- 28.03.2011, 12:21:10
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"Bahn frei" für den längsten Eisenbahntunnel in Österreich
Die Arbeiten am 20-Kilometer-Hauptabschnitt des Koralmtunnels sind gestartet
Graz/Deutschlandsberg (OTS) - Bundesministerin Doris Bures,
EU-Vertreterin Désirée Oen vom Kabinett des EU-Verkehrskommissars
Siim Kallas, die Landeshauptmänner Gerhard Dörfler und Franz Voves,
STRABAG-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter Haselsteiner und
ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern nahmen am Montag eigenhändig
die Schaufel in die Hand - gleichsam also mit einem gemeinsamen
"Handgriff" von der EU, Österreich, der Steiermark und Kärnten, sowie
der bauausführenden Arbeitsgemeinschaft und den ÖBB wurde heute der
20 Kilometer lange Hauptabschnitt des Koralmtunnels im Rahmen eines
großen Festaktes im Leibenfeld bei Deutschlandsberg gestartet. Ein
historischer Spatenstich, dem mehr als 500 Gäste - darunter auch
weitere wichtige Vertreter der EU sowie der Regionen entlang der
Baltisch-Adriatischen Achse - beiwohnten. Die Segnung der
Arbeitsstätte nahm der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari im
Anschluss höchstpersönlich vor.
Die beiden Tunnelröhren werden weitgehend mit Tunnelbohrmaschinen in
bis zu 1200 Meter Tiefe Richtung Kärnten vorangetrieben. Der
Tunneldurchschlag soll 2017 erfolgen.
Vorrang für "neue Südbahn"
ÖBB-Vorstandsvorsitzender Christian Kern legte am Montag ein
Bekenntnis zur neuen Südbahn ab: "Die Koralmbahn ist ein wesentlicher
Schritt zur neuen Südbahn. Gemeinsam mit der Pottendorfer Linie und
dem Semmeringbasistunnel betrachtet, bekommen vier Millionen Kunden
eine Zugverbindung mit Hochgeschwindigkeit. Dadurch verringert sich
die Reisezeit von Wien nach Klagenfurt von vier Stunden auf zwei
Stunden dreißig Minuten - also ein enormer Zeitgewinn." Den
wirtschaftlichen Gewinn der Investitionen unterstrich in Folge
Bundesministerin Doris Bures: "Die Südstrecke ist eine der
wichtigsten Verbindungen in Österreich und eine wichtige europäische
Achse. Hier haben wir ein enormes Potenzial sowohl für den
Personenverkehr als auch für den Güterverkehr. Die Koralmbahn mit dem
Koralmtunnel ist ein Herzstück für die neue Südbahn."
Am Ausbau der Schiene ist natürlich auch die EU interessiert.
"Investitionen in Infrastruktur allgemein verbinden Regionen, und
Investitionen in die Schiene im Besonderen sind angesichts der
erzielbaren CO2-Reduktion ja im Sinne unserer Umwelt", betonte
Désirée Oen, Kabinetsmittglied von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.
Sowohl Landeshauptmann Franz Voves als auch sein Kärntner Pendant
Gerhard Dörfler nahmen in ihren Statements auf die
"verkehrspolitische und wirtschaftliche Verbesserung der
Standortqualität" der beiden Bundesländer Bezug. "Ich freue mich über
den Spatenstich zum Schlüsselabschnitt der Koralmbahn. Damit steht
endgültig fest, dass dieses für den Wirtschaftsstandort Steiermark,
aber auch für die europäische Verkehrsachsen so wichtige Projekt
unumstößlich gebaut wird."
Dörfler: "Mit dem Bau der Koralmbahn wird die Infrastruktur der
Zukunft realisiert und der Wirtschafts- und Wohnstandort Kärnten
wesentlich aufgewertet." Und Strabag-Vorstandsvorsitzender Hans-Peter
Haselsteiner: "Wir sind ja im Tunnelbau weltweit bei Großprojekten
tätig. Es ist erfreulich, dass wir unsere Erfahrungen auf diesem
Gebiet nun auch in Österreich - noch dazu beim größten
Tunnelbauauftrag der Republik - einsetzen können."
Versorgung über 60 Meter tiefen Bauschacht
Die Vortriebe dieses Bauloses KAT 2 werden dabei über einen 60 Meter
tiefen, in Brillenform errichteten Bauschacht und den bestehenden
Lüftungsschacht im Leibenfeld versorgt. Über diesen werden alle
Geräte und Einrichtungen angeliefert und unter Tage in
Montagekavernen montiert. Der Vortrieb erfolgt nach modernstem
Standard hauptsächlich durch kristallines Festgestein wie
Glimmerschiefer, Gneise und Marmore. Ein Großteil des
herausgebrochenen Materials wird dabei entweder für den Tunnelbau
selbst beziehungsweise als Schüttmaterial entlang der Strecke wieder
verwendet. Mit der Realisierung dieses Bauloses sind baustellenseitig
etwa 500 hochqualifizierte Fachkräfte beschäftigt.
Die bisherigen Meilensteine bei der Koralmbahn in der Steiermark
- Ausbau der Südbahn-Bestandsstrecke von Graz bis Werndorf
- Seit 2006 Errichtung der rd. 14 km langen zweigleisigen
Neubaustrecke von Werndorf mit dem Hengsbergtunnel bis
Wettmannstätten - diese Strecke ist seit Dezember 2010 bereits
eingleisig und nicht elektrifiziert in Betrieb gegangen und als "S 6"
ins S-Bahnsystem der Steiermark integriert.
- Seit 2007 Errichtung des Abschnitts Wettmannstätten - St. Andrä. In
diesem Abschnitt, der rd. 10 km Freilandstrecke sowie den
Koralmtunnel umfasst,
+ wurden bereits die Wasserbauarbeiten Gussendorf/Laßnitztal im Mai
2009 fertig gestellt (Verlegung der Laßnitz auf 1,8 Kilometer Länge,
Hochwasserschutz- und ökologische Ausgleichsmaßnahmen)
+ erfolgte im Sommer 2008 - als Teil der zukünftigen Anbindung des
IC-Bahnhofs Weststeiermark - die Errichtung der
Baustellenzufahrtstrasse zum Baulos KAT1
+ erfolgte die Umlegung der 110kV-Leitung im Winter 2008/2009
+ erfolgte im Dezember 2008 der Baubeginn für das Baulos KAT1; die
Arbeiten an der 3,2 Kilometer langen Freistrecke von Groß St. Florian
und Unterbergla, wo auch der künftige Intercity-Bahnhof
Weststeiermark entstehen wird, bis zum Ostportal des Tunnels, sind
bereits weitgehend fertig gestellt. Die Tunnelvortriebsarbeiten
wurden hier im Mai 2010 aufgenommen.
+ erfolgte im Juni 2010 der Baubeginn für das Baulos 2 in den
Gemeindegebieten von Groß St. Florian und Unterbergla mit der
Errichtung von drei großen Brückenobjekten
+ erfolgte im März 2011 der Baubeginn für das Baulos 5 im
Gemeindegebiet von Groß St. Florian mit der Errichtung von acht
Brücken und Hochwasserschutzmaßnahmen am Koglbauerbach.
- Vortrieb eines Systems von Erkundungstunnel und -schächten (in
Kärnten und der Steiermark) mit 10 Kilometer Gesamtlänge zur
detaillierten Erkundung des Koralmmassivs von Herbst 2003 bis
Frühjahr 2010
- Start für den Um- und Ausbau des Hauptbahnhofs Graz, der als
Drehscheibe für den Personen- und Güterverkehr fit für die
Anforderungen der Zukunft gemacht wird und bedingt durch die
Inbetriebnahme der Koralmbahn dann künftig eine deutlich höhere
Zugfrequenz abwickeln können wird.
Der Bau des Koralmtunnels
Der Rohbau des Haupttunnels erfolgt in drei Hauptbaulosen:
- Baulos Koralmtunnel 1 (KAT1) vom Ostportal bei Frauental bis in den
Bereich Leibenfeld
- Baulos Koralmtunnel 2 (KAT2) von Leibenfeld bis zum Durchschlag zu
den Baulosen KAT1 und KAT3 über die Landesgrenze Steiermark/Kärnten
- Baulos Koralmtunnel 3 (KAT3) vom Westportal bei Mitterpichling bis
zum Durchschlag mit dem Baulos KAT2
Der insgesamt 32,9 Kilometer lange Tunnel durchquert das
Gebirgsmassiv der Koralpe mit einer maximalen Überdeckung von etwa
1200 Metern. Die beiden Tunnelröhren verlaufen in einem Achsabstand
von ca. 40 Metern und sind alle 500 Meter durch so genannte
Querschläge miteinander verbunden. In diesen Querschlägen sind
bahntechnische Einrichtungen enthalten, sie dienen im Gefahrenfall
aber auch als Fluchtwege in die jeweils andere Röhre. In der
Tunnelmitte wird sich eine Nothaltestelle befinden.
Die Koralmbahn im Überblick
Mit der Koralmbahn als Teil der Neuen Südbahn und der
Baltisch-Adriatischen Achse entsteht eine neue 130 Kilometer lange,
zweigleisige Hochleistungstrecke zwischen Graz und Klagenfurt.
Reisezüge werden künftig deutlich unter einer Stunde Reisezeit
benötigen, aktuell dauert die Fahrt drei Stunden. Das Herzstück der
in sieben Abschnitte unterteilten Koralmbahn bildet der 32,9
Kilometer lange Koralmtunnel. Die Gesamtkosten der 130 km langen
Koralmbahn belaufen sich auf etwa 5,3 Milliarden Euro. Rund 80 km der
Koralmbahn sind in Bau bzw. in Teilen fertig gestellt. Darüber hinaus
wurden seit 2001 zehn Bahnhöfe und Haltestellen, 101 Eisenbahnbrücken
bzw. Straßenunter- /überführungen umgebaut bzw. neu errichtet und
insgesamt 34,7 km Tunnel vorgetrieben bzw. sind in Bau.
Die Baltisch-Adriatische Achse im Überblick
Die Koralmbahn ist Teil der Baltisch-Adriatischen Achse, die von
Danzig über Warschau und Wien/Bratislava nach Triest, Venedig und
Bologna führt und somit die Ostsee mit dem Mittelmeer verbindet.
Wesentlicher Teil dieser Verkehrsachse ist die neue Südbahn mit den
vier zentralen Großprojekten Hauptbahnhof Graz und Wien,
Semmeringbasistunnel neu und der Koralmbahn. Die Verkehrsachse
verbindet über einen Weg von 1700 Kilometern die Ostsee- und
Mittelmeerhäfen, wodurch eine sinnvolle Verknüpfung von Wasser und
Schiene ermöglicht wird. In den Regionen entlang der BAA leben etwa
40 Millionen Menschen.
Rückfragehinweis:
Walter Mocnik Pressesprecher und Öffentlichkeitsarbeit Steiermark ÖBB-Holding AG Konzernkommunikation Europaplatz 4, 8020 Graz Tel.: +43 316 93000 481 Mobil: +43 664 960 32 35 [email protected] www.oebb.at
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