- 17.05.2011, 13:32:40
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ÄrztInnen sollen kommunizieren und zuhören können ...
Welche Eigenschaften sollte ein guter Arzt oder eine gute Ärztin haben?

Wien (OTS) - Dieser Frage widmete sich gestern, Montag beim
DiskussionsFORUM des Haus der Barmherzigkeit eine ExpertInnen-Runde.
Die einhellige Meinung: Soziale Kompetenz ist erlernbar, insbesondere
Kommunikation. Daher wäre eine Fortbildung für ÄrztInnen in
Gesprächsführung sinnvoll. Das Eingehen auf Ängste und die
individuelle Situation eines Patienten spart Zeit.
Am Podium diskutierten der Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer,
der Vizerektor der MedUni Wien Rudolf Mallinger, der
Gesundheitsökonom Franz Piribauer, die Sprachwissenschafterin Marlene
Sator und Christoph Gisinger, Institutsdirektor und Ärztlicher Leiter
der gemeinnützigen Haus der Barmherzigkeit. Patricia Pawlicki
moderierte die Veranstaltung im Studio 44 der Österreichischen
Lotterien.
Junge MedizinstudentInnen müssen es verpflichtend besuchen: das
Praktikum "Soziale Kompetenz" der MedUni Wien in den beiden
Lehrkrankenhäusern des Haus der Barmherzigkeit in Wien. In der
renommierten Langzeit-Pflegeeinrichtung werden sie von
MitarbeiterInnen aus Medizin, Pflege und Therapie für eine
Kommunikation auf gleicher Augenhöhe mit alten, schwer
pflegebedürftigen Menschen sensibilisiert. Die Studierenden lernen,
wie sie einem PatientIn mit fortgeschrittener Demenz Wertschätzung
und Zeit zum Zuhören entgegenbringen und sie sich in dessen spezielle
Situation einfühlen können.
Kommunikation als Teil der ärztlichen Kompetenz sehen
Kommunikation steht im Mittelpunkt der sozialen Kompetenz und ist
erlernbar, so der Vizerektor der MedUni Wien Rudolf Mallinger, der
das Praktikum mitinitiierte. Allerdings gelte auch hier der Grundsatz
des lebenslangen Lernens - auch nach dem Berufseinstieg ins
Krankenhaus oder im niedergelassenen Bereich. Und genau hier findet
derzeit die Kommunikation nur mangelhaft statt. Studien haben
gezeigt, dass ÄrztInnen ihre PatientInnen nach 22 Sekunden
unterbrechen. Der Arzt empfindet jeden weiteren Versuch des
Patienten, sein Anliegen einzubringen, als Störung. Das Gespräch
verläuft ineffizient und beginnt sich im Kreis zu drehen. Die
Sprachwissenschafterin Marlene Sator ist zwar überzeugt, dass
ÄrztInnen bemüht und freundlich sind, es ihnen aber an den richtigen
Gesprächstechniken fehlt. Zum Beispiel sollten ÄrztInnen offene
Fragen stellen: "Wie ist ihr Schmerz?" anstelle von "Ist ihr Schmerz
pochend?" (geschlossene Frage). Der Gesundheitsökonom Franz Piribauer
sieht in der Verkürzung auf eine durchschnittliche Kontaktzeit von
"erschreckenden" drei Minuten in Österreich und einem steigenden
ökonomischen Druck die Ursachen. Seiner Meinung nach fehlt im
bevormundenden Gesundheitssystem die Feedback-Schleife an den Arzt.
Rückmeldungen über die Art und Weise der Kommunikation erhält der
Wiener Patientenanwalt Konrad Brustbauer meist in Form von
Beschwerden: "Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient hat oft gar
nicht stattgefunden. Entweder, weil der Patient gar keinen
Ansprechpartner findet oder der Arzt sich in dem Moment abwendet,
wenn es zu einer Komplikation gekommen ist. Im Krankenhaus-Alltag
gleichen oft PflegemitarbeiterInnen die Defizite der ärztlichen
Kommunikation aus, obwohl sie dies rechtlich nicht dürften."
ÄrztInnen entwickeln ihre soziale Kompetenz ein Leben lang weiter
Konsens herrschte bei der Auffassung, dass in einer
arbeitsteiligen Organisation auch die Zuständigkeit für ärztliche
Kommunikation geklärt werden muss. Selbst bei den bestehenden
Rahmenbedingungen kann eine Gesundheitseinrichtung durch veränderte
Gesprächstechniken für eine bessere Kommunikation sorgen.
Wünschenswert sei eine verpflichtende Fortbildung für praktizierende
ÄrztInnen in Kommunikation und sozialer Kompetenz, um diese lernen
und üben zu können. Aber auch PatientInnen sollten sich Gedanken
machen, wie sie mit einem Arzt reden. Denn Gesundheitsökonom
Piribauer meinte "Der, der verhandelt, lebt länger."
Die Österreichischen Lotterien und Pfizer Austria unterstützten
auch heuer das DiskussionsFORUM des gemeinnützigen Haus der
Barmherzigkeit.
Weitere Bilder unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/156
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Haus der Barmherzigkeit
Mag. Eva Bauer
Tel.: +43/1/40 199 DW 1323 oder +43/664/8270784
mailto:[email protected]
http://www.hausderbarmherzigkeit.at
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