- 31.03.2011, 13:54:16
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Greenpeace: Strahlengrenzwerte für Lebensmittel in der EU höher als in Japan
Gesundheitsminister Stöger muss Strahlentests bei Importware intensivieren und Grenzwerterhöhung zurücknehmen
Wien (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erneuert ihre
Kritik an der Erhöhung der Grenzwerte für die radioaktive Belastung
von japanischen Import-Lebensmitteln durch die EU. Die
Strahlengrenzwerte für den Import japanischer Produkte in die
Europäische Union wurden auf ein Niveau angehoben, das über den
gültigen Werten in Japan liegt. So gilt in Japan etwa bei Cäsium-134
und Cäsium-137 für Milchprodukte ein Grenzwert von 200 Becquerel pro
Kilogramm (Bq/kg) und in Österreich aufgrund der neuen EU-Regelung am
Wochenende ein Grenzwert von 1.000 Bq/kg.
"Es ist absolut skandalös, dass die EU mit der Erhöhung der
Strahlengrenzwerte für Lebensmittel nun radioaktiv belastete
japanische Importprodukte zum Verzehr freigibt, die selbst in Japan
verboten sind und dort aktuell vom Markt genommen werden, " ist
Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin von Greenpeace, fassungslos.
"Der Schutz der Menschen vor radioaktiven Lebensmitteln aus Japan
muss nun absoluten Vorrang vor den Einzelinteressen der
Lebensmittelimporteure haben. Gesundheitsminister Stöger muss seine
Verantwortung wahrnehmen und die Grenzwerterhöhung zurück nehmen,
sowie die Strahlentests bei Importware intensivieren und im
Verdachtsfall einen entsprechenden Importstopp veranlassen", fordert
Sprinz.
Erklärt wurde die Grenzwerterhöhung mit einer EU-Verordnung aus
dem Jahr 1987, die damals als Reaktion auf das Reaktorunglück in
Tschernobyl verabschiedet wurde. Mit dieser Verordnung dürfen die
Grenzwerte bei einer "nuklearen Notstandssituation" in Europa erhöht
werden. "Die Erklärung einer 'nuklearen Notstandssituation' durch die
EU führt unweigerlich zu einer Verunsicherung der Menschen und wirft
zudem viele Fragen auf. Die derzeit in Europa veröffentlichten
Strahlenmessungen zeigen nämlich nur vereinzelt minimal erhöhte
Strahlenwerte in der Luft. Also entweder gibt die EU hier dem Druck
der Einzelinteressen der Lebensmittellobby nach, oder es besteht
tatsächlich eine nukleare Notstandssituation, von der die
Öffentlichkeit bisher nicht informiert wurde", so Sprinz.
Beunruhigend ist die Sachlage auch bei sogenannten Lebensmitteln
geringerer Bedeutung, worunter etwa der oft als Lebensmittelzusatz
zum Einsatz kommende Gummi Arabicum fällt. Gummi Arabicum wird in
Österreich zum Beispiel in Limonaden, Kaugummis oder Süßwaren
verwendet. Hier liegt der Grenzwert in der EU gleich 25-fach über dem
Niveau in Japan (EU 12 500 Bq/kg, Japan 500 Bq/kg). Gemäß Statistik
Austria wurden im Jahr 2010 aus Japan 8.000 kg Gummi Arabicum im Wert
von 58.400 Euro nach Österreich importiert. Bei Gummi Arabicum ist
in der EU als Lebensmittelzusatzstoff E414 zugelassen, es handelt
sich um die getrockneten Gummiabsonderungen bestimmter Akazien. Er
wird als Füllstoff, Stabilisator oder Verdickungsmittel in
Cola-Getränken, Süßwaren, Eiscreme, in Emulsionen (Dressings u.ä.),
fertigen Kuchenmischungen, in Backmitteln und Backgrundstoffen zur
Erhöhung der Wasserbindung eingesetzt.
"Österreich kann unabhängig von den anderen Mitgliedsstaaten
entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Menschen vor verstrahlten
Lebensmitteln ergreifen. Gesundheitsminister Alois Stöger muss sich
für die Beibehaltung der bisherigen Grenzwerte einsetzen, die
Kontrollen verstärken und im Verdachtsfall von radioaktiv verseuchten
Lebensmitteln einen entsprechenden Importstopp veranlassen", fordert
Sprinz abschließend.
Rückfragehinweis:
Claudia Sprinz, Konsumentensprecherin Greenpeace, Tel.: 00436646126731
Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace; Tel.: 00436646126718
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