- 14.04.2011, 12:39:26
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Aktuelle Kriminalitätsentwicklung in Österreich
Langfristige Entwicklungen zeigen nach wie vor Rückgang der Kriminalität
Wien (OTS) - (14. April 2011) Um Kriminalität effektiv und
langfristig bekämpfen zu können, müssen für die Entwicklung und
Umsetzung kriminalpolizeilicher Strategien Langzeitanalysen
herangezogen werden, kurzfristige Auswertungen sind nicht
aussagekräftig und hier für nicht geeignet. Dies war eine der
Empfehlungen der wissenschaftlichen Analyse der Kriminalstatistik ALT
durch Professor Dr. Bernhard Felderer (Institut für Höhere Studien)
und Univ. Prof. Dr. Christian Grafl (Institut für Strafrecht und
Kriminologie an der Universität Wien). Vorgeschlagen wurde eine
jährliche Veröffentlichung der Kriminalitätsentwicklungen anhand
wissenschaftlich fundierter Analysen. Mit der Einführung der
Kriminalstatistik NEU im Jänner 2010 wurde daher unter anderem auf
die quartale Auswertung und Betrachtung der Kriminalitätstrends unter
Hinweis auf die kurzfristige und daher unscharfe Datenqualität
übergegangen.
Langfristige Entwicklungen zeigen: Gesamtkriminalität ist rückläufig
Ein Vergleich der letzten 27 Monate zeigt, dass die
Gesamtkriminalität in Österreich rückläufig ist. Wurden im 1. Quartal
2009 noch 142.553 Fälle angezeigt, so waren es in den ersten drei
Monaten des heurigen Jahres 133.682 und somit ein Rückgang um 6,2
Prozentpunkte. Gleichzeitig ist im Vergleich zum 1. Quartal 2010 eine
Steigerung um vier Prozent zu beobachten, wobei diese bereits wieder
rückläufig ist. Der Rückgang zum Vormonatsquartal Oktober bis
Dezember 2010 liegt bei 4,8 Prozent.
Mehr geklärte Fälle
In Österreich wurden im 1. Quartal 2011 mehr Fälle geklärt: die Zahl
der geklärten Fälle konnte gegenüber den Vorjahresmonaten auf 58.135
Fälle und somit um 16,4 Prozent gesteigert werden.
Aufklärungsquote steigt auf 43,5 Prozent im 1. Quartal 2011
Ein Vergleich der Quartalszahlen zeigt, dass die Aufklärungsquote im
1. Quartal 2011 im Vergleich zu den Vorjahresmonaten Jänner bis März
2010 von 38,8 Prozent auf 43,5 Prozent gestiegen ist. Im 1. Quartal
2009 lag die Aufklärungsquote bei 38,9 Prozent.
Ein Vergleich der einzelnen Monate zeigt, dass die Aufklärungsquote
konstant anwächst: lag sie im Jänner 2009 bei 38,9 Prozent, so lag
sie im März 2011 bei 45,1 Prozent.
Schwerpunkte der kriminalpolizeilichen Arbeit
Verdrängung der Kriminalität
Auffällig ist die Verdrängung der Kriminalität zum Teil in den Westen
Österreichs, aber auch in die Nachbarstaaten. Durch die erfolgreiche
Arbeit der SOKO Ost ist erkennbar, dass Tätergruppen vom Osten
Österreichs nun vermehrt in die westlichen Bundesländer ausweichen.
Für die kriminalpolizeiliche Arbeit wird es daher zukünftig noch
wichtiger werden, die behördenübergreifende Zusammenarbeit zu
optimieren und die Strukturermittlungen zu verstärken, um so gegen
diese Art der organisierten Kriminalität rascher und effizienter
vorgehen zu können. Die entsprechenden strategischen Maßnahmen - wie
die Errichtung der SOKO Kfz West - wurden bereits 2010 eingeleitet.
Langfristig leichter Rückgang an Kfz-Diebstählen
Wurden in den ersten drei Monaten des Jahres 2010 noch insgesamt 905
Kraftfahrzeuge (PKW, Kombi, LKW, Krafträder und andere
Kraftfahrzeuge) als gestohlen gemeldet, so waren es im 1. Quartal
2011 insgesamt 1.135 Kraftfahrzeuge. Das ist im Vergleich zum
Vorjahrsquartal eine Steigerung, langfristig und im Vergleich zu den
letzten neun Monaten aber ein kontinuierlicher Rückgang.
Zuwachs bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäusern
Bei Einbrüchen in Wohnungen und bewohnten Einfamilienhäusern ist im
Vergleich zu 2009 ein Rückgang (6.194), jedoch im Vergleich zum 1.
Quartal 2010 ein Anstieg von 4.361 auf 4.513 im 1. Quartal 2011
festzustellen. Bei den Einbruchstätern handelt es sich verstärkt um
ausländische Tätergruppen aus Georgien, Rumänien und dem Gebiet des
ehemaligen Jugoslawiens. Bei deren Bekämpfung setzt das
Bundeskriminalamt verstärkt auf die Ausschaltung deren
Operationsbasen in den Heimatregionen durch Kooperationen mit den
Polizeieinheiten vor Ort. Aus diesem Anlass wurden seit Beginn des
Jahres 2010 eigene Einheiten, so genannte ILECUs (International Law
and Enforcement Coordination Units) in den Westbalkan-Ländern
geschaffen, mit dem Ziel rascher und damit effizienter eingreifen zu
können. Der Aufbau dieser Zusammenarbeit ist Teil des geschnürten
Maßnahmenpakets "Masterplan gegen die Einbruchskriminalität".
Schwerpunkt Gewaltkriminalität
Sowohl bei Mord, Totschlag und Körperverletzung mit tödlichem Ausgang
als auch bei den Körperverletzungen insgesamt sind die Anzeigen
stagnierend. Eine Täter-Opfer-Analyse zeigt, dass es bei diesen
Delikten verstärkt Beziehungen zwischen Opfer und Täter gibt. Daher
setzt das Bundeskriminalamt hier auf Forschung, Aufklärung und
Prävention im Vorfeld der Eskalation und damit des polizeilichen
Einschreitens. Die Maßnahmen hierfür werden im "Bündnis gegen Gewalt"
und dessen Koordinationsstelle im Bundeskriminalamt koordiniert.
IT-Kriminalität stagniert derzeit
Trotz des boomenden Umgangs mit dem Medium Internet sind marginale
Steigerungen im Bereich der IT-Kriminalität feststellbar. Im ersten
Quartal 2011 wurden 1.129 Delikte zur Anzeige gebracht, im
Vorjahresquartal waren es 952, im 1. Quartal 2009 wurden 820 Fälle
angezeigt. Bei diesen Zahlen ist aber besonders aufgrund der
Kurzfristigkeit höchste Vorsicht geboten. Da in diesem Bereich
Ermittlungen und Fallforschungen komplexer sind und somit sehr lange
dauern, könnten solche vermehrt im 2. und 3. Quartal in der
Kriminalstatistik ihren Niederschlag finden.
Taschen- und Trickdiebstähle
Auch hier sind die Anzeigen rückläufig, hingegen lässt sich der Trend
nach einer Verdrängung nach Westen erkennen, die Gegenstrategien, wie
zum Beispiel die bereits in Wien ergriffene Maßnahme "Operation
Drehscheibe" österreichweit auszurollen, erfordern. Bei diesem
präventivem Projekt geht es darum, Kinder und Minderjährige, die
einmal als Täter erfasst wurden, in betreute Einrichtungen ihrer
Heimatländer zu bringen, wo sie nicht mehr der dortigen organisierten
Kriminalität ausgesetzt sind.
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Rückfragehinweis:
Presse und Öffentlichkeitsarbeit Bundeskriminalamt Mag. Silvia Strasser Mobil: +43 (0) 664/264 07 13 [email protected] Oberst Helmut Greiner Mobil: + 43 (0) 664/813 21 28 [email protected] www.bundeskriminalamt.at
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