Land Steiermark plant Streichung der Zuschüsse für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) hofft auf Verschiebung der Sparmaßnahme, bis die Kassen die Finanzierung übernehmen!

Wien (OTS) -

Diese Meldung wurde korrigiert Neufassung in Meldung OTS0122 vom 13.04

Psychotherapie ist laut ASVG (§ 133 Abs. 2) seit 1992
eine Pflichtleistung der Krankenkassen, die allen Versicherten in gleicher Weise auf Kassenkosten zusteht. Dieses Recht auf psychotherapeutische Behandlung als Versicherungsleistung wurde von den Krankenkassen bisher aber noch immer nicht umgesetzt.

In der Steiermark hat sich das Land dankenswerterweise entschlossen, eine freiwillige Leistung zur Unterstützung der psychotherapeutischen Behandlung aus dem Sozialressort zu leisten. Ergänzend zum Zuschuss der GKK in der Höhe von EUR 21,80 wurde bislang ein zusätzlicher Beitrag von EUR 33,55 geleistet, um den Zugang zur Psychotherapie für Kinder und Jugendliche aus allen sozialen Schichten zu ermöglichen.

Nun soll diese Förderung Einsparungsmaßnahmen zum Opfer fallen. Das wird dazu führen, dass sich viele Eltern Psychotherapie für ihre Kinder nicht mehr leisten können.

Sorge um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen

Laut OECD- und UNICEF-Studien liegen Österreichs Kinder und Jugendliche in den Bereichen psychische Gesundheit und Risikoverhalten an letzter Stelle im europäischen Vergleich.

Der Versorgungsgrad mit psychotherapeutischen Leistungen liegt laut ÖBIG-Studie bei Kindern und Jugendlichen bei nur rund 0,3 Prozent der bis 18-Jährigen. Das ist zum einen nur etwa die Hälfte der Erwachsenen, die in psychotherapeutischer Behandlung stehen und deckt nicht einmal 10 Prozent des geschätzten Behandlungsbedarfs ab.

Psychische Erkrankungen chronifizieren, wenn sie unbehandelt bleiben. Psychisch kranke Kinder von heute, sind die psychisch kranken Erwachsenen von morgen. Chronische Verläufe sind noch immer bei 40 Prozent der Betroffenen zu beobachten. Psychische Erkrankungen verursachen in Österreich insgesamt jährlich volkswirtschaftliche Kosten von 7 Milliarden Euro.

Hintergrund: Novelle des Jugendwohlfahrtsgesetzes

Aufgrund einer geplanten Novelle der Durchführungsverordnung des Steiermärkischen Jugendwohlfahrtsgesetzes wird aufgrund der Einsparungserfordernisse eine landesanteilige Kostenreduzierung in der Höhe von 6.770.000 Euro angesprochen. Dabei sollen Kostenübernahmen eingeschränkt bzw. gestrichen werden. Neben dem Entfall der Erstausstattungspauschale für Pflegeeltern bei kurzfristigen Unterbringungen von Minderjährigen und der Reduktion des Kostenzuschusses für psychologische Behandlungen, soll der Kostenzuschuss für Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen nun vollkommen entfallen.

Dramatische Folgen für Familien werden befürchtet

Verständlich ist einerseits, dass das Land Steiermark unter dem gegebenen Einsparungsdruck nicht länger für die Versäumnisse der Krankenkassen aufkommen will.

Andererseits befürchtet der ÖBVP dramatische Einschnitte und Folgen für die betroffenen Kinder und ihre Familien, wenn nun eine gut etablierte Leistung eingestellt werden soll, noch bevor ein Konzept vorliegt, wie dieser Einbruch abgefangen und von den Krankenkassen kompensiert werden kann.

Wir ersuchen die Steiermärkische Landesregierung, diese Maßnahme zurückzustellen, solange die Kostenübernahme durch die Krankenkassen noch nicht sichergestellt ist und Druck auf die Kassen zu machen, endlich eine rechtskonforme Kassenfinanzierung der psychotherapeutischen Behandlung zu ermöglichen.

Rückfragen & Kontakt:

Dr.in Eva Mückstein, Präsidentin des ÖBVP
Tel.: 0676/600 46 76

ÖBVP Büro:
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