- 05.03.2011, 21:00:11
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Rückschritt für alle Beteiligten - Leitartikel von Liane Pircher
Wenn eine Familienstaatssekretärin gegen Feminismus und eine gesetzliche Frauenquote ist, was bleibt für Familien übrig?
Innsbruck (OTS/TT) - Sie rückt den Feminismus in die Nähe des
Fanatismus und hält nichts von einer Frauenquote. Dafür setzt Verena
Remler auf Wahlfreiheit für weibliche Lebenswelten. Bei Zweiterem
scheint sie zu vergessen, dass Wahlfreiheit eine gewisse Portion
Feminismus in einer Gesellschaft voraussetzt bzw. diese uns Frauen
überhaupt erst frei in vielerlei Hinsicht gemacht hat. In zwei Tagen,
am 8. März, werden wir am Weltfrauentag wieder daran erinnert werden.
Aber lassen wir Remlers Ansichten zum Feminismus. Dazu gibt es genug
Reaktionen bzw. Erklärungen seitens der ÖVP, was Remler in dem
Interview eigentlich sagen wollte, nämlich, "dass Feminismus ein zu
ideologischer Überbau ist, der für die realpolitische Umsetzung von
besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu wenig lebensnah ist".
Gut so.
Schauen wir uns an, was die Familienstaatssekretärin meint, wenn sie
sagt, dass sie Familien fördern und die Vereinbarkeit von Familie und
Beruf erleichtern will. Leider rezitiert sie hier nichts als
Floskeln. Neu, feministisch weniger verdächtig, aber im Sinne von
Remlers Klientel, also den Familien, hingegen wäre, wenn sie eine in
Deutschland angesagte Debatte nach Österreich lenken würde, eine über
die Elternquote. Da geht es nur am Rande darum, dass Frauen in
Top-Positionen ein Hauptmerkmal prägt: Kinderlosigkeit. Nein, es geht
eher darum, dass sich Eltern - gut qualifizierte Männer wie Frauen -
mehr Teilzeitmodelle wünschen, diese aber trotz Möglichkeiten der
Elternteilzeit selten bekommen, weil die Wirtschaft "funktioniert
nicht" schreit, vor allem in Führungspositionen. In anderen Ländern
funktioniert das aber sehr wohl. Auch Remler wäre am besten geeignet,
ein Gegenmodell zu liefern. Schließlich arbeitet sie "nur" vier Tage
die Woche in Wien. Ja, für Eltern könnte sie sich starkmachen. Dafür
bräuchte es nicht viel feministisches Gedankengut.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion , Tel.: 05 04 03 DW 610
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