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"Die Presse am Sonntag" - Leitartikel: Die Reisen des Herrn Strache, von Rainer Nowak
Ausgabe vom 15.05.2011
Wien (OTS) - Nennen wir es einfach Unterhaltungsprogramm. Es ist
völlig irrelevant, wohin und zu wem Heinz-Christian Strache in
eigener Mission reist. Hauptsache, er ist nicht da und muss sich
nicht inhaltlich festlegen.
Heinz-Christian Strache hält sich brav an sein Skript. Er folgt der
Vorlage auf Punkt und Beistrich, gehorcht präzise den Anweisungen
seines intellektuellen Bypasses Herbert Kickl und spielt den großen
Klassiker der österreichischen Innenpolitik nach: den Aufstieg Jörg
Haiders. Zumindest versucht er es.
So wie der mittlerweile verstorbene FPÖ-Chef in der 1990er-Jahren
signalisiert Strache mit einzelnen Auftritten und dosierten
Provokationen der extremen Rechten, dass er sie nicht vergessen hat.
Gleichzeitig versucht er, in der Öffentlichkeit etwas auf Distanz zu
gehen. Lieber trifft er sich mit hemmungslos pragmatischen Populisten
denn mit Rechtsaußen-Politikern, die 1945 für das Katastrophenjahr
halten. Barbara Rosenkranz wurde dezent in die Landespolitik
zurückgedrängt, Barbara Kappel darf das neue FPÖ-Frauenbild
repräsentieren. Andreas Mölzer saß schon Jörg Haider mit der Warnung
vor dem Verrat des dritten Lagers im Nacken, heute piesackt er
folgerichtig Strache, um ein passendes deutsches Wort zu verwenden.
Dabei ist die Gefahr, dass Strache die Ertüchtigung beim
Softgun-Spielen vergisst, geringer als bei Haider, der am schönen
Wörther See schon einmal seine alte Bude vergaß.
Exakt nach Drehbuch unterhält uns Strache dieser Tage mit
geheimnisvollen Auslandsreisen. Wie früher der Kärntner verschwindet
Strache heute immer wieder einmal, flüstert von hochrangigen
internationalen Treffen mit führenden, nicht übertrieben bekannten
Politikern, kündigt Einladungen von allerhöchster Seite an und prahlt
mit exklusiven Kontakten. Wirklich konkret wird er nicht. Das Treffen
mit führenden Rechtspolitikern am vergangenen Sonntag habe gar nicht
stattgefunden, meint das "Profil" fast ein wenig vorwurfsvoll. Dabei
hätte Strache doch die umstrittene Totenrede auf dem Heldenplatz vor
Burschenschaftern und Ähnlichgesinnten halten sollen - Skandal,
Empörung und Demonstrationen seiner Kritiker inklusive. Straches
Reaktion wird klassisch sein: Er sagte doch, dass es ein
Geheimtreffen war, das kann doch kein Teilnehmer bestätigen. Und ist
ein Ausflug nach Oberitalien von Strache und Mitarbeitern nicht schon
selbst ein kleiner Rechts-Gipfel? Wie Haider bekommt Strache bei den
anderen erfolgreichen Outlaws des Kontinents die Anerkennung, die ihm
von offizieller Seite in Wien immer versagt wird. Eine europaweite
gemeinsame Rechtspopulisten-Kampagne gegen Schengen, Euro und
Asylbewerber dürfte für ihn kein Schaden sein. Als Zwischenwahlkampf
eignet sich das leider besser als eine Wehrpflichtabstimmung. Vor
allem aber gelingt es ihm, mit seinen geheimnisvollen Reisen von der
völligen Inhaltsleere abzulenken. Er ist gegen Missstände. Wofür er
aber steht, sagt er nie. Festlegungen in Sozial-, Wirtschafts- oder
Gesundheitspolitik gibt es kaum, und wenn, dann nur in Form von
Schlagwörtern.
Vielleicht ist das der Unterschied zu Haider: Der hatte ein paar
Visionen. Strache verspricht lieber nichts, was kompliziert ist und
er einmal brechen könnte.
Er ist nur gegen SPÖ und ÖVP. Aber das reicht zur Zeit in Österreich.
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