• 07.06.2011, 21:00:32
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Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 8. Juni 2011. Von PETER NINDLER. "Für Tunnel die Maut-Krot geschluckt"

Für die Finanzierung des Brenner-tunnels hat Tirol die höhere Unter-inntalmaut akzeptiert. Damit basta.

Innsbruck (OTS) - Der Mautzuschlag von 25 Prozent für Lkw im
Unterinntal macht verkehrspolitisch wenig Sinn. Für Transit-Lkw
verteuert sich die Strecke von Berlin bis Palermo nur um zwei bis
sechs Euro. Das ist locker verkraftbar. Heimische Frächter, die
beinahe täglich auf der 73 Kilometer langen Strecke zwischen Kufstein
und Innsbruck im Ziel- und Quellverkehr unterwegs sind, müssen
hingegen tief in die Tasche greifen. Die Mehrkosten von 4,6 bis acht
Millionen Euro bedeuten eine zusätzliche Belastung, die sie wohl auf
den Konsumenten abwälzen werden. Die Maßnahme trifft also wieder den
Steuerzahler.
All das hat die Landesregierung gewusst, als sie den
Finanzierungspakt für den Brennerbasistunnel unterschrieben und dafür
die Maut-Krot im Unterinntal geschluckt hat. 13,7 Millionen Euro
werden dort jährlich für die Tunnelfinanzierung eingenommen, im
Gegenzug sichert der Bund den Finanzierungsanteil für den Basistunnel
von fünf Milliarden zu. Wenn Tirol jetzt gegen die Mauterhöhung
schimpft, ist das nicht seriös. Schließlich hat das Land beim
Basistunnel seinerseits stets Pakttreue vom Bund eingemahnt.
Der Streit um die Lkw-Maut beweist einmal mehr, dass der
Brennertunnel nicht automatisch mit einer zukunftsorientierten
Verkehrspolitik gleichzusetzen ist. Selbstverständlich benötigt es
eine höhere Korridormaut zwischen Rosenheim und Verona, aber dann
müssten endlich Deutschland und Italien ihre Billig-Mautpolitik
ändern. Doch EU, Deutschland und Italien verharren lieber in der
verkehrspolitischen Steinzeit. Brennertunnel ja, aber zu
verkehrsverlagernden Maßnahmen kann man sich nicht durchringen.
Der nächste Tiefschlag dürfte in wenigen Wochen folgen, wenn die EU
das sektorale Lkw-Fahrverbot in Tirol aufhebt. Europäische
Verkehrspolitik sieht anders aus. Aber auch das wissen wir seit
Jahren.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610

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