• 10.03.2011, 11:47:37
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Armut 2: Jetzt in Vorsorge investieren

Rasche Umsetzung der Ganztagsschule an den AHS mit verpflichtender Gesundheits- und Ernährungslehre

Wien (OTS) - Mit Blick auf die hohe Korrelation zwischen Armut und
Krankheit fordert die Ärztekammer die rasche Umsetzung der
Ganztagsschule an den AHS mit verpflichtender Gesundheits- und
Ernährungslehre sowie eine Verdoppelung der Turnstunden bei
verstärktem Mobilitätstraining. "Was wir in konsequente Vorsorge und
Aufklärung investieren, ersparen wir uns in 20 oder 30 Jahren an
akuten Behandlungskosten oder Kosten für chronische Erkrankungen und
Arbeitsausfälle", betont deren Präsident Walter Dorner ****

Dazu sei begleitend notwendig: "Wir brauchen eine Erhöhung der
Mindestabsicherung sowie den barrierefreien Zugang zu Bildung und
Ausbildung." Obwohl Österreich eines der reichsten Länder der Welt
sei, nehme die Anzahl der von Armut betroffenen und bedrohten
Menschen stetig zu. Dorner: "Einmal in der Armutsfalle gelandet,
scheint es schwer, den Teufelskreis zu durchbrechen."

Die Ärztekammer plädiert daher, so früh wie möglich anzusetzen und
in gesundheitliche Vorsorge bereits ab dem Kindesalter zu
investieren. Allerdings könne das Gesundheitssystem nicht alleine
gesundheitliche Ungleichheiten ausgleichen. Dazu bedürfe es
"ressortübergreifender Maßnahmen und Aufklärungskampagnen, von den
Schulen bis hin zur Politik", so Dorner.

Alarmierender Gesundheitszustand bei Jugendlichen

Dass nicht nur Armut krank, sondern auch Krankheit arm machen
kann, ist inzwischen durch zahlreiche Studien belegt. Auch hier gilt:
Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Mit zunehmendem Lebensalter sind Kinder und Jugendliche von heute
viel krankheitsanfälliger und werden deswegen auch mehr und vor allem
teurere medizinische Leistungen benötigen. Die Mehrkosten für das
Gesundheitswesen werden, wenn die heutigen Kinder in das
Pensionsalter kommen, auf 15,3 Milliarden Euro explodieren. Und diese
Gefahr ist groß und realistisch, denn der Gesundheitszustand der
Kinder und Jugendlichen in der EU, und vor allem in Österreich, ist
alarmierend:

- 14 Prozent der Kinder in der EU sind übergewichtig oder fettleibig
- Tendenz steigend. Die größten Zuwachsraten konnten laut OECD unter
anderem in Österreich verzeichnet werden.
- 30 Prozent der Wiener Kinder können nicht mehr rückwärtsgehen, 60
Prozent sind nicht mehr in der Lage, auf einem Bein zu hüpfen
- In Österreich rauchen 24 Prozent der Burschen und 30 Prozent der
Mädchen. (OECD-Durchschnitt: 16 beziehungsweise 17 Prozent)
- 41 Prozent der männlichen und 36 Prozent der weiblichen
Jugendlichen über 15 Jahre trinken regelmäßig Alkohol ( OECD-Schnitt:
33 beziehungsweise 29 Prozent)
- 19,6 Prozent der österreichischen Jugendlichen bewegen sich zu
wenig.

Laut Dorner beginne die Armutsspirale oft bei einem Mangel an
Bildung und Aufklärung von klein auf. Bildung führe zwar nicht
automatisch zu weniger Armut - wie es auch die Volkshochschulen
anlässlich einer Tagung formulierten -, jedoch sei "die
Bildungsförderung und die Aufklärung in vielen Bereichen, wie
beispielsweise Gesundheit, Ernährung oder Sexualkunde, essenziell für
die weitere Entwicklung der jüngsten Mitglieder unserer
Gesellschaft". Eine gute Erstausbildung könne maßgeblich zur späteren
sozialen Etablierung beitragen und vor Arbeitslosigkeit und deren
Folgen schützen.

Neben einer guten Basisausbildung werde daher aus
sozialpolitischer Sicht und aufgrund der Wissensgesellschaft das
Thema lebenslanges Lernen und Weiterbildung immer wichtiger. Dorner:
"Gefragt sind umfassende bildungspolitische Alternativen und neue
Ansätze sowie interdisziplinäre Arbeitsgruppen, die sich einer
effizienten Gesellschaftsgestaltung annehmen und entsprechende
Finanzierungsmodelle dafür erarbeiten." (hpp)

(Schluss)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

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