- 15.03.2011, 10:18:29
- /
- OTS0066 OTW0066
Von der Unmöglichkeit, über Architektur zu schreiben?
Friedrich Achleitner nimmt Paul-Watzlawick-Ehrenring 2011 der Wiener Ärztekammer entgegen

Wien (OTS) - "Ich muss vorweg gestehen, und das ist keine billige
Koketterie, dass ich mich nie zu den Wissenschaftern gezählt und auch
nie den Versuch unternommen habe, etwa eine Architekturtheorie zu
basteln. Ich verwende hier absichtlich das Wort Handwerk, weil ich
meinen Umgang mit Sprache mit der Herstellung von Texten verbinde,
die sich darin abmühen, ein ganz anderes Medium, nämlich die
Architektur, mithilfe der Sprache zu vermitteln", so Friedrich
Achleitner, Preisträger des Paul-Watzlawick-Ehrenrings 2011 der
Ärztekammer für Wien anlässlich seiner Rede bei der Wiener Vorlesung
am 14. März 2011 im Kuppelsaal der Technischen Universität Wien, die
gleichzeitig den Rahmen für die Ehrenring-Überreichung durch
Ärztekammerpräsident Walter Dorner bildete. ****
Mehr als 600 Architektur-, Kultur- und Wissenschaftsinteressierte
sowie Freunde und Bekannte des Preisträgers konnten die Initiatoren
der bedeutendsten Wissenschaftsauszeichnung im deutschen Sprachraum
sowie die Organisatoren der Wiener Vorlesung begrüßen.
In seinen einleitenden Worten würdigte Dorner Friedrich Achleitner
als Analytiker, Diagnostiker, Sprachästheten und Humanisten und zog
anschauliche Vergleiche zwischen den "Handwerken und Künsten"
Architektur und Medizin: "Architektur ist grundsätzlich gut, wenn sie
wie eine dritte Haut atmet. Das ist ein Vergleichsparameter zum
Menschen: Architektur muss für die Menschen geschaffen sein, und
nicht für die Demonstration von Macht - mit allen Irritationen,
Irrwegen, mit allen herausragenden Atmosphären, die dadurch
geschaffen wurden, aber auch mit allen Verengtheiten, sozialen
Missständen und Wohnkäfigen, die unsere Geschichte hervorgebracht
hat. Architektur lebt aus einer großen kulturellen Perspektive. Darin
schließen sich unsere Kreise." Dorner betonte die Aufgabe, Sprache zu
hinterfragen und die Sprache der anderen zu verstehen: die der
Patienten, die der Menschen.
Der Organisator der Wiener Vorlesungen und Laudator des Abends,
Hubert Christian Ehalt, schilderte das Schaffen Achleitners mit
folgenden Worten: "Was wären Wien und Österreich ohne die
intellektuelle Arbeit von Persönlichkeiten wie Fritz Achleitner. Ihm
gilt der Dank, dass er mit seinen künstlerischen, wissenschaftlichen,
sowie kultur- und architekturkritischen Texten ständig eine präzise,
innovative, freundliche und humanistische Perspektive eröffnet."
Hochrangig besetzte Jury
"Friedrich Achleitner ist eine hochkomplexe, hochbegabte und
gleichzeitig bescheidene Persönlichkeit. Mit seiner Literatur hat er
wesentlich zur Sprach- und Gesellschaftskritik beigetragen. Als
Architekturkritiker war er ein warmherziger Verfechter des
Außergewöhnlichen und des lebensgerechten Bauens, als
Architekturhistoriker hat er nahezu Unfassbares geleistet: Sein
dreibändiger Führer der österreichischen Architektur ist ein
Mammutwerk. In diesem Sinne hat er Paul Watzlawicks Ansätze
weiterentwickelt: neue Sichten auf die uns umgebende Realität", so
auch der Vorsitzende der hochrangig und disziplinübergreifend
besetzten Jury des Paul-Watzlawick-Ehrenrings, Erhard Busek.
Literat, Kulturphilosoph, Architekturexperte und Polyhistor
Friedrich Achleitner wurde am 23. Mai 1930 in
Schalchen/Oberösterreich geboren. 1949 maturierte er an der Höheren
Bundesgewerbeschule Salzburg, Abteilung Hochbau. Von 1950 bis 1953
studierte Achleitner an der Akademie der Bildenden Künste Wien,
Meisterschule Clemens Holzmeister, und schloss mit Diplom ab. Von
1953 bis 1955 besuchte er die Meisterschule Emil Pirchan für
Bühnenbild. Achleitner war fünf Jahre lang in Zusammenarbeit mit
Johann Georg Gsteu als freischaffender Architekt tätig. Seit 1958 ist
er freier Schriftsteller. Seine Werke, Montagen, Dialektgedichte, der
"quadratroman" und die später erschienenen Kurzprosatexte gehören zu
den bedeutendsten der österreichischen Moderne. Friedrich Achleitner
schloss Ende 2010 den Österreichischen Architekturführer mit den drei
Bänden zu Wien ab, ein Opus magnum, das auf ungeteilte Bewunderung
stieß.
Renommierteste Wissenschaftsauszeichnung im deutschen
Sprachraum
Der Paul-Watzlawick-Ehrenring, eine Initiative von
Ärztekammerpräsident Walter Dorner, wurde 2011 zum mittlerweile
vierten Mal vergeben. Bisherige Preisträger waren der Soziologe Peter
L. Berger, die Kulturphilosophin Aleida Assmann sowie der Autor und
Philosoph Rüdiger Safranski.
Der Paul-Watzlawick-Ehrenring wird in Hinkunft zweijährlich
vergeben. (hpp)
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NAW






