Rückschritt für alle Beteiligten - Leitartikel von Liane Pircher

Wenn eine Familienstaatssekretärin gegen Feminismus und eine gesetzliche Frauenquote ist, was bleibt für Familien übrig?

Innsbruck (OTS/TT) - Sie rückt den Feminismus in die Nähe des Fanatismus und hält nichts von einer Frauenquote. Dafür setzt Verena Remler auf Wahlfreiheit für weibliche Lebenswelten. Bei Zweiterem scheint sie zu vergessen, dass Wahlfreiheit eine gewisse Portion Feminismus in einer Gesellschaft voraussetzt bzw. diese uns Frauen überhaupt erst frei in vielerlei Hinsicht gemacht hat. In zwei Tagen, am 8. März, werden wir am Weltfrauentag wieder daran erinnert werden. Aber lassen wir Remlers Ansichten zum Feminismus. Dazu gibt es genug Reaktionen bzw. Erklärungen seitens der ÖVP, was Remler in dem Interview eigentlich sagen wollte, nämlich, "dass Feminismus ein zu ideologischer Überbau ist, der für die realpolitische Umsetzung von besserer Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu wenig lebensnah ist". Gut so.

Schauen wir uns an, was die Familienstaatssekretärin meint, wenn sie sagt, dass sie Familien fördern und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern will. Leider rezitiert sie hier nichts als Floskeln. Neu, feministisch weniger verdächtig, aber im Sinne von Remlers Klientel, also den Familien, hingegen wäre, wenn sie eine in Deutschland angesagte Debatte nach Österreich lenken würde, eine über die Elternquote. Da geht es nur am Rande darum, dass Frauen in Top-Positionen ein Hauptmerkmal prägt: Kinderlosigkeit. Nein, es geht eher darum, dass sich Eltern - gut qualifizierte Männer wie Frauen -mehr Teilzeitmodelle wünschen, diese aber trotz Möglichkeiten der Elternteilzeit selten bekommen, weil die Wirtschaft "funktioniert nicht" schreit, vor allem in Führungspositionen. In anderen Ländern funktioniert das aber sehr wohl. Auch Remler wäre am besten geeignet, ein Gegenmodell zu liefern. Schließlich arbeitet sie "nur" vier Tage die Woche in Wien. Ja, für Eltern könnte sie sich starkmachen. Dafür bräuchte es nicht viel feministisches Gedankengut.

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