Sieg der Vernunft? Atempause bis 2012 für umstrittene Schulhof-Garage Hernals

300 SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern bekräftigen ihren Widerstand und fordern die Prüfung weiterer Alternativstandorte

Wien (OTS) - Am 3. Mai lud der Elternverein des Gymnasiums Geblergasse in Wien Hernals alle Betroffenen und Entscheidungsträger zu einer Versammlung, um über den geplanten Bau einer Tiefgarage im Schulhof zu diskutieren. "Seit 2009 werden uns Unterlagen über die Dauer der Bauzeit, die Staub- und Lärmbelastung, den Brandschutz und die Schulwegsicherheit vorenthalten", machte sich dort ein Vater und Mitglied der Bürgerinitiative "Rettet den Schulhof des GRG 17" Luft.

Obwohl das Projekt im Juni 2010 vertraglich beschlossen wurde und sich bereits in der Baugenehmigungsphase befindet, gab es auch Dienstag Abend kaum konkrete Informationen für die über 300 anwesenden SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und Anrainer.

Fest steht jedoch, dass die Bagger frühestens nächstes Jahr rollen sollen: "Die Aushubarbeiten werden während der Sommerferien 2012 stattfinden und der gesamte Bau ist in 18 Monaten abzuwickeln", versicherte Friedrich Lind, Geschäftsführer der Garagenerrichtungsgesellschaft. Unterdessen geht der Protest der Schulgemeinschaft gegen das Garagenprojekt weiter. In einem Offenen Brief an Bürgermeister Häupl werden die Betroffenen nochmals an ihn appellieren, in diesem Interessenkonflikt eine abschließende Entscheidung zu Gunsten der SchülerInnen herbei zu führen.

"Wir wollen hier Bildung vermitteln und können uns nicht vorstellen, wie das mit einer Großbaustelle gehen soll! Noch dazu läuft an unserer Schule ein Pilotprojekt für Ganztagsklassen, das durch den Tiefgaragenbau gefährdet wäre", fasst Lehrerin Bettina Stokhammer, die Stimmung im GRG 17 zusammen. Angesichts des "Spagates zwischen Bildung und Verkehr" stellte SP-Bezirksvorsteherin Ilse Pfeffer eine Anrainerbefragung "unter Einbindung öffentlicher Institutionen" in den Raum. Eva Posad als Vertreterin des Schulgemeinschaftsausschusses äußerte sich dazu skeptisch - es müsste dann für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen, als tatsächlich Betroffene, Stimmrechte geben. Gemeinderat Rüdiger Maresch versprach, sich bei Vizebürgermeisterin Vassilakou dafür einzusetzen, dass die Schulgemeinschaft nicht nur befragt wird, sondern tatsächlich mitentscheiden kann.

Trotz eindringlicher Bitte der Veranstalter erschien der zuständige Bautechniker der Errichtungsgesellschaft nicht, sodass wesentliche Fragen offen blieben. Auch hatte der Wiener Garagenkoordinator die aktuellen Pläne nicht bei sich. Immerhin wurde die Übermittelung an die Direktorin zugesagt. Aussagen wie: "Aufgrund der Deckelbauweise wird es weder Staub noch Lärm geben" sollten wohl beruhigen. Aber schon bald war klar, dass der Abtransport von 21.000 Kubikmetern Erdreich - weder lärm- noch staubfrei oder gefahrlos für SchülerInnen und Anrainer erfolgen kann. "Möglicherweise erfolgt der Abtransport unter dem Turnsaal und über die Hernalser Hauptstraße hinaus", war dann zu hören. Ob der Turnsaal, der erst 2010 generalsaniert wurde, allerdings die dafür nötige tragende Decke hat, war bisher angeblich nicht zu eruieren.

"Es gibt nach wie vor nur oberflächliche Skizzen dazu, wie unser Hof nach dem Garagenbau aussehen soll", so der empörte Schulsprecher Christoph Mähner. "Was soll ich den SchülerInnen sagen, die fast 3.000 Unterschriften gesammelt haben und sich jetzt von den Politikern total übergangen fühlen?" SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen sind sich einig, dass dieses Projekt die Ausbildungsqualität im GRG 17 massiv beeinträchtigen würde. Der Pausenhof und Sportplatz kann möglicherweise jahrelang nicht benutzt werden.

"Warum ist der Stadtschulrat nicht für meine Kinder da?", fragte ein empörter Vater auf der Versammlung, zu der kein Vertreter der pädagogischen Abteilung des Stadtschulrates - wohl aber mit Martin Kapoun der Abteilungsleiter für wirtschaftliche Angelegenheiten gekommen war. "Wir empfinden es als einen demokratiepolitischen Skandal, dass Garagenplätze höher bewertet werden als das Wohl von 650 SchülerInnen!", pflichtete ihm eine Mutter bei. Die 2010 politisch getroffene Entscheidung für den Garagenbau wurde von Kapoun als "demokratisch legitimiert" bezeichnet. Der Gemeinderat hatte die Grünfläche im Juni 2010 entsprechend umgewidmet und dadurch den Weg für die Tiefgarage erst geebnet. Suche nach Alternativstandorten muss weitergehen "Wie kann überhaupt jemand auf die Idee kommen, einen Schulhof als geeigneten Ort für eine Garage zu sehen?", stellte ein fassungsloser Schüler in den Raum. Der dringende Wunsch, weiter nach einem anderen Standort zu suchen, wurde an die Bezirksvorsteherin von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern herangetragen. Seit mehr als eineinhalb Jahren kämpfen die Betroffenen gegen die Zerstörung des Schulhofes des Hernalser Gymnasiums Geblergasse - einer der letzten Grünoasen des Bezirkes - durch eine vierstöckige Tiefgarage. "Wir werden alle legalen Mittel ausschöpfen, um dieses Unglück von unserer Schule abzuwenden", so Klaus Zambra, Elternvertreter und Sprecher der Bürgerinitiative abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Rückfragehinweis:
Klaus Zambra, Elternvereinsvertreter, Tel. 0664/60259 111 22
Florian Bach, Schulsprecher des GRG 17, Tel. 0664/ 877 39 13
Christof Mähner, Schulsprecher des GRG 17, Tel. 0664/ 118 38 80

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