DER STANDARD-KOMMENTAR "Die Schwarzseherin" von Lisa Nimmervoll

Ausgabe vom 4.3.2011

Wien (OTS) - "Eintopfschule" geht ihm wie "Zwangstagsschule" flüssig und gern über die Lippen. Zur Abwehr von sozialistischen Gesamtschul- und Ganztagsfantasien, die auf seiner politischen Agenda seit Jahren ganz oben steht. Von wegen "Gymnasium für alle". Gleiche Chancen für alle? Geht?s noch? Das ist die Welt von Werner Amon.
Er wird künftig die ÖVP-Schulpolitik mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) verhandeln, weil sich Schmieds bisherige "Spiegelministerin" Beatrix Karl (ÖVP) auf Hochschul- und Forschungspolitik konzentrieren will.
Das ist fatal. Und nur ein Teil der Wahrheit. Der andere zeigt, wie devastiert die Volkspartei in einem der wichtigsten Politikfelder ist. Offenkundig hat Beatrix Karl den Eindruck gewonnen, dass ihre Partei und ihr Parteichef, getrieben von der Lehrergewerkschaft, noch lange nicht so weit sein werden, wie sie ist. Sie ist an dem Punkt, wo sie in Schulfragen schwarzsieht - und sie, die Politikerin mit dem Habitus der Wissenschafterin, ist nicht gewillt, sich intellektuell so weit zu verleugnen, bis es der Partei passt.
ÖVP-Chef Pröll gibt mit dieser Rochade, die er selbst forciert haben soll, seine Partei als ernstzunehmenden Player in der Schulreform auf. Das Signal ist destruktiv. Statt Verhandlungen auf ministerieller Augenhöhe schickt die Partei mit dem Betonierer-Image ausgerechnet den Gehrer-Sekundanten allerältester Schule und Hilfsbetonmischer von GÖD-Chef Fritz Neugebauer in die Schulverhandlungen. Nicht nur für Karl viel Grund zum Schwarzsehen.

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