- 26.04.2011, 13:38:55
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Ärztekammer: Letztentscheidung im Spital muss beim Arzt bleiben
Ärztlicher Direktor als "primus inter pares" in der Kollegialen Führung - Neues Konzept für Wiener Krankenanstaltengesetz
Wien (OTS) - Die Ärztekammer regt die Neugestaltung des Wiener
Krankenanstaltengesetzes an. Zwar soll an der Kollegialen Führung
festgehalten werden, allerdings sollte das letzte Wort ein ärztliches
sein. Auf diese Weise werde das "Primat der Patientenorientierung" im
Spital bestmöglich abgesichert, und es werde verhindert, dass "bloße
Ökonomen über die Geschicke der Patientenbetreuung bestimmen", so
Ärztekammerpräsident Walter Dorner. ****
Der eigentliche Kernprozess eines Spitals sei nicht eine
ökonomisch gute Führung, sondern die bestmögliche Patientenbetreuung
mit ökonomisch vernünftigem Mitteleinsatz, ist der Ärztechef
überzeugt.
Dies könne jedenfalls nur abgesichert werden, wenn in der obersten
Managementhierarchie Personen tätig sind, die Wissen und Erfahrung im
Kernprozess der Patientenbetreuung haben, ergänzt der
Primarärztevertreter der Ärztekammer für Wien, Robert Hawliczek: "Es
ist wichtig, dass zwischen dem medizinischen Bereich und dem
geschäftlichen dieselbe Sprache gesprochen wird." Denn was nütze ein
gut geführtes Krankenhaus mit schwarzen Zahlen, "wenn die Patienten
dort schlecht behandelt werden oder unzufrieden sind?".
Unabhängige internationale Studien renommiertester Unternehmen wie
McKinsey belegen, dass Spitäler, die von Ärztinnen oder Ärzten
gemanagt werden, auch eine höhere Wirtschaftlichkeit aufweisen. So
berichtete McKinsey über einen großen medizinischen Anbieter in den
USA, der in den 1990er-Jahren mit erheblichen klinischen und
finanziellen Problemen zu kämpfen hatte. Ein neuer medizinischer
Direktor baute die klinische Leitung zu einer expliziten Kraft aus,
um letztendlich ein verbessertes Ergebnis für die Patienten zu
erreichen und zu gewährleisten. Der Arzt sah seine Rolle als
partnerschaftlich medizinisch denkender Verantwortlicher und brachte
damit den Anbieter innerhalb von fünf Jahren wieder ganz an die
Spitze.
Doch nicht nur das: Auch die Patienten seien mit ihrer Behandlung
viel zufriedener und stuften diese objektiv besser ein. "Wenn
Ärztinnen und Ärzte, selbstverständlich mit einer fundierten
Managementausbildung, die Letztentscheidung innehaben, führt dies zu
einem besseren Verständnis der klinischen Prozesse, und die
Kommunikation zwischen dem medizinischen Personal und der
Führungsebene ist eine bessere", so Hawliczek.
Neue Leitungsstrukturen im Sinne der Patienten
Die Leitungsstruktur müsse moderne Teambildung interprofessionell
und interdisziplinär fördern, sind sich beide Ärztevertreter sicher.
Dorner: "Ärztinnen und Ärzte verantworten die Patientenbetreuung zu
100 Prozent." Es sei ein fatales Signal, wenn die Ökonomie, und nicht
die Versorgung, im Vordergrund stehe.
"Eine Betriebsführung in Letztverantwortung durch Ökonomen führt
immer nur zu Leistungsreduzierungen und Rationierungen", warnt
Hawliczek. Für Leistungseinschränkungen am Patienten würde sich die
Ärzteschaft aber niemals hergeben. Dorner: "Das Wiener
Krankenanstaltensystem im öffentlichen Bereich muss auch in Zukunft
den Fokus auf humanistische, patientenorientierte und ethische,
keinesfalls auf ausschließlich ökonomische, Werte legen." (kmc)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
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