- 19.05.2011, 12:58:42
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Lebenshilfe lehnt Stundenkürzung beim Integrationsunterricht ab
Weber: "Ausgrenzung von behinderten Menschen ist unzulässig."
Wien (OTS) - Im Zuge der Diskussion zu den Kürzungen der
Lehrerstunden in den Salzburger Integrationsklassen ruft
Lebenshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Germain Weber den politisch
Verantwortlichen die UN-Behindertenrechtskonvention ins Gedächtnis.
Weber: "Die Entwicklungen in Salzburg und auch in der Steiermark
zeigen, dass sich die Landespolitik von der Inklusion behinderter
Menschen in der Gesellschaft distanziert. Aber: Die UN-Konvention
gilt auch in den Bundesländern! Die Ausgrenzung und Absonderung von
behinderten Menschen ist unzulässig, sei es in der Schule, in der
Freizeit oder im Arbeitsumfeld." Weber warnt vor einem
Ausgrenzungsschub, sollte sich die Politik vom Inklusionsprinzip
wegbewegen.
"13.000 Jugendliche und Kinder mit intellektueller
Beeinträchtigung in Österreich sind von der Teilhabe an Bildung in
der Oberstufe ausgeschlossen. Jetzt auch noch im Pflichtschulbereich
den Sparstift anzusetzen, ist grundlegend abzulehnen", erklärt Weber.
Stundenkürzung widerspricht UN-Behindertenrechtskonvention
Die vom österreichischen Nationalrat ratifizierte
UN-Behindertenrechtskonvention hält fest, dass behinderte Menschen
"nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden" dürfen.
Weber dazu: "Für Kinder mit Behinderungen müssen die gleichen Rechten
gelten wie für ihre Kollegen und Kolleginnen ohne Behinderungen. Sie
haben ein Recht auf Inklusion. Inklusion ist kein Zugeständnis der
Politik, wir sehen uns nicht als Bittsteller. Inklusion ist ein
Menschenrecht, dessen Umsetzung keinen Aufschub mehr duldet."
Dem Kostenargument der Landesregierung kann Weber nichts
abgewinnen. Er bezieht sich dabei auf die kürzlich vom Institut für
Bildungswissenschaften der Uni Wien veröffentlichte Studie, wonach
die inklusive Schulbildung mehr Ressourcen einspart als sie Kosten
verursacht. Die inklusive Schule gilt zudem als wichtiges Sprungbrett
in den ersten Arbeitsmarkt, zu dem Menschen mit Behinderungen nach
wie vor nur beschränkten Zugang haben.
Stufenplan zur Schule für alle
Die Lebenshilfe Österreich hat vorigen Herbst einen Stufenplan
vorgelegt, der den inklusiven Unterricht bis 2016 vorsieht. In einer
inklusiven Schule oder "Schule für alle", wie sie die Lebenshilfe
Österreich fordert, werden Kinder mit und ohne Behinderungen
gemeinsam in der Unter- und Oberstufe unterrichtet. Die Eckpunkte:
Sonderschul-Lehrkräfte unterrichten an inklusiven Schulen gemeinsam
mit anderen Lehrerinnen und Lehrern. Als Ergänzung werden
Schulassistentinnen und -assistenten eingesetzt. Anstelle von neuen
Sonderschulgebäuden werden allgemeine Schulen für den inklusiven
Unterricht adaptiert. Sonderpädagogische Zentren werden in
Pädagogische Zentren umgewandelt. "Es geht uns nicht darum, die
Sonderschulen zu schließen, sondern diese in inklusive Schulen
umzuwandeln. Wir werden es nicht hinnehmen, dass jungen,
wissbegierigen Menschen ihr Recht auf Bildung verwehrt wird", betont
Weber abschließend.
Rückfragehinweis:
Lebenshilfe Österreich
Eva Schrammel
Tel.: 01/812 26 42 - 79 oder 0664/88 43 1996
mailto:[email protected]
www.lebenshilfe.at
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