VKI-Appell an Reiseveranstalter: Kostenlose Stornos und Umbuchungen für Ägypten zulassen

Semesterferien nahen und Reisende haben Sorge vor Unruhen in Ägypten

Wien (OTS/VKI) - Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) melden sich Urlauber, die für die Semesterferien Ägypten gebucht haben und nun Sorge vor den sich ausbreitenden Unruhen haben. Der VKI stellt klar: Eine Reisewarnung des Außenministeriums ist in der Judikatur keine zwingende Voraussetzung für ein Recht auf einen kostenlosen Rücktritt wegen des Wegfalls der Geschäftsgrundlage. Wenn die in seriösen Medienberichten dargestellte Gefahrensituation einen "Durchschnittsreisenden" so ängstigen würde, dass eine Reise unzumutbar ist, dann kann man kostenlos stornieren. Der VKI appelliert an die Reiseveranstalter, bereits jetzt verunsicherte Kunden kostenlos umzubuchen bzw. deren Reisen stornieren zu lassen.

Ähnlich wie in Tunesien schaukeln sich derzeit Demonstrationen und Unruhen auch in Ägypten auf. Zwar sind derzeit - nach Medienberichten - noch nicht die Touristenziele am Roten Meer betroffen, wohl aber die Großstädte und auch die Touristenziele in den Großstädten. Weitere Demonstrationen sind - trotz Verbot - angekündigt. Derzeit warnt das Außenministerium vor erhöhten Sicherheitsgefahren, hat aber noch keine formelle Reisewarnung ausgegeben.

Der VKI verweist auf die Judikatur der österreichischen Gerichte zur Frage des Wegfalles der Geschäftsgrundlage wegen Gefahren am Urlaubsort:

1) Die Gefahrenlage muss eine Intensität erreichen, die über das "normale Lebensrisiko" hinausgeht und bei einem Durchschnittskunden dazu führen würde, dass er die Reise nicht antritt.

2) Diese Gefahrenlage ist aus der Perspektive des Kunden zum Zeitpunkt seiner Entscheidung zu prüfen (ex ante); nicht aus der Perspektive beim Prozess - rückblickend sind alle gescheiter.

3) Die Gefahrenlage kann der Kunde im Lichte seriöser Medienberichte einschätzen. Ergeben diese eine entsprechende Gefahrenlage, dann reicht das aus. Wenn das Außenministerium überdies eine "Reisewarnung" ausgibt, dann ist dies ein weiteres starkes Indiz, dass die Gefahrenlage intensiviert ist. Der Umkehrschluss (keine Reisewarnung - kein kostenloses Storno) ist dagegen unzulässig.

4) Der Kunde muss die Situation kurzfristig vor Abreise einschätzen. Liegt diese in weiterer Zukunft, muss er erst einmal die Entwicklung der Situation abwarten.

5) Der Reiseveranstalter kann ein kostenloses Storno des Kunden dadurch abwehren, dass er eine kostenlose Umbuchung auf eine gleichwertige Reise (gleicher Preis/gleiche Reisezeit/gleicher Reisezuschnitt) anbietet. Diese muss auch zumutbar (das kann z.B. bei ungewöhnlicher Kost oder Langstreckenflug statt Kurzstrecke im Einzelfall nicht vorliegen) sein.

Der VKI rät daher Ägyptenreisenden:

1) Kontakt mit dem Reiseveranstalter aufnehmen und versuchen, eine konsensuale Lösung zu erzielen. Der VKI appelliert an die Branche, den Kunden entgegenzukommen.
2) Gelingt dies nicht, dann sollte - wenn für die Semesterferien gebucht wurde - die weitere Entwicklung der Situation vor Ort noch abgewartet werden. Kommt es nicht zu einer Entspannung, sondern zu einer Verschärfung der Situation, und will man die Reise nicht antreten, dann rät der VKI:

- Im Rücktrittsschreiben ausdrücklich auf die Angst vor weiteren Unruhen und die damit verbundene Unzumutbarkeit des Reiseantritts (Wegfall der Geschäftsgrundlage) Bezug nehmen,

- allfällige Stornokosten nur "vorbehaltlich rechtlicher Klärung und Rückforderung" bezahlen,

- im Falle des Rücktritts von der Reise die bereits bezahlten Reisekosten vom Reiseveranstalter zurückfordern.

"Wir appellieren an die Branche, sich nicht auf eine formelle Reisewarnung des Außenministeriums zurückzuziehen, sondern den verunsicherten Kunden weitgehend entgegen zu kommen", sagt Dr. Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI.

Rückfragen & Kontakt:

Verein für Konsumenteninformation
Dr. Peter Kolba, Leiter Bereich Recht
Tel.: 01 / 58877 - 320

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NKI0003