- 29.03.2011, 10:21:53
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OeNB - Positive Signale aus dem Bankwesen
Entwicklungen bei österreichischen Banken im Jahr 2010
Wien (OTS) - Die von Österreichs Banken vergebenen Kundenzinssätze
erreichten im Frühjahr 2010 historische Tiefststände. Danach führten
Anstiege am Geldmarkt allerdings zu einer leichten
Aufwärtsentwicklung - insbesondere bei Unternehmenskrediten. Der
Zinsvorteil gegenüber dem Euroraum blieb aber trotzdem nach wie vor
hoch. Das aushaftende Unternehmenskreditvolumen stieg 2010 nach
Rückgängen im Jahr 2009 wieder an, auch Privatkredite zeigten eine
positive Entwicklung. Bei Fremdwährungskrediten an Private gab es
wechselkursbereinigt deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Die
Aufwertung des Schweizer Franken sorgte aber für ein Ansteigen des
aushaftenden Volumens (von 37,1 auf 40 Mrd EUR). Auf unkonsolidierter
Basis konnte durch die positive Entwicklung aller Komponenten der
Betriebserträge bzw. einem im Verhältnis dazu geringerem Anstieg der
Betriebsaufwendungen, das Betriebsergebnis der österreichischen
Banken um 20,5% gesteigert werden. Positiv wirkten sich hier sinkende
Risikokosten aus. Das erwartete konsolidierte Jahresergebnis stieg
auf 4,58 Mrd EUR, welches zu einem großen Teil auf ausländischen
Märkten erwirtschaftet wurde.
Bei einem gleichbleibenden Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank
(EZB) auf dem niedrigen Niveau von 1 % im Jahr 2010, erreichten die
Kundenzinssätze der Banken im Frühjahr 2010 historische Tiefststände.
Danach führten höhere Geldmarktsätze allerdings zu Anstiegen. So
erhöhte sich bei neu vergebenen Unternehmenskrediten der
Durchschnittszinssatz vom historischen Tiefststand im April bis
Dezember 2010 um 50 Basispunkte auf das nach wie vor niedrige Niveau
von 2,31%. Bei neuen Krediten an private Haushalte lag der Zinssatz
Ende 2010 mit 2,99% nur unwesentlich über dem historischen
Tiefststand von 2,92%. Dies war vor allem auf Wohnbaukredite
zurückzuführen, die traditionell etwas langsamer auf Zinsänderungen
reagieren und die 2010 um 27 Basispunkte auf durchschnittlich 2,71%
sanken. Konsumkredite wurden 2010 hingegen deutlich teurer (+55
Basispunkte auf 4,84%). Private Haushalte profitierten allerdings
auch im Einlagenbereich von den steigenden Zinssätzen. Vom
historischen Tiefststand von 0,95% (im Mai) stiegen Einlagenzinssätze
bis Jahresende wieder auf 1,33%, lagen damit aber deutlich unter der
Dezember-Inflationsrate von 2,4%. Die Zinsspanne im Neugeschäft der
österreichischen Banken blieb 2010 eine der niedrigsten im Euroraum.
Im Gesamtbestand weitete sich der Zinsvorteil für Österreichs
Kreditnehmer gegenüber dem Durchschnitt des Euroraums 2010 in allen
Kreditbereichen weiter aus. Er betrug zwischen 64
(Unternehmenskredite) und 176 Basispunkte (bei Konsumkrediten).
Nach Rückgängen im Jahr 2009 gab es bei Unternehmenskrediten 2010
wieder Zuwächse zu verzeichnen. Das aushaftende Volumen stieg
wechselkursbereinigt um 1,1% auf rund 135,4 Mrd EUR. Hingegen gab es
im Euroraum mit -0,2% 2010 noch eine rückläufige Entwicklung. Bei den
nachhaltigen Neukreditvergaben an Unternehmen (über 6 Monate
Laufzeit) gab es in Österreich 2010 nach einem schwachen ersten
Quartal ebenfalls wieder deutlich höhere Volumina (im zweiten und
vierten Quartal von jeweils mehr als 5 Mrd EUR) zu verzeichnen.
Bei Krediten an private Haushalte ließen sich 2010 weiterhin positive
Jahreswachstumsraten beobachten, die im Laufe des Jahres allerdings
nur marginal (von 0,7 auf 0,9%) stiegen. Verglichen dazu sprangen die
Wachstumsraten im Euroraum (die 2009 in den negativen Bereich
gerutscht waren) deutlich stärker an und stiegen auf 3%. Die
Ergänzungen der Finanzmarktaufsicht (FMA) bei den Mindeststandards
zur Vergabe von Fremdwährungskrediten, die eine starke Einschränkung
der Vergabe von neuen Fremdwährungskrediten an private Haushalte
vorsehen, zeigten 2010 deutliche Wirkung. Die um Wechselkurseffekte
bereinigte Wachstumsrate von Fremdwährungskrediten an private
Haushalte sank 2010 von -4,9% (Dezember 2009) auf -8,4%. Die starke
Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro hatte aber zur
Folge, dass das in Euro umgerechnete ausstehende
Fremdwährungskreditvolumen von privaten Haushalten 2010 sogar relativ
deutlich von 37,1 auf 40 Mrd EUR stieg.
Auf der Passivseite der Bankbilanzen ist ein Trend zu kurzfristigeren
Einlagenformen (Sichteinlagen +3,3%, Termineinlagen +6,8%) erkennbar,
wobei immer mehr Geld gleich direkt auf Gehalts- und Pensionskonten
gehalten wird. Der Stand der Spareinlagen reduzierte sich wohl auch
auf Grund der derzeit niedrigen Zinssätze hingegen um -1,7%.
Direktbanken haben einen Anteil von 3,8% an allen Einlagen und davon
mittlerweile 10,2% bei täglich fälligen Sichteinlagen.
Die unkonsolidierten Betriebserträge stiegen 2010 wieder kräftig
(+10,4%) auf 19,7 Mrd EUR. Interessant ist, dass bei allen
Ertragskomponenten Steigerungen festgestellt werden konnten. Absolut
betrachtet erhöhten sich die Erträge aus Wertpapieren und
Beteiligungen mit einem Plus von 0,7 Mrd EUR am stärksten. Der
Nettozinsertrag wuchs um 4%, was auf eine stärkere Abnahme der
Zinsaufwendungen (-6,23 Mrd EUR) im Vergleich zu den Zinserträgen
(-5,88 Mrd EUR) zurückzuführen war. Dem Anstieg der gesamten
Betriebserträge standen geringere Zunahmen der Betriebsaufwendungen
(+4,2%) gegenüber, wodurch sich ein unkonsolidiertes Betriebsergebnis
von 8,16 Mrd EUR ergab. Vorrangig wurde diese Entwicklung durch die
positive Ertragssituation einiger Großbanken beeinflusst. Einen
deutlichen Rückgang bei den Risikokosten (in Summe -5,19 Mrd EUR)
erwarten die österreichischen Kreditinstitute vor allem auf Grund der
erwarteten Abnahme beim Wertberichtigungsbedarf auf Wertpapiere des
Finanzanlagevermögens (-3,57 Mrd EUR). Der ungeprüfte
Jahresüberschuss beläuft sich somit schließlich auf 4,23 Mrd EUR.
Die vorläufigen Daten des österreichischen Bankensektors auf
Konzernbasis zeigten eine positive Entwicklung. Das konsolidierte
Periodenergebnis nach Steuern und Minderheitenanteilen stieg im
Jahresabstand um 3,05 Mrd EUR auf 4,58 Mrd EUR, was primär auf einen
um 3,25 Mrd EUR geringerer Dotierungsbedarf an erfolgswirksamen
Kreditrisikovorsorgen zurückzuführen ist. Grundsätzlich liegt der
Periodenerfolg noch weit hinter den Ergebnissen von 2006 (7,5 Mrd
EUR) bzw. 2007 (6,8 Mrd EUR). Einen großen Teil des Jahresergebnisses
haben die Kreditinstitutskonzerne auf ausländischen Märkten
erwirtschaftet.
Weitere statistische Informationen unter www.dieaktuellezahl.oenb.at
bzw. www.oenb.at im Bereich "Statistik und Melderservice".
Herausgeber:
Oesterreichische Nationalbank
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