Rahmenplan Donaustromlandschaft Wien-Bratislava: Alternativen zum abgesagten Naturversuch Bad Deutsch-Altenburg jetzt angehen!

- Umweltorganisationen legen Planungsgrundsätze für alternativen Rahmenplan auf den Tisch

Wien (OTS) -

  • BM Bures muss rasch handeln und genehmigungsfähiges Projekt vorantreiben
  • Ziel: Renaturierung durch behutsame Uferrückbauten und Gewässervernetzungen mit positivem Zusatzeffekt auf Sohleintiefungsproblem und Wasserweg

Wien, 03.05.11 (UWD) - Ende Februar 2011 stoppte das Land Niederösterreich das so genannte Naturversuchsprojekt Bad Deutsch-Altenburg der staatseigenen via donau. Das Vorhaben, das in einem der bestgeschützten Gebiete Europas massive bauliche Eingriffe vorgesehen hätte, war juristisch nicht genehmigungsfähig, da der Antrag mit dem absoluten Eingriffsverbot des NÖ Nationalparkgesetzes nicht vereinbar und damit rechtswidrig war. "Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen haben das Vorhaben zu Recht bemängelt. Jetzt geht es darum, ein genehmigungsfähiges Projekt zur bestmöglichen Wiederherstellung der ursprünglichen Stromlandschaft der Donau östlich von Wien und ihrer natürlichen Lebensräume auf die Beine zu stellen. Der Umweltdachverband, das Forum Wissenschaft & Umwelt (FWU), die Umweltorganisation Virus und die BI Donaufreunde haben sich deshalb an einen Tisch gesetzt und langfristige Planungsgrundsätze für einen alternativen Rahmenplan ausgearbeitet. Verkehrsministerin Doris Bures, die die politische Verantwortung für die bisherige Fehlentwicklung trägt, muss jetzt dringend dafür sorgen, dass ein genehmigungsfähiges Projekt rasch umgesetzt wird", erklärt Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbandes.

Neue Planungsgrundsätze für Flussprojekte der Donau östlich von Wien
"Bei den Planungen gilt es, die flussmorphologische Eigendynamik zu berücksichtigen und dynamische Prozesse weitestgehend zu erhalten. Die Eintiefung der Donausohle soll unter der Prämisse der Erhaltung der freien Fließstrecke mit einem Maßnahmen-Mix - z.B. erhöhte Normalgeschiebezugabe, Ökologisierung der Erhaltungsbaggerungen, Entlastung der Sohle durch mehr Wasser in die Au - gestoppt werden. Zudem müssen die Potenziale für Uferrückbau und Gewässervernetzung weitestgehend genutzt werden", erklärt Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation Virus.
"Das Problem der Feinsedimentablagerungen muss durch Minimierung der Freisetzung aus den bergwärts gelegenen Stauräumen und durch Rückbaumaßnahmen östlich von Wien angegangen werden, damit die Feinsedimente besser in die und mit der Donau abtransportiert werden können. Der Schifffahrt stehen mit den "River Information Services" und neuen nautischen Hilfsmitteln (DORIS) ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung, den Schiffsverkehr auf der Donau auch bei Niederwasser aufrecht zu erhalten. Dadurch kann auf massive bauliche Eingriffe verzichtet werden", so Günter Schobesberger von der BI Donaufreunde. "Für das FWU haben die Ziele des Nationalparks Donau-Auen absoluten Vorrang. Das bedeutet selbstverständlich eine Optimierung der Maßnahmen für die Dynamisierung der Auen und eine Minimierung technischer Eingriffe. Verbesserungen für die Schifffahrt dürfen diesem Ziel nicht abträglich sein und sind an der realen Situation, nicht an veralteten Interessenvorstellungen zu orientieren. Planung und Umsetzung der Maßnahmen müssen die natürliche ökosystemare Dynamik berücksichtigen. Angesichts des Zustandes der Donau muss eine längere Sanierungsphase eingeplant werden. Dabei gilt es, schrittweise vorzugehen und vom Fluss zu lernen. Die Konzepte müssen daher anpassungsfähig gestaltet, die Umsetzung der Maßnahmen muss flexibel sein", betont Reinhold Christian, Präsident des FWU. "Die Maßnahmen müssen außerdem in Übereinstimmung mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auf nationaler - Nationalpark-, Naturschutz- und Wasserrechtsgesetz, UVP - sowie EU-Ebene - Vogelschutz- und FFH-Richtlinie, WRRL - sowie internationaler Konventionen erfolgen", hebt Heilingbrunner hervor.

Neuer Naturversuch Hainburg: Gewässervernetzungen und behutsamer Uferrückbau
Auf Basis dieser Planungsgrundsätze legen die Umweltorganisationen zudem einen konkreten Vorschlag vor: "Der neue Naturversuch Hainburg ist von der Idee getragen, Renaturierungsschritte wie Uferrückbau und Gewässervernetzungen zu setzen, um damit Verbesserungen sowohl der ökologischen Bedingungen des Hauptstroms als auch der Wasserstraße Donau zu erreichen", so Heilingbrunner. Dabei steht eines fest:
"Grobschotterzugaben sind keineswegs das Non-Plus-Ultra zur Bekämpfung der Sohleintiefung. Wir wollen etwa als ein Element der zukünftig anzuwendenden Sohlstabilisierungsstrategie die Sohle im Hauptgerinne durch Ableitung eines Teils des Abflusses in Nebengewässer entlasten", so Rehm. Das Projekt besteht derzeit aus drei Teilen: 1. Anbindung des Spittelauer Arms zur Gewässervernetzung - aufbauend auf einem Projekt das bereits ausgearbeitet wurde, jedoch zurzeit auf Eis liegt. 2. Durchführung eines Uferrückbaus vom Spittelauer Arm bis zur Mündung des Tiergartenarmes, um die harte Ufersicherung zu entfernen. Und 3. sollen Einstromöffnungen im Bereich des Stopfenreuther Armes eine zusätzliche Gewässervernetzung bringen

Maßnahmen müssen rechtskonform und ökologisch abgesichert sein "Fest steht, dass für die Donaustromlandschaft Wien-Bratislava nur langfristige Planungen, die im Einklang mit Umwelt- und Naturschutz stehen, in Frage kommen. Maßnahmen und Projekte, die künftig durchgeführt werden, müssen alle rechtlichen Vorgaben erfüllen, ökologisch verträglich sein, dem modernen Stand der Technik entsprechen und sicher stellen, dass die auenökologischen Maßnahmen optimiert und die technischen Eingriffe, sowie auch die Eingriffe in den Lebensräumen der Nationalpark-Kernzone minimiert werden. Unser Vorschlag für einen Naturversuch, der das Eintreten dieser Prämissen zu testen imstande ist, liegt jedenfalls auf dem Tisch", erklären Heilingbrunner, Christian, Rehm und Schobesberger abschließend.

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Umweltdachverband
Dr.in Sylvia Steinbauer
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (++43-1)40113/21
sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
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