Univ.-Prof. Anton Pelinka zum 90-Jahr-Jubiläum: "Arbeiterkammern müssen sich den Problemen des 21. Jahrhunderts stellen"

5. Vollversammlung der XIV. Funktionsperiode

Linz (OTS) - Die Arbeiterkammern wurden vor 90 Jahren gegründet. Deshalb steht die heutige Vollversammlung ganz im Zeichen dieses Jubiläums. Politikwissenschafter Univ.-Prof. Dr. Anton Pelinka lobte den erfolgreichen österreichischen Weg der Sozialpartnerschaft, merkte aber gleichzeitig kritisch an: "Die Arbeiterkammern müssen sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen."

"Die Entwicklung der Zweiten Republik ist ein Erfolgsgeschichte", stellte Pelinka fest. Neben internationalen Faktoren wie Marshall-Plan und europäischer Integration war dafür vor allem die politische Kultur in Form einer Konsensdemokratie verantwortlich. Die Instrumente dieser Konsensdemokratie waren die große Koalition und die Sozialpartnerschaft.

"Die Gründung der Arbeiterkammern vor 90 Jahren drückte etwas aus, was die Voraussetzung jeder Form von Sozialpartnerschaft ausmacht -die Anerkennung eines Gleichgewichtes. Die Handelskammern hatte es ja schon vorher gegeben", unterstrich Pelinka die Bedeutung der Arbeiterkammern als eine der vier Säulen der Sozialpartnerschaft. Charakteristisch ab 1945 war, dass "die großen, idealen, utopischen Entwürfe einer perfekten Gesellschaft hintangestellt wurden - und ein zupackender Pragmatismus in den Vordergrund trat."

So sehr die Arbeiterkammern und die Sozialpartnerschaft Erfolgsfaktoren der Entwicklung der Zweiten Republik waren, so sehr müssen sie sich auch weiterentwickeln: "Die positive Bilanz darf nicht die Sicht auf die wachsenden Probleme verstellen, die eine einfache Fortschreibung der bisherigen Strukturen nicht möglich machen."

Pelinka ortet drei gesellschaftliche Probleme, "auf die die Arbeiterkammern passende Antworten finden müssen":

* Ein neuer Typus von Arbeitnehmern/-innen ersetzt zunehmend den alten. Für die verschiedenen Varianten dieses neuen Typus (zum Beispiel geringfügig Beschäftigte oder Arbeitnehmer/-innen in prekären Arbeitsverhältnisse) "müssen die Arbeiterkammern verstärkt ihre Nützlichkeit unter Beweis stellen".

* Der "österreichische Weg", der die ersten Jahrzehnte nach 1945 bestimmt hat, ist in der bisherigen Form nicht mehr fortsetzbar. Ökonomische Globalisierung und eine wachsende Internationalisierung der Politik machen es immer schwieriger, die Politik durch einen Konsens zwischen den österreichischen Akteuren/-innen bestimmen zu wollen. Die Arbeitnehmerorganisationen müssen sich mehr noch als bisher europäisch vernetzen.

* Der globale Megatrend der Feminisierung hat auch Österreich und damit den österreichischen Arbeitsmarkt erfasst. Die Frauenerwerbsquote steigt konstant. In allen gesellschaftlichen Hierarchien ist der Frauenanteil "oben" signifikant geringer als "unten". Aus Eigeninteresse sollten die Arbeiterkammern daher alles tun, um der Gefahr zu entgehen, die Nachhut dieses Megatrends zu sein.

Sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen, das bedeutet für Univ.-Prof. Anton Pelinka "die grundlegenden Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Zeit des erfolgreichen "österreichischen Weges" zu übernehmen und einen österreichischen Beitrag zu einem "europäischen Weg" zu entwickeln: einen Weg, der soziale Balance, wirtschaftliche Dynamik und demokratische Qualität verbindet; einen Weg der europäischen Sozialpartnerschaft und der europäischen Demokratie."

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