• 24.03.2011, 10:46:54
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Testmagazin Konsument: Seniorenhandys - Weniger ist mehr

Seniorenhandys punkten bei Benutzerfreundlichkeit, Display- und Sprachqualität - teils Mängel bei Bedienungsanleitung und Menüführung

Wien (OTS/VKI) - Sie heißen Doro, Emporia oder tiptel und
konzentrieren sich auf das Wesentliche: das Telefonieren. Kein
Schnickschnack, kein Touchscreen - sogenannte "Seniorenhandys" sollen
vorrangig eines sein: Handys mit einfacher Bedienbarkeit und gut
lesbarem Display. Dass dem nicht immer so ist, hatte im Jahr 2005 ein
Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) zu
seniorentauglichen Handys gezeigt. Nur rund die Hälfte verfügte
damals über ein übersichtliches Design. Häufiger Schwachpunkt war
zudem die mangelnde Verständlichkeit der Bedienungsanleitung.

Die neueste Generation von seniorentauglichen Mobiltelefonen
schlägt sich dagegen großteils passabel, wie der VKI in der
April-Ausgabe des Testmagazins Konsument anhand eines Praxistests mit
zehn Testpersonen im Alter von 50 bis 70 Jahren zeigt: Zwölf von 16
getesteten Handys überzeugen aus Sicht der Zielgruppe durch leichte
Bedienung und übersichtliches Design. Vier Seniorenhandys (Auro,
Hyundai, PRO V und Sentel) weisen allerdings eine miserable
Menüführung oder eine kaum nachvollziehbare Bedienungsanleitung auf.
Damit erreichen diese im Gesamturteil nur ein "durchschnittlich" bzw.
"weniger zufriedenstellend".

Franz Floss, VKI-Geschäftsführer und Leiter des Bereichs
Untersuchung zeigt sich über das vorwiegend positive Testergebnis
erfreut: "Wir konnten feststellen, dass es im Vergleich zu früheren
Testergebnissen deutliche Verbesserungen gibt. Es wird offenbar
allmählich auch in diesem Bereich erkannt, dass Senioren eine nicht
zu unterschätzende Zielgruppe sind. Eine weitere Zielgruppe mögen all
jene sein, die das Prinzip der Einfachheit schätzen und mit den
Spielereien eines Smartphones nur wenig anfangen können. Unser Fazit:
Weniger ist mehr. Was nicht heißt, dass nicht immer noch ein Mehr an
leichter Bedienung, Übersichtlichkeit und Verständlichkeit möglich
wäre." Den Platz des Testsiegers konnte sich das Doro Phone Easy 410
gsm sichern. Erfreulich: An zweiter Stelle findet sich mit dem
Emporia Elegance auch ein österreichisches Produkt. "Gute" bzw. "sehr
gute" Seniorenhandys bewegen sich preislich zwischen 80 und 200 Euro.

Das Prinzip der Einfachheit

Die Hersteller legen ihr Augenmerk auf seniorenspezifische
Bedürfnisse wie deutlich Sehen, gut Hören, leicht Bedienen.
Demzufolge konzentrierte sich der Test auf Faktoren wie einfache
Handhabung beim Telefonieren (z.B. Nummer wählen, Kurzwahl
einrichten, Sprachqualität), aber auch, wie einfach oder kompliziert
die Menüführung, das Schreiben von Kurznachrichten oder das
Einstellen von Sprechton- und Klingellautstärke zu handhaben sind.
Nicht zuletzt war die Verständlichkeit der Bedienungsanleitung von
Relevanz.

Bei der Sprachqualität brachten es zwei Drittel der Handys auf
sehr gute Ergebnisse. Ähnliches gilt für die Tastatur: Hier machen
sich Seniorenhandys in Sachen Bedienungsfreundlichkeit, Größe und
Anordnung der Tasten überwiegend sehr gut. Die Testpersonen, die sich
selbst als Wenigtelefonierer bezeichnen, kamen bei zwei Drittel der
Geräte gut damit zurecht. Auch das Wählen über den Telefonbucheintrag
funktionierte - mit Ausnahme von Auro, Hagenuk, Hyundai und Sentel -
überwiegend sehr gut. Selbst das Schreiben von SMS bereitete den
Testpersonen bei der Mehrzahl der Produkte keine Schwierigkeiten -
was man den großen Tasten, aber wohl auch dem wachsenden Geschick der
älteren Zielgruppe zuschreiben mag. "Zu einfach hält sich hier dann
aber wohl das Sentel 600: Es bietet überhaupt keine Möglichkeit, SMS
zu schreiben. Stattdessen haben sich die Hersteller entschieden, mit
einer komplizierten Menüführung und einer unübersichtlichen
Bedienungsanleitung zu verwirren. Das ist insofern schade, da es über
ein kleines, gutes Display verfügt und auch das Einstellen von
Sprech- oder Klingeltonlautstärke sehr einfach zu handhaben sind",
resümiert Paul Srna, VKI-Projektleiter im Bereich Neue Medien.

Notruf leicht gemacht

Im Bereich der Tasten weisen die Seniorenhandys eine weitere
Besonderheit auf: Zwei Drittel der getesteten Modelle sind mit einer
Notruftaste ausgestattet. Diese funktioniert nach dem Prinzip, dass
die eingespeicherten Nummern immer wieder angewählt werden - so
lange, bis jemand antwortet. Gleichzeitig wird das Handy automatisch
auf Freisprechen geschaltet, ohne selbst etwas dazu tun zu müssen.
"Der Vorteil liegt auf der Hand: Bei Stürzen, Herzattacken oder einem
Diabetesanfall kann der Betroffene schnell und einfach Hilfe
herbeirufen", so Paul Srna, "Die Notruftaste ist eine Funktion, die
aus unserer Sicht bei deklarierten Seniorenhandys Standard sein
sollte."

Mythos Vorsintflutlichkeit

Seniorenhandys sind bzw. sollten zwar grundsätzlich einfach zu
bedienen sein. Doch auch wer auf Zusatzfunktionen Wert legt, kommt in
der Regel nicht zu kurz. Mehr als die Hälfte der getesteten Geräte
verfügt über ein eingebautes Radio; immerhin drei auch über eine
Kamera (Nokia 7020 und 7230 sowie LG GD550). Mit einer Ausnahme sind
alle Geräte mit einem Kopfhöreranschluss ausgestattet und mit zwei
Geräten (Nokia 7230 und LG GD550) kann man sogar im Internet surfen
und E-Mails abrufen.

Fazit: Seniorenhandys sind in Funktionalität und Qualität weit
besser als ihr angestaubtes Image. Sie punkten insbesondere in den
Bereichen Benutzerfreundlichkeit, Display- und Sprachqualität, wenn
auch die Bedienungsanleitungen häufig noch Hürden in den Weg legen.
Erzeugt und vertrieben werden Seniorenhandys vorwiegend von darauf
spezialisierten Nischenanbietern; "große" Herstellernamen sind rar.
Mit dem Emporia Elegance konnte zudem ein österreichisches
Unternehmen ein sehr gutes Ergebnis erzielen: die emporia Telecom mit
Sitz in Linz.

Nun wäre es auch an den Mobilfunkanbietern, im Angebot
gleichzuziehen: Derzeit bieten leider noch nicht alle Provider auch
Seniorenhandys im Paket mit einem Tarif an.

Weitere Informationen zum Test bzw. zur Erhältlichkeit der
getesteten Seniorenhandys gibt es im April-Konsument sowie auf
www.konsument.at.

Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at

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