• 03.03.2011, 18:28:48
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DER STANDARD-KOMMENTAR "Die Schwarzseherin" von Lisa Nimmervoll

Ausgabe vom 4.3.2011

Wien (OTS) - "Eintopfschule" geht ihm wie "Zwangstagsschule"
flüssig und gern über die Lippen. Zur Abwehr von sozialistischen
Gesamtschul- und Ganztagsfantasien, die auf seiner politischen Agenda
seit Jahren ganz oben steht. Von wegen "Gymnasium für alle". Gleiche
Chancen für alle? Geht?s noch? Das ist die Welt von Werner Amon.
Er wird künftig die ÖVP-Schulpolitik mit Unterrichtsministerin
Claudia Schmied (SPÖ) verhandeln, weil sich Schmieds bisherige
"Spiegelministerin" Beatrix Karl (ÖVP) auf Hochschul- und
Forschungspolitik konzentrieren will.
Das ist fatal. Und nur ein Teil der Wahrheit. Der andere zeigt, wie
devastiert die Volkspartei in einem der wichtigsten Politikfelder
ist. Offenkundig hat Beatrix Karl den Eindruck gewonnen, dass ihre
Partei und ihr Parteichef, getrieben von der Lehrergewerkschaft, noch
lange nicht so weit sein werden, wie sie ist. Sie ist an dem Punkt,
wo sie in Schulfragen schwarzsieht - und sie, die Politikerin mit dem
Habitus der Wissenschafterin, ist nicht gewillt, sich intellektuell
so weit zu verleugnen, bis es der Partei passt.
ÖVP-Chef Pröll gibt mit dieser Rochade, die er selbst forciert haben
soll, seine Partei als ernstzunehmenden Player in der Schulreform
auf. Das Signal ist destruktiv. Statt Verhandlungen auf
ministerieller Augenhöhe schickt die Partei mit dem Betonierer-Image
ausgerechnet den Gehrer-Sekundanten allerältester Schule und
Hilfsbetonmischer von GÖD-Chef Fritz Neugebauer in die
Schulverhandlungen. Nicht nur für Karl viel Grund zum Schwarzsehen.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70 DW 445

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