- 17.05.2011, 11:50:42
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Univ.-Prof. Anton Pelinka zum 90-Jahr-Jubiläum: "Arbeiterkammern müssen sich den Problemen des 21. Jahrhunderts stellen"
5. Vollversammlung der XIV. Funktionsperiode
Linz (OTS) - Die Arbeiterkammern wurden vor 90 Jahren gegründet.
Deshalb steht die heutige Vollversammlung ganz im Zeichen dieses
Jubiläums. Politikwissenschafter Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka lobte
den erfolgreichen österreichischen Weg der Sozialpartnerschaft,
merkte aber gleichzeitig kritisch an: "Die Arbeiterkammern müssen
sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen."
"Die Entwicklung der Zweiten Republik ist ein Erfolgsgeschichte",
stellte Pelinka fest. Neben internationalen Faktoren wie
Marshall-Plan und europäischer Integration war dafür vor allem die
politische Kultur in Form einer Konsensdemokratie verantwortlich. Die
Instrumente dieser Konsensdemokratie waren die große Koalition und
die Sozialpartnerschaft.
"Die Gründung der Arbeiterkammern vor 90 Jahren drückte etwas aus,
was die Voraussetzung jeder Form von Sozialpartnerschaft ausmacht -
die Anerkennung eines Gleichgewichtes. Die Handelskammern hatte es ja
schon vorher gegeben", unterstrich Pelinka die Bedeutung der
Arbeiterkammern als eine der vier Säulen der Sozialpartnerschaft.
Charakteristisch ab 1945 war, dass "die großen, idealen, utopischen
Entwürfe einer perfekten Gesellschaft hintangestellt wurden - und ein
zupackender Pragmatismus in den Vordergrund trat."
So sehr die Arbeiterkammern und die Sozialpartnerschaft
Erfolgsfaktoren der Entwicklung der Zweiten Republik waren, so sehr
müssen sie sich auch weiterentwickeln: "Die positive Bilanz darf
nicht die Sicht auf die wachsenden Probleme verstellen, die eine
einfache Fortschreibung der bisherigen Strukturen nicht möglich
machen."
Pelinka ortet drei gesellschaftliche Probleme, "auf die die
Arbeiterkammern passende Antworten finden müssen":
* Ein neuer Typus von Arbeitnehmern/-innen ersetzt zunehmend den
alten. Für die verschiedenen Varianten dieses neuen Typus (zum
Beispiel geringfügig Beschäftigte oder Arbeitnehmer/-innen in
prekären Arbeitsverhältnisse) "müssen die Arbeiterkammern verstärkt
ihre Nützlichkeit unter Beweis stellen".
* Der "österreichische Weg", der die ersten Jahrzehnte nach 1945
bestimmt hat, ist in der bisherigen Form nicht mehr fortsetzbar.
Ökonomische Globalisierung und eine wachsende Internationalisierung
der Politik machen es immer schwieriger, die Politik durch einen
Konsens zwischen den österreichischen Akteuren/-innen bestimmen zu
wollen. Die Arbeitnehmerorganisationen müssen sich mehr noch als
bisher europäisch vernetzen.
* Der globale Megatrend der Feminisierung hat auch Österreich und
damit den österreichischen Arbeitsmarkt erfasst. Die
Frauenerwerbsquote steigt konstant. In allen gesellschaftlichen
Hierarchien ist der Frauenanteil "oben" signifikant geringer als
"unten". Aus Eigeninteresse sollten die Arbeiterkammern daher alles
tun, um der Gefahr zu entgehen, die Nachhut dieses Megatrends zu
sein.
Sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen, das
bedeutet für Univ.-Prof. Anton Pelinka "die grundlegenden
Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Zeit des erfolgreichen
"österreichischen Weges" zu übernehmen und einen österreichischen
Beitrag zu einem "europäischen Weg" zu entwickeln: einen Weg, der
soziale Balance, wirtschaftliche Dynamik und demokratische Qualität
verbindet; einen Weg der europäischen Sozialpartnerschaft und der
europäischen Demokratie."
Rückfragehinweis:
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. (FH) Wolfgang Spitzbart
Tel.: (0732) 6906-2186
mailto:[email protected]
http://www.arbeiterkammer.com
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