Einladung ins Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien: Eröffnungsfest am 1. März 2001 in Innsbruck

Wien (OTS) -

  • Welchen Beitrag hat die neulateinische Literatur zur Herausbildung des modernen Europas geleistet?
  • Das LBI will neulateinische Literatur als eigenständige Forschungsdiziplin etablieren

Ohne die neulateinische Literatur gäbe es das heutige Europa in dieser Form nicht - so lautet die These des ForscherInnen-Teams um den klassischen Philologen PD Dr. Stefan Tilg, Leiter des neuen Ludwig Boltzmann Instituts für Neulateinische Studien (LBI) mit Sitz an der Universität Innsbruck. So wird sich das LBI für Neulateinische Studien der bisher unzulänglich erforschten lateinischen Literatur seit der Renaissance widmen, die u.a.Politik und Religion wesentlich beeinflusst hat.

Drei Forschungsschienen: Politik, Religion, Mentalitätsgeschichte

Die lateinische Literatur ist nicht nur auf die legendären "alten Römer" beschränkt. Auf die klassische Epoche folgten die mittellateinische Phase bis etwa 1500 n. Chr. Neulateinische Literatur beginnt mit den Werken des Frühhumanismus in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, doch wurden noch bis ins späte 15. Jahrhundert auch Werke verfasst, die zur mittellateinischen Literatur gehören.

Von der mittellateinischen Literatur unterscheidet sich die neulateinische dadurch, dass sie sich strikt an den antiken Vorbildern orientiert, insbesondere am Schrifttum aus der Epoche der "Goldenen Latinität" (u.a. Cicero, Vergil, Horaz). Den Wortschatz und die Syntax dieser Vorbilder erhoben die Humanisten zu einer verbindlichen Norm. Der Begriff "neulateinisch" meint kein neues Latein, sondern die konsequente Rückkehr zu einer bestimmten Stufe der antiken Latinität.

Das neue Ludwig Boltzmann Institut erforscht das weiträumige und bisher schlecht erschlossene Gebiet der neulateinischen Literatur ab1350, deren Menge jener der aus der Antike überlieferten lateinischen Texte bei weitem übersteigt. Anhand ausgewählter Beispielen aus den drei Bereichen Politik, Religion und Mentalitätsgeschichte wird das LBI in den nächsten sieben Jahren zeigen, dass die neulateinische Literatur maßgeblich an der Entwicklung des vormodernen Europas beteiligt und damit eine Bedingung für unsere heutige Welt war. Die ersten konkreten Projekte beschäftigen sich mit der Bedeutung des Lateinischen im Vielvölkerstaat der Habsburger, dem lateinischen Jesuitendrama im 18. Jahrhundert und der "Entdeckung der Berge" als Orte des Genusses und gesteigerten Lebensgefühls in lateinischen Texte des 16. Jahrhunderts.

Partner des LBI sind die Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, die deutsche Albert-Ludwig-Universität Freiburg, der Pontificio Comitato di Scienze Storiche im Vatikan und die Österreichische Nationalbibliothek. Dem europäischen Charakter der zu erforschenden Literatur wollen die Neulateiner auch dadurch gerecht werden, dass neben der Zentrale in Innsbruck Außenstellen in Wien, Freiburg und Rom eingerichtet werden.

Dritte Ausschreibung der Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Insgesamt waren 47 Anträge zur Gründung neuer Ludwig Boltzmann Institute im Jänner 2009 bei der Ludwig Boltzmann Gesellschaft LBG eingegangen. Davon wurden nach Begutachtung von internationalen ExpertInnen zehn KandidatInnen eingeladen, Langanträge ihrer Konzepte auszuarbeiten. Eine Jury beurteilte diese und empfahl dem Vorstand der Ludwig Boltzmann Gesellschaft schließlich sechs Anträge zur Umsetzung

Die 1961 gegründete Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine private Trägerorganisation für Forschungseinrichtungen in Österreich und befasst sich mit medizinischen sowie geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen. Seit einer umfassenden Organisationsreform 2002 werden Ludwig Boltzmann Institute (LBI) aufgrund von Ausschreibungen und mit internationalem Begutachtungsverfahren eingerichtet. Ein besonderes Merkmal von Ludwig Boltzmann Instituten ist die Kooperation mit Partnerorganisationen.

Einladung zur Eröffnungsfeier ins Ludwig Boltzmann Institut für
Neulateinische Studien


Es sprechen:
- DI Dr. Bernhard Tilg, Landesrat der Tiroler Landesregierung
- Mag. Claudia Lingner, Geschäftsführerin der LBG
- Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle, Rektor der Leopold-Franzens
Universität Innsbruck
- Univ.-Prof. DDr. Johannes Rainer, Vorsitzender d.
Universitätsrates der Leopold-Franzens Universität Innsbruck
- Univ.-Prof. Dr. Ivo Hajnal, Vorsitzender des Senates der
Leopold-Franzens Universität Innsbruck

Vorstellung des Institutes durch: PD Dr. Stefan Tilg, Direktor,
Univ.-Prof. Dr. Martin Korenjak, Key-Researcher, Ass.-Prof. Dr.
Floria Schaffenrath, Key-Researcher

Datum: 1.3.2011, um 18:00 Uhr

Ort:
Zentrum für alte Kulturen der Universität Innsbruck
Langer Weg 11, 6020 Innsbruck

Rückfragen & Kontakt:

LBI für Neulateinische Studien
Ass.-Prof. Dr. Florian Schaffenrath
florian.schaffenrath@neolatin.lbg.ac.at
Tel +43 (0) 512 507 37605

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