenannte zivilisierte Welt, also jene Länder, die sich die
fanatischen Glaubenskrieger als Ziele auserwählt haben, inzwischen
ganz gut mit der Bedrohung zurechtkommt. Beispiele dafür gibt es
genug.
Erst Mitte Mai nahmen Fahnder in Berlin einen 21-jährigen
Österreicher fest, der ein Terrorcamp besucht, Glaubensbrüder
angeworben und Geld für seine Organisation "Deutsche Taliban
Mudschaheddin" beschafft hatte. Nur zwei Wochen vorher forschten die
Behörden in Düsseldorf eine Terrorzelle aus. Dabei wurde eine größere
Menge Sprengstoff sichergestellt. Die Vorbereitungen sollen sich in
einem fortgeschrittenen Stadium befunden haben. Die Verdächtigen
pflegten Kontakte nach Österreich.
Ebendort flog im Dezember 2010 ein gebürtiger Tschetschene auf, der
von der niederösterreichischen Bezirkshauptstadt Neunkirchen aus in
die Vorbereitungen auf einen Anschlag gegen einen mit Nato-Soldaten
besetzten Zug beteiligt gewesen sein soll. Die Liste an Festnahmen
mutmaßlicher und zu einem Gutteil auch verurteilter Terroristen lässt
sich fast beliebig verlängern. In jüngster Vergangenheit ist nur ein
einziger Fall bekannt geworden, bei dem sich die Behörden vorwerfen
lassen müssen, bis zum Schluss ahnungslos gewesen zu sein: Anfang
März schoss ein 21-jähriger Kosovare mit islamistischem Hintergrund
auf dem Frankfurter Flughafen auf eine Gruppe US-Soldaten. Zwei
Personen starben. Der Mann handelte als Einzeltäter.
Wie die Terroristen selbst haben sich die Fahnder und
Nachrichtendienste dieser Welt inzwischen international vernetzt. Die
Zusammenarbeit mit dem Ausland, insbesondere Deutschland, loben
selbst launische österreichische Beamte. Bis vor wenigen Jahren gab
es im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT)
niemanden, der Arabisch verstand. Inzwischen wurden gezielt Kenner
von Sprache und Kultur angeworben. Heute verfügt das verschwiegene
Amt über das, was die Öffentlichkeit von ihm erwartet: Expertise und
Umsicht.
Grund zur Entwarnung ist das freilich keiner. Denn nur, weil immer
wieder Verdächtige auffliegen, bedeutet das nicht, dass der Spuk
vorbei ist. 39 Extremisten hatte der Staatsschutz zuletzt unter dem
Begriff "erweiterte Gefahrenerforschung" unter Beobachtung. Zwei
Drittel davon gelten als Islamisten, sind zum Teil gebürtige
Österreicher und Konvertiten. Diese sogenannte "Home-grown"-Szene
stuft das BVT als "die größte Bedrohung im Bundesgebiet" (Zitat:
Jahresbericht 2010) ein.
Das ist die eine Seite. Die andere blendet man hierzulande gern aus.
Ein Teil der Szene ist nämlich längst dazu übergegangen, die
Glaubensbrüder bei ihren Anschlägen gegen Mitglieder der
internationalen Schutztruppe in Afghanistan und im Irak zu
unterstützen. Und ebendort ist man von einer Kontrolle des
islamistischen Terrorismus noch Lichtjahre entfernt. Wachsamkeit ist
also angebracht, Angst nicht.
Rückfragehinweis:
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Tel.: (01) 514 14-445
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