- 18.05.2011, 10:41:10
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Österreichs Direktinvestitionen: 2010 stand Konsolidierung im Vordergrund
Wien (OTS) - Nach dem krisenbedingten, starken Rückgang war im
Jahr 2010 eine Konsolidierung der österreichischen
Direktinvestitionsaktivitäten zu beobachten. Österreichische
Direktinvestoren haben im Jahr 2010 8,2 Mrd EUR vorwiegend dafür
eingesetzt, vorhandene Beteiligungen zu stärken und ihr bestehendes
Investitionsportfolio abzurunden. Knapp die Hälfte der investierten
Mittel floss in Form von Eigenkapital ins Ausland, 3,5 Mrd EUR wurden
in Form nicht entnommener Gewinne im Ausland investiert und die
Kreditgewährung an ausländische Konzerngesellschaften belief sich
netto auf eine halbe Milliarde Euro. Umgekehrt haben ausländische
Geldgeber die finanzielle Basis ihrer österreichischen Beteiligungen
im selben Zeitraum um 5,0 Mrd EUR aufgestockt. Auch in diesem Fall
entfiel annähernd die Hälfte des Kapitals auf die Eigenkapitalzufuhr.
Die vorläufige Schätzung der reinvestierten Gewinne belief sich auf
2,7 Mrd EUR und die konzerninternen Kredite wurden um eine viertel
Milliarde Euro zurückgeführt.
Im Vergleich zum Vorjahr bedeuten die Ergebnisse der Zahlungsbilanz
2010 eine Belebung der aktiven Direktinvestitionen und eine
Stagnation auf der Passivseite. Das Ergebnis für die
"Direktinvestitionen im weiteren Sinne" war sogar deutlich negativ,
da sich im Berichtszeitraum eine auslandskontrollierte
Holdinggesellschaft ohne wirtschaftliche Aktivitäten in Österreich
(sog. Special Purpose Entity) mit Auslandsaktiva und -passiva von
mehr als 20 Mrd EUR aus Österreich zurückgezogen hat.
Die regionale Streuung der aktiven Direktinvestitionen war 2010
sehr breit; in 25 verschiedene Länder wurden jeweils mehr als 100 Mio
EUR investiert. An der Spitze lag die Türkei mit Investitionen von
1,3 Mrd EUR, wobei die Übernahme der Petrol Ofisi durch die OMV das
herausragende Ereignis darstellte. Zypern, das häufig als Standort
für Investitionen aus oder nach Osteuropa dient, lag mit 870 Mio EUR
auf dem zweiten Platz. An dritter Stelle folgte mit 790 Mio EUR
Ungarn, eines der traditionellen Ziele heimischer Investoren. Relativ
viele neue Engagements gab es in Russland, wo 2010 660 Mio EUR
investiert wurden. Der ähnlich hohe Betrag gegenüber Südafrika beruht
hingegen vor allem auf der Rückzahlung konzerninterner Kredite. Mehr
als eine halbe Milliarde Euro wurde schließlich auch noch in der
Schweiz und in Rumänien investiert. Bei der Herkunft der
ausländischen Direktinvestitionsmittel dominierte 2010 ein
Eigenkapitalzuschuss von 2 Mrd EUR, den die Bank Austria von ihrer
italienischen Muttergesellschaft erhalten hatte. Daneben beobachtete
die OeNB vor allem massive Umschichtungen konzerninterner Kredite,
wobei hohe Zuflüsse aus Großbritannien durch Abflüsse nach
Frankreich, den USA und Italien kompensiert wurden. Die genannten
Verschiebungen haben keineswegs mit geänderten Kontrollstrukturen der
österreichischen Wirtschaft zu tun und sind auch nicht mit Gründung
und Beendigung wirtschaftlicher Aktivitäten gleichzusetzen.
Für eine Konsolidierung der Direktinvestitionen auf tieferem
Niveau spricht auch die Zahl der gemeldeten Investitionen. Wie schon
2009 gab es rund 1.000 Investitionen Österreichs im Ausland und rund
350 Investitionen des Auslands in Österreich.
Die Branchengliederung zeigt aktivseitig neben der bereits
erwähnten Großinvestition die üblichen Investitionen im Finanzsektor
(einschließlich Versicherungen und Leasing) und im Handel.
Vereinzelte, aber durchaus erwähnenswerte Engagements wurden im
Energiesektor, der Telekommunikationsbranche, im Maschinenbau, der
Papierindustrie, der Baustoffindustrie und im Transportsektor
registriert. Neben dem dominanten Bankensektor verzeichnete die
Statistik größere Investitionen in der Bauwirtschaft, z.B. den
Wiedereinstieg des russischen Investors Deripaska bei der Strabag, im
Telekomsektor sowie im Mineralölsektor und seinen nachgelagerten
Sektoren vom Handel über die Chemie- bis hin zur Pharmaindustrie.
Weitere statistische Daten siehe www.oenb.at.
Pressesprecher Dr. Christian Gutlederer, Tel.: (+43-1) 404 20-6609
mailto:[email protected]
Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
Tel.: (+43-1) 404 20-5555
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